Robert Prutz: Das Mormonenmädchen
in:
Deutsches Museum. Band 1, 1864

Seite 902

Der Möllhausen`sche Roman führt uns auf ein einigermaßen verwandtes Terrain, insofern auch bei ihm die Schilderung der tropischen Natur eine Hauptstelle einnimmt. In diesen Schilderungen besitzt der Verfasser bekanntlich eine große Virtuosität und auch in dem vorliegenden Werke hat dieselbe ihn nicht im Stich gelassen. Auch die Fabel des Romans ist glücklich erfunden; es sind die abenteuerlichen, zum Theil höchst gewaltsamen Schicksal einer jungen schwedischen Dame, welche, von religiöser Schwärmerei getrieben, sich den Mormonen anschließt, bis ihr reines Gemüth sich von der sittlichen Verwilderung derselben und namentlich von der bei den Mormonen üblichen Vielweiberei zurückgestoßen fühlt,wo denn ein junger liebenswürdiger nordamerikanischer Marineoffizier eben noch zur rechten Zeit als Retter und Befreier ercheint. Das Buch ist reich an spannenden und erschütternden Scenen, deren Gesammtwirkung jedoch noch größer sein würde, hätte de Verfasser sich im ganzen einer etwas knappern Darstellung befleißigt.

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