BALDUIN MÖLLHAUSEN

ANDREAS GRAF:
"Wenn eine Arbeit fertig ist, wird sie eben zur Waare."
Der Briefwechsel zwischen Joseph Kürschner und Balduin Möllhausen (1884-1898) [1]

Die überragende Bedeutung des Literaturfunktionärs und Redakteurs, Herausgebers und Lexikographen Joseph Kürschner (1853-1902) für die Verbreitung der bürgerlichen deutschen Literatur im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts läßt sich, auf der Basis der bislang vorliegenden Untersuchungen, nur erst erahnen. Balzers verdienstvolle Studie von 1976 [2] bietet eine verläßliche Grundlage, auf der aufzubauen ist. Dabei bildet die Tatsache, daß Kürschners umfangreiche Korrespondenz zum allergrößten Teil erhalten blieb, einen für die Literaturgeschichtsschreibung dieser Jahrzehnte einzigartigen Glücksfall. Dieses Material ist weitgehend unpubliziert; bislang war von Kürschner in der weiteren Forschung lediglich im Zusammenhang mit Karl May [3] die Rede. Einige wenige Briefe, darunter solche von Felix Dahn, Rudolf Herzog, Henrik Ibsen, Hermann Löns, C.F. Meyer und Friedrich Spielhagen sowie ein kurzer Briefwechsel mit Wilhelm Raabe wurden 1990 publiziert, [4] ein paar Briefe von und an Theodor Fontane 1991. [5]

Das Archiv für Geschichte des Buchwesens hat in den letzten zwei Jahrzehnten immer wieder Briefe von Schriftstellern des 19. Jahrhunderts an ihre Verleger abgedruckt; die von McClain/Kurth-Voigt publizierten Briefe Karl Gutzkows, Friedrich Gerstäckers, Friedrichs von Bodenstedt und Clara Mundts an Hermann Costenoble, sowie die von Friesen veröffentlichten Briefwechsel Gutzkows mit Otto Janke und dem Verlag F.A. Brockhaus bieten gute Einblicke in den komplizierten Interaktionszusammenhang von Literatur-Produzenten, -Distribuenten und -Konsumenten, den unter dem Begriff 'literarisches Leben' zu untersuchen sich mittlerweile eingebürgert hat. [6] Besonders für die Erforschung der Unterhaltungsliteratur, die nun einmal den überwiegenden Anteil der literarischen Produktion nicht nur dieses Zeitraums ausmacht, bietet die Publikation von Briefwechseln ein unverzichtbares Hilfsmittel - wenigstens so lange, wie beispielhafte Biographien und Bibliographien der wichtigsten Schriftsteller dieses Bereichs fehlen. Für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Unterhaltungsliteratur auch insofern von besonderer Bedeutung, als diese Jahrzehnte der wohl einzige Zeitraum in der deutschen Literaturgeschichte sind, in dem Kritiker- und Publikumsgeschmack weitgehend identisch waren; [7] dessen Erforschung kann mithin, über die Beleuchtung der Positionen der Gebildeten hinaus, auch Erkenntnisse zur Mentalitätsgeschichte breiter Bevölkerungsschichten bieten.

Doch obwohl Zeitungen und Zeitschriften - in anderer Weise als etwa in England oder Frankreich - für die gesamte deutsche Literatur des 19. Jahrhundert eine überragende Bedeutung haben, sind Autorenbriefwechsel mit Redaktionen bislang kaum publiziert worden. Die bisherigen Veröffentlichungen zu diesem Thema liegen zudem entlang der bekannten germanistischen Trampelpfade, sind also beschränkt auf die 'kanonisierten' Schriftsteller. [8] Doch selbst bedeutsame Briefwechsel wie die Storms (ca. 180 Schreiben) oder Raabes (ca. 65 Schreiben) mit der Redaktion von Westermanns Monatsheften ruhen seit hundert Jahren ungehoben im Verlagsarchiv. Unter diesen Umständen umweht natürlich die Forderung, vollständige Briefwechsel auch anderer, vielleicht zweitrangiger Autoren mit den Redaktionen der größten Familienblätter oder Tageszeitungen mit Romanfeuilleton (Kölnische Zeitung, Spenersche Zeitung, Norddeutsche Zeitung etc.) zu publizieren, mehr als ein Hauch des Vergeblichen - auch wenn davon wichtige Erkenntnisse über Leserbindung, Veröffentlichungsstrategie oder politische Konzeptionen zu erwarten wären. Zwar ist vieles von diesem Material, zusammen mit den großen Verlagshäusern, dem letzten Krieg zum Opfer gefallen; doch längst nicht alles. Die weltpolitischen Veränderungen der letzten Jahre bieten vielleicht die Chance zu interessanten Funden in ostdeutschen oder -europäischen Archiven.

Joseph Kürschner [9] wurde 1853 in Gotha geboren, zog 1871 nach Leipzig, hatte 1872 eine erste Buchveröffentlichung und übersiedelte 1875 nach Berlin, wo er die Redaktion mehrerer Zeitschriften, darunter Literarischer Verkehr und Litterarische Korrespondenz, übernahm. 1881 zog er nach Stuttgart, wo er im Jahr zuvor einen Vertrag mit dem Verleger Wilhelm Spemann (1844-1910) geschlossen hatte, um in die Redaktion von dessen Buchreihe Collection Spemann und der Zeitschrift Vom Fels zum Meer einzutreten. Seit 1883 (5. Jg.) hatte er zudem die Herausgabe des Deutschen Litteratur-Kalenders inne, der bis heute mit seinem Namen verbunden ist. Zwei Jahre später gründete er die Deutsche Schriftsteller-Zeitung und den "Deutschen Schriftsteller-Verein", eine um höhere Effektivität bemühte Konkurrenzveranstaltung zum "Allgemeinen deutschen Schriftsteller-Verband". 1889 wechselte Kürschner zur unmittelbaren Konkurrenz Spemanns über, indem er "Literarischer Direktor" bei der Deutschen Verlagsanstalt wurde und die Redaktionen von Über Land und Meer, der Deutschen Romanbibliothek und anderer übernahm und die Halbmonatszeitschrift Aus fremden Zungen begründete. 1891 brach er mit der Deutschen Verlagsanstalt, übersiedelte nach Eisenach (Villa 'Hohenhainstein'), und war von 1895 bis 1902 literarischer Leiter und stiller Teilhaber des Verlags Hermann Hillger in Berlin, für den er zahlreiche erfolgreiche Projekte aus der Taufe hob, darunter Kürschner's Universal-Konversations-Lexikon, das Lexikon des deutschen Rechts, ein Handbuch der Presse, das Weltsprachen-Lexikon, Kürschner's Jahrbuch, sein Staatshandbuch sowie die Billigbuchreihe Kürschner's Bücherschatz. [10] Kürschner starb 1902, während eines Urlaubes in Tirol. Eine Psychobiographie dieses wichtigen Literaturfunktionärs, der ein manischer Sammler und Kommunikator war, ein hochanpassungsbereiter Korrespondent mit feinstem Gespür für Publikumswirkung und -geschmack, könnte wichtige Aufschlüsse liefern zum bürgerlichen Literaturbetrieb der wilhelminischen Zeit.

Balduin Möllhausen (1825-1905) [11] gehörte zu den erfolgreichsten deutschen Schriftstellern seiner Zeit. Er war in Bonn geboren und aufgewachsen, hatte einen Teil seiner Jugend wohl in Mecklenburg und Vorpommern auf den Gütern eines Vormundes verbracht, und war dann von unglücklichen Familienverhältnissen und Abenteuerlust nach Amerika getrieben worden. Dort hatte er in den Jahren 1850-52, 1853/54 und 1857/58 drei gefahrvolle und abenteuerliche Reisen in dem nordamerikanischen 'Wilden Westen' unternommen und war von Alexander von Humboldt ermutigt worden, darüber Reiseberichte zu verfassen. Damit wurde er in kürzester Zeit in Deutschland bekannt. Er ließ sich in Potsdam nieder und veröffentlichte nun von 1861 an fast jedes Jahr einen umfangreichen Roman, in denen er seine Kindheits- und Jugenderlebnisse einerseits und seine amerikanischen Abenteuer andererseits verarbeitete.

Möllhausen war bekannt mit Theodor Fontane und gehörte einem lockeren Kreis von Gelehrten, Schriftstellern und Militärs um den Prinzen Friedrich Karl an, Preußens oberstem Kriegsherrn in den Kriegen von 1864, 1866 und 1870/71. Nach dem Tod des Prinzen übersiedelte er im Jahr 1886 nach Berlin, wo er mit zahlreichen Künstlern und Schriftstellern Kontakt hatte, darunter Heinrich Seidel, Hermann Sudermann, Friedrich Spielhagen, Ernst von Wolzogen, Paul Schlenther, Robert Schweichel, Anton von Werner, Franz von Stuck und Fritz Uhde.

Möllhausen war vermutlich der einzige deutsche Schriftsteller seiner Zeit, der den amerikanischen Westen jenseits der frontier, also in seinen unzivilisierten Bereichen, wirklich gekannt hat. Seine Romane spiegeln die Struktur seines Lebens: sie bestehen meist aus zwei Teilen, von denen einer in Deutschland spielt, der andere in Nordamerika. Spätestens nach dem Tod Gerstäckers (1872) galt er der deutschen Öffentlichkeit als legitimer Fachmann in belletristischen Amerikafragen. Von der Kritik wurde er in den sechziger und siebziger Jahren hochgelobt, mit Einsetzen der Naturalismusdebatte ließ das Kritikerlob etwas nach, was jedoch der Beliebtheit Möllhausens beim Publikum weiterhin keinen Abbruch tat. [12] Er starb, hochgeehrt, 1905 in Berlin.

Seine Romane wurden noch bis etwa zum Ende der dreissiger Jahre viel gelesen, nach dem letzten Krieg geriet er vollständig in Vergessenheit. Insgesamt war Möllhausen mit einem Großteil seines Werkes etwa sechzig bis siebzig Jahre auf dem deutschen Buchmarkt vertreten. Die amerikanische Historiographie interessiert sich seit etwa zwanzig Jahren verstärkt für Möllhausen, der ihr als interessanter Zeuge für eine untergegangene Epoche der eigenen Geschichte gilt. Die Germanistik hat erst in letzter Zeit überhaupt begonnen, diesen Autor wahrzunehmen. [13]

Möllhausens erster Romanverleger war Hermann Costenoble. Friedrich Gerstäcker, der ebenfalls dort publizierte, hielt verständlicherweise nicht besonders viel von seinem neuen Konkurrenten und versuchte, ihn vor dem Verleger schlecht zu machen. Er schrieb im Jahr 1862, als gerade die ersten beiden Romane Möllhausens erschienen waren:

    "Apropos die Möllhausischen Bücher, über die Sie von mir ein Urtheil wollten. Mein guter Herr Costenoble, ich gebe Ihnen das nicht gern, da Hr. M. gleichen Stoff mit mir behandelt, wenigstens ein gleiches Terrain hat. So viel kann und muß ich Ihnen aber sagen, daß es meiner Meinung nach der reine Schund ist & ich meinen Namen nicht um vieles Geld unter einem dieser Bücher haben möchte. Ich will mich verbündlich machen, einen solchen Roman einer Anzahl Stenographen in drei Tagen zu dicktieren. Das aber natürlich nur unter uns. Die Leihbibliotheken werden sie kaufen, denn es ist deren Futter: Spieß & Kramer ins Amerikanische übersetzt, mit lauter unmöglichen Charakteren." [14]

Andere Leser sahen dies anders; Karl May, Arno Holz und Arno Schmidt haben Möllhausen durchaus geschätzt.

Möllhausens Briefwechsel mit seinen wichtigsten Verlegern und Redakteuren, also mit Hermann Costenoble, Otto Janke, Hermann Schönlein, den Brüdern Kröner, dem Verlag Trowitzsch & Sohn sowie der Feuilleton-Redaktion der Kölnischen Zeitung, sind nicht erhalten. Von anderen Briefen von oder an den Autor liegen bislang 143 im Druck vor, [15] was im wesentlichen auch der Gesamtzahl der erhaltenen Zeugnisse entsprechen dürfte. Ein besonderes Gewicht hat vor diesem Hintergrund der Schriftwechsel mit Kürschner.

Der hier vorgelegte Briefwechsel [16] umfaßt insgesamt 91 Schreiben, davon 49 von Kürschner und 42 von Möllhausen. Er reicht von 1884 bis 1898, erstreckt sich tatsächlich aber nur über acht Jahre, da aufgrund eines Zerwürfnisses von 1889 bis 1895 keine Briefe zwischen den Korrespondenten gewechselt wurden. Der erhaltene Briefwechsel ist in sich weitgehend vollständig, allerdings fehlen der Anfang und das Ende. Aus den Jahren (etwa) 1882 bis 1884 fehlt der Beginn der Korrespondenz, aus 1887 fehlen vier oder fünf Schreiben, und auch aus 1896/97 fehlen ein paar Briefe. Zusätzlich muß man annehmen, daß die Korrespondenz auch von 1899 bis 1902 (dem Todesjahr Kürschners), wenn auch vermutlich nur spärlich, weitergegangen ist, da Möllhausen im Jahr 1900 noch einmal ein Werk bei Kürschner veröffentlich hat. Insgesamt bietet die erhaltene Korrespondenz das lebendige Bild einer wechselvollen, gelegentlich von deutlichen Interessengegensätzen gekennzeichneten Beziehung von Redakteur/Herausgeber und Autor. Der Briefwechsel verteilt sich wie folgt über die Jahre:

      1884:      1
      1885:      5
      1886:      34
      1887:      24
      1888:      7
      1896:      8
      1897:      5
      1898:      6

Das Schwergewicht liegt auf den Jahren 1886/87, als im Verlauf von 21 Monaten 58 Schreiben gewechselt wurden; man schrieb sich damit im Durchschnitt alle zehn Tage. Balduin Möllhausen war für Joseph Kürschner also von einiger Wichtigkeit. Thematisch läßt sich der Ablauf der Korrespondenz in folgende Blöcke einteilen:

Nr. 1-8

1884/85: Loggbuch an Schönlein verkauft

Nr. 9-43

1886: Janke/Costenoble, Fährmann an Schönlein verkauft, Hulk an Kürschner

Nr. 44-65

1887: Montague an Kürschner, Honorar u. Kürzungen akzeptiert

Nr. 66-72

1888: Entrüstung über Kürzungen, Bruch

Nr. 73-91

1896-98: Neubeginn, Bücherschatz

Den eigentlichen Anfang der Korrespondenz Möllhausen/Kürschner bildet ein Brief Möllhausens an den Stuttgarter Verleger Wilhelm Spemann vom Oktober 1882 (Nr. 1). In diesem Brief, der dem Konvolut im GSA Weimar beiliegt, macht Möllhausen dem Verleger das überraschende Angebot: "Am liebsten wäre es mir, sie verlegten Alles, was ich noch schreibe." Im Mai des gleichen Jahres hatte Spemann in seiner Abonnementbuchreihe Collection Spemann drei Erzählungen Möllhausens herausgebracht, die zuvor in Trowitzsch's Volkskalender erschienen waren. Theodor Fontane hatte für diesen Band ein lobendes Vorwort verfaßt. [17] Diese Billigbuchreihe, die gleichwohl verhältnismäßig gediegen aufgemacht war und in der viele gute Texte erschienen (Immermann: Der Oberhof, Gogol: Novellen, Arnim: Die Kronenwächter, Lesage: Der hinkende Teufel, J.F.Cooper: Der Bravo u.a.), [18] wurde von Joseph Kürschner betreut. Möglicherweise sind also auch zwischen diesem und Möllhausen zu jener Zeit bereits Schreiben hinundher gegangen, die verloren sind. Im Mai 1884 erschien Möllhausens Novelle Der Chef des Vigilance-Komitees in Spemanns Zeitschrift Vom Fels zum Meer, die zu diesem Zeitpunkt bereits von Kürschner betreut wurde. Auch die diese Novelle betreffenden Briefe sind verloren. Möllhausen fühlte sich allerdings mit dem 300 Mark Honorar, die er von dem Verleger für Das Vigilance-Komitee erhalten hatte, "abgespeist" (Nr. 4), und war seitdem nicht mehr sonderlich gut auf Spemann zu sprechen. In seiner Korrespondenz mit Kürschner legt er immer wieder Wert darauf festzustellen, daß seine Wertschätzung dem Redakteur als Person und nicht dem Verlag gilt (Nr. 40). Das wiederholte sich, als Spemann dem Autor für den Roman Haus Montague nur 5000 Mark zahlte; der Verleger habe, schreibt Möllhausen, damit auch seinen Redakteur "heillos desavouiert(e)" (Nr. 64). Kürschner läßt sich, wohl aus taktischen Gründen, auf diese Unterscheidung zwischen Verlag und Redakteur ein, da sie ihm bei unangenehmen Entscheidungen den Rücken freihält: "Sie begreifen, wie außerordentlich peinlich mir die Sache ist." (Nr. 65) Spemann legte "nur wenig Werth" (Nr. 63) auf die Verbreitung einer Buchausgabe, da dabei "nicht ein eigentlicher Verdienst" war. Dies hing zusammen mit der beim deutschen Lesepublikum gängigen Praxis, selbst neue Romane nicht zu kaufen, sondern in einer Leihbibliothek auszuleihen. Spemann war deshalb daran gelegen, einen Roman ausschließlich für einen Abdruck in seiner Zeitschrift und so preiswert wie möglich zu erwerben. Dies kollidierte mit dem Interesse des Autors, der Zeitschriftenabdruck und Buchausgabe zusammen verkaufen wollte. Für Haus Montague war zunächst auch eine Buchausgabe ausgemacht worden, diese erschien nach dem Zerwürfnis allerdings bei Costenoble.

In den Jahren 1884 bis 1889, die den Kern der Korrespondenz ausmachen, hat Balduin Möllhausen folgende Romane veröffentlicht:

1884    Der Haushofmeister (Buchausgabe Costenoble)
1884    Die Trader (Buchausgabe Janke)
1884    Wildes Blut (Vorabdruck Kölnische Zeitung)
1886    D. Loggbuch d. K. Eisenf. (Vorabdruck Das Buch für Alle)
1886    Wildes Blut (Buchausgabe Costenoble)
1886/87    Das Geheimnis des Hulk (Vorabdruck Vom Fels zum Meer)
1887    Familie Melville (Vorabdruck Das Buch für Alle)
1887    Der Fährmann am Kanadian (Vorabdruck Bibliothek)
1887    Loggbuch (Buchausgabe Schönlein))
1888/89    Haus Montague (Vorabdruck Vom Fels zum Meer)

Beinahe alle diese Werke kommen direkt oder indirekt zwischen Kürschner und Möllhausen zur Sprache. Eine bedeutende Rolle spielt dabei immer wieder der Zeitschriftenverlag von Hermann Schönlein (1833-1908), mit dem Möllhausen parallel zur Kürschner-Korrespondenz in Verhandlungen stand. Schönlein gehörte mit einigen großen Zeitschriftengründungen zu den innovativsten Gestalten im Verlagsgeschäft der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts; eine Monographie über diesen einfallsreichen und geschäftstüchtigen Verleger ist ein dringendes Forschungsdesiderat. [19] Möllhausen hatte bei Schönlein in früheren Jahren bereits einige Novellen veröffentlicht; im Jahr 1886 erschien dann in dessen Das Buch für Alle mit Das Loggbuch des Kapitäns Eisenfinger der erste Roman Möllhausens. Insgesamt brachte diese Zeitschrift im Laufe der nächsten Jahre fünf Romane und Novellen Möllhausens, weitere drei Romane erschienen in der Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, ebenfalls eine Gründung Schönleins. Als Schönlein 1888 seinen Verlag aus gesundheitlichen Gründen an die Brüder Kröner verkaufte, gehörte Möllhausen weiter zum literarischen Kapital der Zeitschriften.

Immer wieder wird Schönlein im Briefwechsel mit Kürschner aus verhandlungstaktischen Gründen von Möllhausen erwähnt (Nr. 7, 66, 67, 70), um möglichst günstige Bedingungen von Spemann/Kürschner zu erhalten. Auf dem Höhepunkt des Streites platzt Kürschner dann der Kragen und er teilt Möllhausen mit, "daß die ewigen Vergleiche mit Schönlein denn doch nicht am Platze sind, da Schönlein selbst der letzte gewesen wäre, der geleugnet haben würde, daß seine Zeitschrift für ein unvergleichlich tiefer stehendes Publikum berechnet war, als es unsere Zeitschrift notorisch findet". (Nr. 70) Damit war ein tatsächlicher Unterschied zwischen den Zeitschriften der beiden Verlage beschrieben: Vom Fels zum Meer war bestimmt für ein 'vornehmes', (bildungs-) bürgerliches Publikum und in Typographie, Aufmachung und Textauswahl deutlich um besondere Qualität bemüht. Das Buch für Alle dagegen wurde vorwiegend auf dem Weg der Kolportage vertrieben und wandte sich an breitere Volksschichten; es hat "eine geradezu großartige Verbreitung in Kreisen gefunden ..., die bislang nicht an eine regelmäßige Lektüre gewöhnt waren." [20]

Entsprechend unterschiedlich waren zwangsläufig Auflagen und damit Honorare, die die Verleger zahlen konnten resp. wollten. Das Buch für Alle hatte 1886 eine Auflage von 109.000 Exemplaren zu verzeichnen, während Spemanns Vom Fels zum Meer im Jahr zuvor mit 65.000 bereits den Gipfelpunkt der Auflagenhöhe erreicht hatte. [21] Man ging zu jener Zeit davon aus, daß eine Zeitschrift von zehn Personen gelesen wurde; Möllhausens erster Roman für Schönlein fand demnach eine Leserschaft von mehr als einer Million. Ein Vergleich seiner Honorare für Vorabdrucke bzw. Vorabdrucke und Buchausgaben mit anderen Romanciers seiner Zeit macht deutlich, daß Möllhausen zu den bestbezahlten deutschen Prosaautoren seiner Zeit gehörte.

Autor

Titel

Jahr

VA/BA [22]

Honorar

Raabe [23]

Abu Telfan

1867

VA/BA Hallberg.

1500 Taler

Jensen

Minatka

1870

VA Westermanns

1200 Mark

Gutzkow [24]

Söhne Pestalozzis

1870

VA/BA Janke

3000 Taler

Jensen

Nach hundert Jahren

1872

VA Westermanns

2400 Mark

Heyse [25]

Kinder der Welt

1873

VA Spenersche

32000 Mark

Raabe [26]

Wunnigel

1876

VA Westermanns

1500 Mark

Storm

Erinnerungen

1877

VA Westermanns

3270 Mark

Spielhagen

Aus Sicilien

1877

VA Westermanns

1500 Mark

Spielhagen

Das Skelett im Hause

1878

VA Westermanns

4500 Mark

Fontane

Vor dem Sturm

1878

VA Daheim

1000 Taler

F.Lewald

Römische Briefe

1878

VA Westermanns

3000 Mark

Raabe

Alte Nester

1879

VA Westermanns

2100 Mark

Spielhagen

Quisiana

1879

VA Westermanns

4690 Mark

Raabe

pro Roman

1880-84

VA Westermanns

2400 Mark

R.Lindau

Erinnerungen

1880

VA Westermanns

2200 Mark

Fontane

L'Adultera

1880

VA Nord u. Süd

2000 Mark

Storm

Hans und Heinz Kirch

1882

VA Westermanns

3090 Mark

Jensen

D. Teufel i. Schilt.

1882

VA Westermanns

3000 Mark

Fontane

Graf Petöfy

1884

VA Über L.u.M.

3000 Mark

Raabe

Unruhige Gäste

1885

VA Gartenlaube

4000 Mark

Storm

Noch ein Lembeck

1885

VA Westermanns

3000 Mark

Möllhaus.

Wildes Blut

1886

VA/BA Schönlein

9000 Mark

Fontane

Quitt

1886

VA Gartenlaube

4500

Spielhagen [27]

Noblesse oblige

1887

VA 15 Zeitungen

45000 Mark

Fontane

Irrungen, Wirrungen

1887

VA Voss. Ztg.

3000 Mark

Raabe

Das Odfeld

1889

VA/BA Elischer

2000 Mark

Möllhaus.

Haus Montague

1889

VA Fels

5000 Mark

Raabe

Der Lar

1890

VA/BA Janke

4500 Mark

Möllhaus.

Fährmann am Kanadian

1890

VA/BA Schönlein

9000 Mark

Fontane

Effi Briest

1894

VA Dt.Rdschau

6000 Mark

J. Wolff [28]

div. Romane

vor 1894

?

50.000 Mark

In den neunziger Jahren, als Kürschner nicht mehr angestellter Redakteur einer Zeitschrift, sondern Buchherausgeber auf eigene Rechnung und stiller Teilhaber des Hillger-Verlages war, wünschte er von dem Autor nicht mehr unveröffentlichte Romane, sondern wollte für seine neue Reihe Kürschner's Bücherschatz auch bereits gedruckte, allerdings noch nicht in Buchform vorliegende "kurze(r) Novellen" (Nr. 73) kaufen. Insgesamt sind in dieser Reihe dann fünf Bände mit Novellen Möllhausens erschienen, davon drei nach dem Tod Kürschners.
    1898 Der alte Korpsbursche (Nr. 77) EA: 1890
    1900 Das Fegefeuer in Frappes Wigwam (Nr. 222)
    1903 Der Postreiter (Nr. 346)
    1904 Die Verlorene. Die Bärenhaut (Nr. 389) EA: 1882
    1905 Sankt Elsfeuer und andere Novellen (Nr. 459) EA: 1896

Wohl bei keinem der Möllhausen-Texte für Kürschner's Bücherschatz handelt es sich um Erstdrucke, auch wenn für einige Texte ein anderer Druck nicht nachgewiesen werden konnte.

Zu den interessantesten Briefen Möllhausens gehört sicher der vom 26. Januar 1886 (Nr. 10) an Kürschner, in dem er sich über Geschäftspraktiken seiner bisherigen Verleger Otto Janke und Hermann Costenoble beklagt, angeregt offenbar durch Kürschners Beitrag Aus Herrn Costenobles Geschäftspraxis in der aktuellen Nummer von dessen Deutsche Schriftsteller-Zeitung, der Teil einer längeren Kontroverse mit Costenoble war. [29] Möllhausen kämpft in den Briefen an Kürschner immer wieder, gelegentlich ungeschickt, um seine Rechte. Kürschner kannte aus seiner Korrespondenz mit anderen Schriftstellern und seinen Tätigkeiten beim Literarischen Verkehr und der Deutschen Schriftsteller-Zeitung die Nöte dieser Berufsgruppe sehr genau; immer wieder hatte er, bezogen auf das Verhältnis der Autoren zu ihren Verlegern, die juristische und ökonomische Unkenntnis und "unsagbare Kindlichkeit der deutschen Schriftsteller" beklagt. [30]

Auch die Erregung Möllhausens über die redaktionellen Kürzungen am Text seines Romans Haus Montague scheinen zunächst unverständlich, und Kürschner verwies vollkommen zurecht darauf, der Autor habe sich doch grundsätzlich mit solchen einverstanden erklärt. Ein genauer Vergleich von Vorabdruck und Buchausgabe des Romans ergibt in der Tat, "daß Striche überhaupt nur bis zum Schluß des 2ten Kapitels", wie Kürschner schreibt (Nr. 71), gemacht worden sind. Zudem sind diese Kürzungen, mit geringen Ausnahmen, relativ geschickt vorgenommen worden und betrafen vorwiegend Abschweifungen und die epische Breite von Schilderungen. Insgesamt wurden an vierzig Stellen aber immerhin fast fünzig Prozent des Originaltextes gestrichen, aus Möllhausens ersten beiden Kapiteln (In der Familie des Irländers, Zum Professor) machte die Redaktion ein einziges (Erste Erinnerungen).

Wenn Möllhausen nach Erhalt der ersten Zeitschriften-Korrekturfahnen angenommen haben sollte, nach diesem Muster werde der gesamte Roman gekürzt, so wird seine "Erbitterung" (Nr. 66) schon verständlicher. Betrachtet man zusätzlich genauer, worauf sich die Striche bezogen, nämlich vorwiegend auf Charakterisierungen der ich-erzählenden Hauptperson, des zehnjährigen Bill (genannt 'Kohlmeise'), dann wird die psychologische Dimension dieses heftigen Streits zwischen Autor und Redakteur deutlich, der schließlich zu einem sieben Jahre währenden Schweigen zwischen beiden führte. Denn unter den siebenunddreißig Romanen, die Möllhausen zwischen 1860 und 1899 schrieb, waren nur drei Ich-Romane: Die Mandanen-Waise (1865), Das Monogramm (1874) und Haus Montague (1888). Alle drei Ich-Romane enthalten deutlich mehr autobiographischen Stoff aus Kindheit und Jugend des Autors als die übrigen Romane, nicht zuletzt durch die darin enthaltenen Kinderfiguren, in denen sich der Autor selbst spiegelt: dem neunjährigen 'Herr vom Jesuitenhof' aus dem erstgenannten Roman, dem elfjährigen Baldrian aus dem zweiten und schließlich der Kohlmeise aus dem letzten. Die entsprechenden Passagen sind tatsächlich, wie Möllhausen Kürschner mitteilt, "mit meinem besten Herzblut" (Nr. 66) geschrieben, und die leidvollen Erlebnisse bei Pflegeeltern, die das Kind nicht lieben und es nur des Kostgeldes halber überhaupt aufgenommen haben, waren Möllhausens und seiner kleineren Geschwister eigene Erlebnisse nach dem Verschwinden des Vaters und dem kurz darauf erfolgten Tod der Mutter. Vor diesem Hintergrund erlebte der Autor die Kürzungen offenbar als persönliche Kränkung, nicht nur als Beleidigung seiner erzählerischen Fähigkeiten - die zu dieser Zeit längst weithin anerkannt waren -, sondern auch als Verstümmelung der eigenen Biographie. Schmerzliche Erfahrungen, die vorsichtig literarisch bewältigt werden sollten, wurden sozusagen redaktionell ignoriert und damit, vereinfacht gesagt, erneut zugefügt. Die literarische Aufarbeitung realen Liebesmangels wurde ihrerseits - unwillentlich - beantwortet mit redaktionellem Liebesversagen. Was für Kürschner zum täglichen, garnicht mehr als solches empfundenen Geschäft gehörte, war für Möllhausen naturgemäß mehr, nämlich mit 'Herzblut' betriebene persönliche Angelegenheit. Widersprüchlicher können Antagonismen kaum sein: der Redakteur verlangt eine Ware, ist auch bereit, dafür zu zahlen, der Autor bietet mehr als eine Ware und verlangt ein entsprechendes Entgelt. Die ungeschriebenen und unausgesprochenen Klauseln dieses 'Kaufvertrages' konnten sich leicht zum Sprengsatz der persönlichen Beziehung entwickeln.

Zu den am stärksten von den Kürzungen betroffenen Stellen gehört eine, in der das Lesen als liebste Freizeitbeschäftigung des zehnjährigen Bill O'Neil beschrieben wird:

    "Es lachte mir die Zukunft insoweit, als ich mir die Fähigkeit aneignete, statt im Verkehr mit Gespielen, meine Unterhaltung in Büchern zu suchen. Es konnte daher nicht überraschen, daß ich mit dem Antritt meines elften Jahres des Lesens vollkommen mächtig, und zwar in einer Weise, daß ich mit den Gedanken dem zu Lesenden mit Verständnis gleichsam vorauszueilen vermochte. (...)
    Wo nur immer die Gelegenheit sich bot, ein Buch mit Erzählungen auf einige Zeit in Händen [!] zu bekommen, griff ich eifrig zu. Da aber zu Hause ungestörtes Lesen unmöglich, schlich ich gern davon, um im Freien in irgend einem heimlichen Winkel den einzigen nur denkbaren Genüssen mich hinzugeben. Mein Lieblingsplätzchen war weit abwärts von Straßen und Wegen am Fuße einer hohen Gartenmauer, von wo aus ich über das mich umringende Unkraut hinweg zugleich die reich belebte Hafeneinfahrt zu überblicken vermochte.
    Da saß ich eines Nachmittags, als die Sonne bereits stark westlich neigte. Ich war glücklich, der Gegenwart gewissermaßen entrückt, indem ich mich als handelndes Mitglied in ein schon mehrfach gelesenes Märchen hineingedacht. Eine solche Stimmung wurde gefördert durch die sommerliche Wärme, den Schatten mehrerer aus dem Garten sich über mich hinneigender Baumgipfel, das Summen der aus den Kuhblumen ringsum süße Nahrung schöpfender
    [!] Bienen, wie das Zwitschern der Vögel mir zu Häupten. Dumpfem Brausen ähnlich drang das tausendfältige Geräusch der Riesenstadt zu mir herüber, das Schnauben und Keuchen der Dampfmaschinen in Fabriken und auf Schiffen, das Rauschen des gepeitschten Wassers und das Rollen der Eisenbahnzüge. Nicht zufrieden damit, den Inhalt des abgegriffenen Buches nur durch die Augen in mich aufzunehmen, glaubte ich doppelt zu genießen, wenn auch die Ohren sich dabei betheiligten. So hatte ich mich bald daran gewöhnt, wo nur immer es ohne Zeugen geschehen konnte, laut zu lesen. Zugleich befleißigte ich mich, namentlich den Gesprächen einen solchen Ausdruck zu verleihen, wie ich meinte, daß sie in Wirklichkeit stattgefunden haben müßten." [31]

Das Lesen hat hier im doppelten Sinn eine evasorische Funktion. Es separiert den Lesenden von seiner feindlichen Umgebung, und es ermöglicht ihm die Flucht in ferne Literaturwelten. In diesen Welten gelten die Regeln des Märchens, zeiträumliche Gesetze sind in ihrer Geltung suspendiert, und es entsteht eine in mehrfacher Hinsicht vorzeitliche, vorkapitalistische Atmosphäre, in der Dampfmaschinen und Eisenbahnen, die mächtigen Symbole der Gegenwart, nur noch als ein fernes Rauschen wahrnehmbar sind.

Der größte Teil dieser Leseszene ist im Vorabdruck weggefallen. Dies ist insofern nicht unwichtig, als dieser Stelle eine zentrale Funktion für die innere Motivation der weiteren Romanhandlung zukommt. Als nämlich der kleine Lesende bei seiner Tätigkeit gestört wird, setzt eine Erziehungs- und Enthüllungsmechanik ein, an deren Ende er sich als Miterbe eines der größten amerikanischen Vermögen entpuppt. Die Störung geschieht nicht zufällig, sondern sie wird ausgelöst durch das laute Lesen. Professor Treßhold wird auf den Jungen aufmerksam, läßt ihn vorlesen und engagiert ihn als Gehilfen. Im weiteren Verlauf der Handlung werden Bücher und Lesefähigkeit immer wieder angesprochen (Bd. I, S. 21, 50, 86, 102, 217, Bd. III, S. 42) und als Kennzeichen sozialen Aufstiegs verstanden. Bills Pflegevater O'Neil, ein Proletarier, Tagelöhner (s.u.!) und Alkoholiker, betrachtet das Lesen als nutzlose Beschäftigung, deshalb muß es heimlich geschehen. Bill liest, "um zu vergessen" (III 21). Zudem spiegelt sich in der Leseszene der Romanleser selbst, sein Fluchtbedürfnis und die gesellschaftliche Funktion seines Lesens als Ausstieg aus einer bedrückenden Umgebung.

Möllhausen empfand diese Kürzungen - zusammen mit dem angebotenen "Lumpenhonorar" (Nr. 64) von 5000 Mark - als "Demüthigung" und "in meinem Alter u. meiner geachtheten Stellung doppelt peinlich" (Nr. 66). Daß er sich auf Alter und Stellung zurückzieht, wirft ein weiteres Licht auf den Motivationshintergrund der Überreaktion Möllhausens: Bürgerlichkeit und Patriarchalität werden beschworen, wo Kindheitstraumata von Recht-, Schutz- und Geldlosigkeit aufzubrechen drohen.

Dem Literaturfunktionär und -manager Kürschner war der Doppelcharakter von Literatur - als einer Ware, die gleichwohl doch unabdingbarer Ausdruck einer Individualität ist -, längst aus dem Blick geraten. Kürschner wollte Text, fast ein Drittel seiner hier abgedruckten Schreiben sind Bettelbriefe an den Autor; daß der Autor nach Annahme eines Manuskriptes mit Argusaugen selbst über Honorarzahlung und Textgestaltung zu wachen hatte, war ihm eine Selbstverständlichkeit. Der "unerquickliche und widerwärtige Streit" (Nr. 70), im Verlauf dessen sich Kürschner sogar von einer Äußerung Möllhausens beleidigt fühlte (Nr. 71), führte zum harschen Bruch zwischen Redakteur und Autor. Möllhausen schrieb als verbittertes Fazit: "Lieber würde ich ja meine Manuscripte verbrennen, als sie noch einmal einer Firma u. deren Beamten anzuvertrauen, die mit meiner teuren Arbeit verfahren, wie der Lumpensammler mit einem Ballen Hemden". (Nr. 69)

Möllhausen war ein Erfolgsautor, aber dennoch nicht bereit, seine Individualität den Markterfordernissen vollständig anzupassen. Seine Romane sind letztlich auch in ihrer gelegentlichen Sperrig- und Uferlosigkeit Ausweise dieser - von Kürschners 'modernem' Standpunkt her gesehenen - Borniertheit des Autors.

Diese Doppelgesichtigkeit zeigt sich auch in der Ausdrucksweise des Autors. Einerseits gebraucht er bei den Verhandlungen eine Terminologie, die keine Zweifel am geschärften ökonomischen Bewußtsein des Schriftstellers zulassen. Er spricht von seinen Texten als 'Arbeiten', die er 'liefern' (Nr. 4) und auf den 'Markt' (Nr. 48) bringen werde, er nennt 'Verwertungen' (Nr. 20, 22) und 'Nutznießung' (Nr. 38), er begibt sich in 'Verhandlungen' (Nr. 7) und er schreibt gleich dreimal, mit ganz ähnlichen Formulierungen: "Wenn eine Arbeit fertig ist, wird sie eben zur Waare." (Nr. 4; Nr. 26, Nr. 35) Ganz ähnlich hatte das im Jahr 1870 der Erfolgsschriftsteller Ewald August König (1833-1888) formuliert, in einem programmatischen Artikel zu den Standesinteressen der deutschen Schriftstellerschaft:

    "Die geistigen Erzeugnisse sind, seitdem Angebot und Nachfrage sich so sehr gesteigert haben und die Lectüre ein unentbehrliches Bedürfniß aller Schichten des deutschen Volkes geworden ist, eine Waare geworden". [32]

Als dann 1878 der Allgemeine Deutsche Schriftsteller-Verband gegründet wurde, nicht zuletzt zur Wahrnehmung eben dieser Interessen, wurde auch Balduin Möllhausen sehr bald Mitglied des Verbandes. [33] Für das Jahr 1885 war sogar geplant, daß der VII. Schriftstellertag des Verbandes in Potsdam abgehalten werden und die dort ansässigen Autoren Gerhard von Amyntor, Philipp Galen und Balduin Möllhausen das Lokalkomitee bilden sollten. Davon wurde aber Abstand genommen, weil, wie die Berliner Post schrieb, "Herr Balduin Möllhausen Potsdam als Versammlungsort für ungeeignet erachte[te]". [34] Möllhausen hatte also zu seinem Beruf durchaus eine Haltung entwickelt, die ökonomische Gesetzmäßigkeiten, zumal des gründerzeitlichen Deutschland, zu berücksichtigen gewillt war. Dieses Bewußtsein der finanziellen Abhängigkeit traf bei Möllhausen allerdings zusammen mit einem avancierten bürgerlichen Standesgefühl. Die sich hieraus ergebenden Widersprüche führten zu den gelegentlich mißmutigen Tönen, die in manchen Briefen anklingen. Sein Selbstbewußtsein als bekannter und beliebter Schriftsteller seiner Zeit - "ich [bin] gewiß keiner der am wenigsten populären Schriftsteller" (Nr. 52) - glaubte er, ein um's andere Mal, vom Geschäftsgebaren besonders Spemanns beleidigt; er glaubt sich als "Proletarier der niedrigsten Sorte" (Nr. 52; Nr. 64) behandelt oder "wie ein Tagelöhner abgefertigt" (Nr. 62). Ein Feilschen um Honorare erschien ihm entwürdigend, und als er schlechtgelaunt ein zu niedriges Angebot von Spemann akzeptiert, fühlt er sich von diesem erpreßt (Nr. 62). So berechtigt dieser Kampf gegen die eigene ökonomische Benachteiligung im Einzelfall durchaus war, so klingen doch immer auch Reste von patriarchalischem Bewußtsein durch: es war Möllhausen letztlich degoutant, diesen Kampf überhaupt führen zu müssen. Die allgemeine literarische Rückständigkeit der deutschen Literatur jener Jahre findet sich hier im ökonomischen Bewußtsein wieder.

Der Briefwechsel mit Kürschner bietet, abschließend, auch für die Interpretation und Einordnung der Möllhausenschen Romane einige Anhaltspunkte. So kritisiert der Autor bei den Kürzungen nicht nur diese allgemein, sondern vor allem "die heillose Verunstaltung der Romantreue." (Nr. 69) Mit dem Begriff der 'Romantreue' ist dabei die besondere Konstruktionsweise der Romane gemeint, das Geheimnisschema. Möllhausen war nämlich nicht nur "der Hauptvertreter des überseeischen Romans" (Nr. 56), sondern er bildet mit seinen Romanen auch ein historisches Verbindungsglied in der Entwicklungsreihe des romantischen Geheimnisromans zum Detektivroman. Bei den Kürzungen war zum Beispiel ein Hinweis auf ein Muttermal weggefallen, der einen nicht unwichtigen Clue im Gefüge der analytischen Romanhandlung bildet. [35] Auch Möllhausens mehrfacher Hinweis darauf (Nr. 13, Nr. 15), daß Anfang und Ende seiner Romane bis zum Abschluß des Schreibprozesses stark voneinander abhängig seien, läßt sich als Hinweis auf das Geheimnisschema lesen. Denn im reinen Abenteuerroman ist der Abschluß mehr oder weniger zufällig, während sich im Geheimnisroman erst am Ende alle Rätsel lösen. Daß der Autor dieses Schema sehr bewußt zu verwirklichen bestrebt war, zeigt sich auch daran, daß er die rätselnde Mitarbeit seiner Leser mitberücksichtigte und zunächst plante, mit dem ursprünglichen Titel des Romans, Die Zwillinge, einen 'red herring' auszulegen und den Leser auf eine falsche Spur zu setzen. Alles in allem vermag auch dieser Briefwechsel zu zeigen, daß Balduin Möllhausen als Unterhaltungsschriftsteller - bei aller Produktivität - durchaus keine beliebig austauschbare Meterware fabrizieren wollte, sondern an einem sorgfältig konstruierten, verantwortungsvoll und skrupulös durchgearbeiteten Romanwerk arbeitete. Der ständige Kampf um seine Schreibruhe, den er mit Kürschner auch führte, belegt eindrucksvoll dieses Bestreben.

Sämtliche Briefe befinden sich im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar (Signatur: GSA 55/4997). Die Briefe Möllhausens sind als Originale erhalten, die Briefe Kürschners dagegen nur als teils schwer lesbare Preßkopien, für deren mühsame Transkription ich meinem Vater, Peter Graf, herzlich danke. Smtliche Schreiben Kürschners wurden von etwa fünf Sekretären verfaßt, sie tragen entweder keine Unterschrift oder nur ein Kürzel; dabei stammen die Nrn. 3-65 von einer Hand, die Nrn. 67-72 von einer zweiten und die Nrn. 73-91 von drei weiteren Schreibern. Gelegentliche Unleserlichkeiten sind mit ... gekennzeichnet. Die Übertragung ist möglichst wort- und buchstabengetreu vorgenommen, die Zeichensetzung wurde gelegentlich, wo sie nicht vorhanden oder mißverständlich war, ergänzt.

Anmerkungen

[1]
Veröffentlicht in:
Archiv für Geschichte des Buchwesens. 1992.

[2]
Die vollständigen Titel der zitierten Schriften sind im Literaturverzeichnis angeführt.

[3]
Dazu die Arbeiten von Bartsch, Heinemann, Plaul, Wehnert und Graf in verschiedenen Jahrbüchern der Karl-May-Gesellschaft.

[4]
Mitscherling: Verzeichnis, S. 77-115.

[5]
Effler: Briefwechsel, S. 16-27.

[6]
Dazu Wittmann: Buchhändlerzeitschriften, Sp. 616; Wittmann, Das literarische Leben.

[7]
Es "ist die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts eine der wenigen Epochen in der deutschen Literaturgeschichte, in der die Literatur, für deren Lektüre man bezahlt, weitgehend identisch ist mit der Literatur, für deren Lektüre man bezahlt wird." Neuhaus: Unterhaltungsroman, S. 406/07

[8]
Fontanes Briefe an Julius Rodenberg (1831-1914), den Herausgeber der "Deutschen Rundschau", wurden 1969 von Reuter herausgegeben, einige seiner Briefe an Paul Lindau (1839-1919), den Schriftleiter von "Nord und Süd", und Friedrich Stephany, den Redakteur der "Vossischen Zeitung", befinden sich in der Briefausgabe von Keitel/Nürnberger. Storms Briefe an Rodenberg hat Goldammer 1973 ediert. Neuerdings plant Gerd Eversberg für die Storm-Gesellschaft eine Herausgabe der Westermann-Briefe, für die ein Zeitpunkt allerdings noch nicht abzusehen ist.

[9]
Ausführliche Angaben bei Balzer: Interessenverbände und Mitscherling: Verzeichnis, S. 7-15.

[10]
Dazu auch Hillger: Vorwort, S. 4/5.

[11]
Eine ausführliche Möllhausen-Biographie hat Vf. 1991 unter dem Titel "Der Tod der Wölfe" vorgelegt.

[12]
Zur Wirkung Graf: Abenteuer und Geheimnis, S. .

[13]
Dinkelacker: Amerika; Graf: Abenteuer und Geheimnis.

[14]
McClain/Kurth-Voigt: Gerstäckers Briefe, Sp. 1110.

[15]
36 Briefe, sämtlich an Möllhausen, sind abgedruckt im Anhang von Barba: Möllhausen, S. 158-181; 107 Briefe, davon 59 von Möllhausen, hat Verf. abgedruckt im Anhang von "Der Tod der Wölfe", S. 330-406.

[16]
Der Briefwechsel liegt im GSA Weimar und wurde mir freundlicherweise von dessen früherem Leiter, Dr. Volker Wahl, zur Verfügung gestellt.- Das GSA Weimar bewahrt seit 1962 den größten Teil des Kürschner-Nachlasses auf, 11 816 Archivalieneinheiten, die bis heute weitgehend unausgewertet sind. Ein Restnachlaß von etwa 700 Briefen und Karten gelangte 1988 an die Forschungsbibliothek Gotha. Dieser Teil ist erschlossen und teilweise publiziert. Mitscherling: Verzeichnis, S. 10/11.

[17]
Fontane am 2. Juli 1882 an Kürschner: "Ich war aufgefordert worden den Artikel zu schreiben, that es ungern, mußte die Sachen durchlesen, mich mit B.M. in briefliche Verbindung setzen, und habe schlecht gerechnet 5 Tage gebraucht, um dies Artikelchen zu schreiben und zurecht zu putzen". Effler: Briefwechsel, S. 19. Am 12. Juli: "Der kleine Aufsatz über Möllhausen, eine Ausnahme, war durch Rücksichten diktirt, die ich nehmen mußte." Effler: Briefwechsel, S. 20.

[18]
Dazu Engel: Collection, S. 266.

[19]
Die bislang einzige nennenswerte Darstellung bei Barth: Das Familienblatt, Sp. 273-278 (Der Zeitschriftenverlag Hermann Schönlein).

[20]
Vgl.: Hermann Schönlein (Nachruf) In: Neues Tagblatt (Stuttgart) 14. September 1908 (Nr. 215), S.9

[21]
Barth: Das Familienblatt, Sp. 274 u. 281.

[22]
VA/BA = Vorabdruck/Buchausgabe.

[23]
Wittmann, Das literarische Leben, S. 210. Zu den Honoraren von Prosaautoren zwischen 1848 und 1880 dort S. 206-211. Für die achtziger Jahre ist mir kein Honorarvergleich bekannt, deshalb habe ich die Tabelle etwas ausführlicher angelegt als unmittelbar geboten. Es handelt sich ausschließlich um Prosatexte, jedoch von sehr unterschiedlichem Umfang.

[24]
Dazu Friesen: Gutzkows Briefwechsel, Sp. 13.

[25]
Deutsche Schriftsteller-Zeitung 3. Jg. (1887) Nr. 66 (15. Sept.) Sp. 469

[26]
Ehekircher: Westermanns Monatshefte, S. 78/79. Dort auch alle weiteren Angaben zu den Vorabdruckhonoraren dieser Zeitschrift.

[27]
Deutsche Schriftsteller-Zeitung 3. Jg. (1887) Nr. 66 (15. Sept.) Sp. 469.

[28]
"Warum habe ich für meine Gedichte vom alten Zeiten etc. etc. 50 Mark eingenommen, während Julius Wolff für viel Gleichgültigeres und Talentloseres 50000 Mark eingenommen hat?" (Fontane an Stephany am 30. Mai 1894) Keitel/Nürnberger Bd. IV, S. 359.

[29]
Dazu Fischer-Sallstein: Freuden des Buchverlags,
    Suttner: Supplement,
    Costenoble: Zwei Berichtigungen,
    Kürschner: Zu den Costenobleschen Berichtigungen,
    Kürschner: Costenobles Geschäftspraxis,
    Kürschner: Der Fall Costenoble,
    Kürschner: Verlagsbuchhändler,
    Kürschner: Fußstapfen,
    Kürschner: Nachspiel zum Fall Costenoble,
    Kürschner: Erklärung.
Über Costenoble, Louise Mühlbach und den amerikanischen Nachdruck auch Der literarische Verkehr, 2. Jg. (1871) S. 95.

[30]
Redaktionelle Anmerkung zu Suttner: Supplement , Sp. 406.

[31]
Haus Montague, Bd. I, S. 11/12. Vorabdruck Sp. 63.

[32]
König: Rück- und Vorschau, S. 110.

[33]
Dazu das Mitgliederverzeichnis in Kürschners Deutscher Litteratur-Kalender auf das Jahr 1883, S. 152-160 (Möllhausen S. 159).

[34]
zit. Deutsche Schriftsteller-Zeitung. 1. Jg. (1885) Nr. 12 Sp. 293/94.

[35]
Haus Montague, Bd. I, S. 19.

1

Potsdam, den 12ten October 1882

Herrn W. Spemann, Stuttgart

Hochgeehrter Herr!

Mit verbindlichem Dank für Ihre gefälligen Mittheilungen, muß ich bekennen, daß ich bereits wieder mitten in einer großen Arbeit sitze u. es daher mit meinen Lieferungen von novellistischen Arbeiten wohl noch einige Monate dauern wird. Dann aber stehe ich gern zu Diensten. Der »Haushofmeister« [36] läuft noch bis Neujahr im Feuilleton, dann ist er wieder mein Eigenthum. Zu meiner großen Freude offenbart sich immer mehr, daß er allgemein gefällt, u. er ist so gehalten, daß die Spannung sich bis zum Schluß steigert. Doch wir werden dann ja das Resulthat sehen, u. ich bin gerne bereit, nachdem Sie sich überzeugten, was Sie an dem »Haushofmeister« haben, mit Ihnen auf der gefälligst angedeuteten Basis in Verhandlungen zu treten. Es sind schon mehrere Anfragen betreffs des weiteren Vertriebs dieses Buches an mich ergangen, doch würde ich Ihrer geehrten Firma den Vorzug einräumen. Vierhundert Exemplare würden Sie wohl sicher vorneweg an Leihbibliotheken etc. absetzen, dann aber ist wohl anzunehmen, daß der »Haushofmeister« mir noch zahlreiche neue Freunde einträgt. Doch ich sage wohl zu viel. An Ihnen ist es, das Buch im Auge zu behalten u. buchhändlerisch den möglichen Erfolg zu berechnen. Am liebsten wäre es mir, Sie verlegten Alles, was ich noch schreibe; denn von O.[tto] J.[anke] in Berlin, oder vielmehr von dessen frechem Bengel [37] habe ich jetzt gerade genug.

Ihnen mich hochachtungsvoll empfehlend
ergebenst Balduin Möllhausen

[36]
Der Haushofmeister. Roman. 3 Bände. Jena: Costenoble 1884.- In welcher Zeitschrift der Roman vorabgedruckt wurde, konnte nicht ermittelt werden. Der "Anzeiger des Westens" (St. Louis/Missouri) brachte in seinem Feuilleton seit Oktober 1882 einen - vermutlich illegalen - Nachdruck des Romans.

[37]
Seit 1885 war der Verlag von Otto Janke im Alleinbesitz von dessen Söhnen Gustav (1849-1901) und Richard (1854-1897).

2

Potsdam 29. Sep. 1884

Herrn Professor Jos. Kürschner.

Hochgeehrter Professor!

Meine zweimonathliche Abwesenheit aus Potsdam entschuldigt wohl die unbeabsichtigte Verzögerung meiner ergebenen Antwort. Im beiliegenden Ausschnitt [38] ist vorläufig wohl alles Nennenswerthe enthalten. Zwei meiner Romane haben erst die "die Kölnische Zeitung", [39] u. das "Buch für Alle" [40] zu durchlaufen, bevor ich eine Buchausgabe drucken kann.

Genehmigen Sie, hochgeehrter Herr Professor, die Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung u. Ergebenheit,
Balduin Möllhausen

[38]
Dem Brief liegt der Möllhausen-Artikel bei aus Brümmer: Lexikon, 1. Aufl. 1885.

[39]
Das Feuillton der Kölnischen Zeitung brachte vom 6. Juli bis zum 8. November 1884 die 98 Fortsetzungen des Möllhausen-Romans "Wildes Blut".

[40]
Das Buch für Alle. Illustrirte Familien-Zeitung. Chronik der Gegenwart. Stuttgart: Druck und Verlag von Hermann Schönlein. Im 23 Jg. (1886) dieser Zeitschrift, der wahrscheinlich ab August 1885 erschien, wurde in den Heften 1 (August) bis 20 (Dezember '85/Januar '86) erstmals ein Möllhausen-Roman, "Das Loggbuch des Kapitäns Eisen-finger", abgedruckt. Im Jahrgang zuvor (22. Jg. 1885) war, anläßlich des sechzigsten Geburtstages des Autors, schon eine kurze Biographie Möllhausens und ein Porträt veröffentlicht worden (Heft 3 [August 1884] S. 55).

3

20./5. [188]5

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Sehr geehrter Herr!

Mit aufrichtigem Bedauern habe ich bemerkt, daß Sie mir schon seit längerer Zeit für "Vom Fels zum Meer" nichts mehr gesendet haben. [41] Selbstverständlich kann es mir nur zur höchsten Freude gereichen, wenn Sie dem Blatte, dem Sie früher Ihre Mitarbeiterschaft nicht vorenthielten und das seitdem ununterbrochen den Kreis seiner Freunde erweitert hat, die alte gütige Gesinnung bewahren würden. Ich möchte mir deshalb die dringende Bitte erlauben, Sie möchten mir doch recht bald wieder einen novellistischen Beitrag für "Vom Fels zum Meer" vorlegen. Ich werde nicht ermangeln, Ihnen die Mitarbeiterschaft bei uns so angenehm wie möglich zu machen. Ich würde besonderen Werth darauf legen, wenn Sie mir eine Novelle im Umfang bis zu 20 Seiten etwa zugehen ließen, so daß es nicht nöthig wird, dieselbe auf verschiendene Hefte zu vertheilen. Sehr gerne aber brächte ich auch ab und zu kleinere novellistische Beiträge im Umfang von 4-6 Seiten, die dann vielleicht mehr ein feuilletonistisches Gepräge hätten. Lassen Sie mich hoffen, daß ich recht bald von Ihnen etwas erfahre und daß unsere Verbindung sich zu einer recht engen und dauernden gestalte.

In ausgezeichneter Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

[41]
Im zweiten Band des Jahres 1883 war in "Vom Fels zum Meer" die Möllhausen-Novelle "Der Chef des Vigilance-Comitees" erschienen.

4

Potsdam 28. Mai 1885
Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Hochgeehrter Herr Professor!
Ihr geehrtes Schreiben vom 20. d. M. kam ich erst heute, nach vielen Pfingstbesuchen u. Störungen dazu, höflichst zu beantworten. Ich beschäftige mich jetzt fast ausschließlich mit umfangreichen Arbeiten; nur ausnahmsweise liefere ich nach Berlin an eine bestimmte Stelle jährlich 1 - 2 Novellen. [42] Die gütige Übersendung eines Exemplars "Vom Fels zum Meer" ist mir daher schon peinlich geworden. Bekennen nun muß ich außerdem, daß es mich unangenehm berührte, für die Novelle "Vigilance-Committee", eine Arbeit, wie sie mir sonst mit 600 - 1100 M. honoriert wird, ohne ein weiteres Wort mit 300 M. abgespeist zu werden. Ich bin gewiß der Letzte, der um Pfennige feilscht, allein wenn eine Arbeit fertig ist, wird sie eben zur Waare; u. die Art, auf welche Herr Spemann mir die 300 M. übermittelte, hatte doch etwas Deprimierendes. Zürnen Sie mir daher nicht, mein hochgeehrter Herr Professor; so gern ich auch für Sie arbeitete: Für's Erste bin ich ziemlich außer Stande, irgend eine bindende Zusage zu machen.
Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung habe ich die Ehre mich zu empfehlen als
Ihr
sehr ergebener
Balduin Möllhausen

[42]
Möglicherweise ist die Firma Trowitzsch & Sohn in Berlin gemeint, für deren Volkskalender Möllhausen zwischen 1871 und 1883 jährlich eine Novelle geliefert hatte. Für die späteren Jahre war dies allerdings nicht mehr der Fall.

5

3./6. [188]5

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Verehrter Herr!
Es thut mir sehr leid, daß Sie mir nichts Neues für "Vom Fels zum Meer" zu bieten haben. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf und ersuche Sie nochmals recht herzlich darum, daß Sie mir doch in nicht allzu ferner Zeit wieder einen Beitrag senden. Obgleich ich kleinere Novellen vorziehe, würde ich doch unter besonderen Umständen auch größere mit Vergnügen akzeptiren. Das Honorar, welches Ihnen zu gering schien, würde gern erhöht werden und ich verspreche Ihnen gern für die Folge 200 - 250 Mark pro Bogen. Über die Art und Weise der Übersendung des Honorars bin ich leider nicht berichtet, kann daher nicht beurtheilen, in wie fern Ihnen Unangenehmes dabei widerfahren ist. Ich wäre Ihnen aber für eine Mittheilung sehr verbunden, da sich ein etwa begangener Fehler ohne Zweifel redressiren lassen müßte.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
J. Kürschner

6

8./7 [188]5

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Verehrtester Herr!

Sie hatten die Güte mir neulich mitzutheilen, daß Sie kleinere Sachen eher seltener schreiben und zur Zeit mit einem größeren Roman beschäftigt seien. Ich möchte mir übrigens die ergebenste Anfrage gestatten, ob Sie evtl. diesen Roman für "Vom Fels zum Meer" mir abtreten würden. Sie dürfen überzeugt sein, daß ich Alles thun werde um Ihre Wünsche, soweit dies irgend möglich ist, hinsichtlich des Honorars u.s.w. zu befriedigen. Ich würde mich sehr freuen, von Ihnen eine zusagende Antwort zu erhalten.

In vollkommenster Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

7

Potsdam d. 20.7.85

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Verehrtester Herr!

Halten Sie mich nicht für unhöflich, wenn ich mir heute erst die Ehre gebe, Ihre gefällige Zuschrift vom 8. d. M. Monats zu beantworten. Ich befand mich aber in Verhandlung mit H. Schönlein und mußte deren Resulthat erst abwarten, u. ist dann auch meine neue Arbeit in dessen Besitz übergegangen. Es ist damit indeßen nicht gesagt, daß ich in der Sache nicht gern bereit wäre, Ihnen persönlich mich zur Verfügung zu stellen.
Genehmigen Sie, Herr Professor, die Versicherung vorzüglicher Hochachtung, mit welcher ich die ehre habe, zu zeichnen als

Ihr
Sehr ergebener
Balduin Möllhausen

8

Stuttgart, 6./8.85

Sehr geehrter Herr!

Verbindlichsten Dank für Ihre gütigen Zeilen. Schade daß Sie den Roman an Schönlein verhauft haben. [43] Erfreut bin ich durch die Zusage, daß ich doch einmal etwas von Ihnen erhalten soll und ersuche Sie, mich in gegebenem Fall doch jedenfalls nicht zu vergessen.

Mit ausgezeichneter Hochachtung
Ihr ergebenster
[Kürschner]

[43]
"Das Loggbuch des Kapitains Eisenfinger"

9

22./1.[188]6

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Sehr geehrter Herr!

Sie haben mir zwar immer etwas für "Vom Fels zum Meer" versprochen, aber leider ist bis heute noch nichts eingetroffen. Ich komme nun heute wiederholt mit der Frage, ob ich nicht bald einmal wieder etwas von Ihnen erhalten könnte. Ich würde besonderen Werth darauf legen, von Ihnen einen größeren Roman zu erhalten und können Sie überzeugt sein, daß betreffs des Honorars Ihren Wünschen nach jeder Richtung hin Rechnung getragen werden wird.
Für eine recht baldige Mitheilung bin ich Ihnen zum voraus herzlichst verbunden.

In vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
[Kürschner]

10

Potsdam 26.1.86

Hochgeehrter Herr Professor!

Sie wissen, daß Spemann mich einst durch eine almosenwertige Honorirung einer neuen Novelle recht peinlich zurückwies; u. wenn ich für Sie, sehr geehrter Herr Professor, auch alles Mögliche tun möchte, so kann ich deshalb doch nicht gut anderweitige Verpflichtungen ablehnen. Zum Juli wird hoffentlich ein neuer größerer Roman fertig, u. ließe sich dann ja darüber reden. Leider erhielt ich den Bericht über die famose Costenoblesche Geschäftspraxis [44] aber zu spät, ich konnte deshalb den Contrakt mit dem edlen Herrn nicht mehr rückgängig machen, der auf ein teils in mehreren Zeitungen erschienenes Werk lautete. [45] Nun kommen immer noch keine Correkturen, u. hege ich den Verdacht, daß dieser ? ? ? die Buchung eben zu verzögern trachtet, um, anstatt umbuchen, wie ich erlaubte, noch vorher einen Abdruck in irgend einer Zeitschrift folgen zu lassen; echt Otto Jankesche Praxis. Ich habe mich daher bemüßigt gefunden, diesem an den Pranger gestellten "Guten Jungen" eine Faust zu machen, die ihn hoffentlich zur Vernunft bringt. Ich schrieb ihm nämlich, hören u. erstaunen Sie: "Ihre Praxis erscheint mir räthselhaft. Wie kann der Chef einer namhaften etc. die an mich zu sendenden Contrakte unterschreiben. Ohne sie gelesen und berichtigt zu haben?" Da standen nämlich 200 Mark zu wenig, u. der 'gute Chaz' macht seinen Sekretair für den Irrthum verantwortlich. Ferner bat ich den Biedermann, mir zu erklären, weßhalb er einem nothleidenden Schriftsteller 6% Zinsen für Vorschüße berechnet, [46] wogegen er mich jetzt förmlich anbettelte, ihm die erste Ratenzahlung zwei Monate zu stunden. Ich ging harmlos darauf ein, anstatt ich dem guten Jungen den Stuhl vor die Thür hätte setzen sollen. Doch bitte, Herr Professor, von diesen Dingen nichts an die Öffentlichkeit. Vielleicht später eine andere unglaubliche Geschichte von dem Sohn des Otto Janke, den sein Vater für verrückt hat erklären lassen. Ich hatte dieser verrufenen Firma die 3bändigen "Trader" verkauft mit der Berechtigung des Abdruckes in Zeitungen. [47] Alles ging gut, der Roman war seit einem halben Jahr in Buchform erschienen - noch keine zwei Jahre ist es her - da erscheint plötzlich in einem elenden Colportage Journal in 26 verschiedenen Städten von Hamburg aus die ganzheft angekündigte neueste Arbeit von B. M. eine Perle etc., u. unter dem Titel "Verschollen". Der Zufall führte mir solch Heft in die Hände u. da erkenne ich in dem "Verschollenen" meine "Trader" wieder. [48] Auf meine Reklamation erklärte Janke, er habe die Titeländerung - ich nenne sie Fälschung - nicht erlaubt, der Hamburger dagegen behauptet, Janke gefragt u. die Nichtbeantwortung als stumme Einwilligung betrachtet zu haben. Ich ging zum Staatsanwalt, Oberstaatsanwalt, Alles vergeblich, u. so blieb mir nichts anderes übrig, als in den mir erreichbaren Zeitungen die Situation zu verkünden. Trotzdem ist jüngst von Görlitz aus eine darauf bezüglich Anfrage an mich ergangen. Der Leser beider Titel muß mich für einen Betrüger halten, u. dürfte es zeitgemäß sein, jene erste öffentliche böse Erklärung noch einmal wiederholen zu lassen. Interessiert es Sie, sehr geehrter Herr Professor, so übersende ich Ihnen z. g. Z. die ganzen Akten zur Einsicht, damit Sie ersehen, wie vogelfrei schuftigen Verlegern gegenüber die Schriftsteller sind, welchen Schutz ihnen das viel gerühmte deutsche Staatsrecht gewährt.

Mit vorzüglicher Hochachtung,
geehrter Herr Professor
Ihr sehr ergebener
Balduin Möllhausen

[44]
Kürschner: Geschäftspraxis, Sp. 14-16.

[45]
Wildes Blut. Erzählung. 3 Bände. Jena: Costenoble 1886.- Nachgewiesener Vorabdruck: Kölnische Zeitung 6. Juli (Nr. 186) bis 8. November (Nr. 311) 1884.

[46]
Kürschner: Geschäftspraxis, Sp. 15.

[47]
Die Trader. Roman. 3 Bände. Berlin: Janke 1884.- Vorabdruck: Der Sammler. Belletristische Beilage zur Augsburger Abendzeitung 51./52 Jg. (1882/83) 26. Oktober (Nr. 127) 1882 bis 10. April (Nr. 43) 1883.

[48]
Ein solcher unberechtigter Abdruck unter geändertem Titel geschah offenbar immer wieder. Die "Lübecker Zeitung" etwa benutzte auf diese Weise 1875 mehrere Erzählungen von Ernst Wichert. Der literarische Verkehr, 6. Jg. (1875) S. 19/20.

11

Potsdam 28.1.86

Herr Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Sehr geehrter Herr Professor!

Ich halte es für meine Pflicht, Ihnen ganz ergebenst mitzutheilen, daß die Ursache meines Unmuthes gegen C. ihre Erledigung durch das Eintreffen der Correkturen gefunden hat, u. bitte ich dringend, meine Mittheilungen eben nur als ganz vertraulich zu betrachten. Mit dem Contrakt hat wirklich ein Versehen statt gefunden, u. die Stundung hätte ich ja einfach abschlagen können.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr
Sehr ergebener Balduin Möllhausen

Meiner Handschrift sehen Sie vielleicht an, daß ich eben von einer bösen Erkältung erstanden bin u. erst wieder Kräfte sammeln muß.

12

31/1[188]6

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Verehrter Herr!

Lassen Sie die unglückliche Honorargeschichte mit Spemann nun begraben sein. Was in meinen Kräften steht, Sie dieselbe vergessen machen zu lassen, soll unbedingt geschehen. Ich höre mit großer Freude, daß Sie wieder an einem größeren Roman beschäftigt sind und bedaure nur, daß er erst im Juli vollendet werden soll. Da wir das erste Heft des neuen Jahrgangs gewöhnlich in diesem Monat bringen, müssen wir bei der großen Auflage und der schweren Herstellung mit dem Druck weit früher beginnen. Wäre es darum nicht möglich, daß Sie den Roman vielleicht im März vollendeten oder doch dann wenigstens einen so großen Theil, daß man daraus ersehen könnte, wie sich das Ganze entwickelt? In der Geldfrage dürfen Sie überzeugt sein, daß wir übereinkommen und es sollte mich freuen, von Ihnen irgendwie eine gute Kunde zu empfangen. Die Costenoblesche Sache hat mich interessiert. Die [Schriftsteller-) Zeitung böte immerhin eine eigenthümliche Behandlung für einen Mann, der sich für Vorschüsse an seine Autoren Zinsen zahlen läßt. Selbstverständlich behandle ich Sie diskret. ... habe ich gerade dieser Tage von Costenoble eine ganz ähnliche Geschichte gehört, wie Sie mir [?] von Janke erzählt. Auch dieser hat ohne Bewilligung des Autors einen Roman vor dem Erstabdruck an eine Zeitung verkauft. Es wird mich freuen, wenn Sie mir seinerzeit Näheres mittheilen und die nöthigen Papiere zur Verfügung stellen können.

Stets mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

13

Potsdam 7.2.86

Herrn Professor Jos. Kürschner, Stuttgart

Verehrter Herr Professor!

Vor Juli kann ich die Arbeit kaum vollenden, dann aber will ich sehen, wie ich mich hier u. da losmache. Fest versprochen habe ich freilich nach keiner Richtung hin. Sie werden mich verstehen, sehr geehrter Herr Professor, wenn ich sage, daß nie eine Arbeit aus meinen Händen kommt, bevor sie nicht vollständig fertig. Bis zum letzten Augenblick ist der Anfang immer noch mehr oder minder vom Schluß abhängig. Meine Peinlichkeit geht auf Grund mancherlei Erfahrungen sogar so weit, daß ich nicht einmal mehr eine bindende Zusage ertheile. Mit dem aufrichtigsten Dank für die meinen Arbeiten nachgetragene nachsichtige Meinung.

Ihr
Hochachtungsvoll
Ergebener Balduin Möllhausen

14

11/2[188]6

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Verehrtester Herr!

Sie werden mich wahrscheinlich für recht zudringlich halten, aber es bleibt mir nichts übrig als sie erneut anzugehen. Ich habe es mir nun einmal in den Kopf gesetzt, Ihren Roman zu erhalten und habe gewissermaßen verpfändet, daß ich ihn von Ihnen erhalte. Juli ist aber jedenfalls zu spät, da wir unsere Hefte sehr früh vorbereiten müssen. Ich ersuche Sie deshalb dringend, es doch irgendwie möglich zu machen, daß der Roman fertig wird, so daß man etwa im Mai mit dem Druck des Anfangs beginnen könnte. Sie könnten ja von dem bis dahin nicht fertigen Schluß eine Skizze machen, aus der sich der Abschluß für uns ergibt. Könnten Sie mir denn nicht das bis jetzt fertige Manuskript einmal vorlegen und mir auch Angaben über ihre Bedingungen machen? Es würde das Alles für mich die Sache wesentlich vereinfachen. Mit der dringenden Bitte um eine baldige Antwort und mit dem Ersuchen, mir meine Zudringlichkeit nicht zu verübeln

Ihr
Hochachtungsvollster ergebener
Kürschner

Meine Antwort auf Costenobles Unsinn druckt [?] Dt. Schriftst. Zeitung gerade. [49]

[49]
Kürschner: Der Fall Costenoble, Sp. 85-98.

15

Potsdam 15.2.86

Herrn Prof. Joseph Kürschner.

Mein verehrtester u. theuerster Herr Professor!

Über menschliches Können gehen meine Fähigkeiten nicht hinaus. Ich bedarf der Zeit, um mich nicht, wie [es] jüngst geschah, krank zu arbeiten. Den Anfang drucken zu lassen, bevor das Ende fertig, ist ebenso unmöglich, zu sehr ist bei mir der Anfang vom Ende in manchen Dingen abhängig. Vielleicht bin ich im Stande, im April / auch wohl früher [50] / einen oder zwei Probebände undurchgearbeitet zur Durchsicht zu senden. Ich wäre ja schon weiter, wäre ich nicht durch andere unerläßliche Arbeiten so sehr aufgehalten worden.

Mit bestem Gruß
Ihr
Hochachtungsvoll ergebener
Balduin Möllhausen

[50]
Ergänzung am linken Briefrand.

16

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Sehr geehrter Herr!

Ihre Zusage betr. des Romans ist mir sehr erfreulicher Natur gewesen. Ich würde außerordentlich dankbar sein, wenn Sie es ermöglichten, daß ich die ersten Bände zur angegebenen Zeit erhalten könnte. Ich denke, daß es Ihnen doch gelingen wird, zur rechten Zeit wenigstens soweit fertig zu werden, daß Änderungen im Roman nicht mehr vorgenommen werden müssen und der Druck des Eingangs beginnen kann.

Stuttgart 21/2 86
In vollkommener Hochachtung
Ihr ergebener Kürschner

17

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Verehrtester Herr!

Sie dürfen es mir nicht übelnehmen, daß ich schon wieder bei Ihnen vorpreche, allein ich will mich doch als in Aussicht genommene Hebamme für Ihr jüngstes Kind gelegentlich einmal nach dem Befinden der Frau Mutter und nach dem Termin der Geburt erkundigen. Ich brenne vor Begierde, das Opus zu Gesicht zu bekommen und hoffe recht bald auf die die ersten Bände.

Stuttgart, 22./3 86
In vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

18

Potsdam, 28.3.86

Herrn Professor Jos. Kürschner, Stuttgart.

Sehr geehrter Herr Professor!

Ihre vor einigen Tagen eingetroffene Karte beehre ich mich, erst heute zu beantworten, weil ich zuvor noch ernstlich mit mir über den mir unter den Händen wachsenden Stoff wie über meine sonst nicht geringe Arbeitskraft zu Rathe gehen wollte. Da hat sich denn ergeben, daß die Durcharbeitung der ersten Bände unmöglich, so lange der 3te, resp. 4te nicht fertig. Jede Übereilung würde meine Arbeit sehr gefährden. Ich muß mit gewohnter Ruhe, wie ich bereits die Ehre hatte, früher auszudrücken, das Werk zu Ende schreiben, darf mich durch nichts von der langjährigen Art und Weise ablenken lassen. Wie gerne möchte ich Ihnen gefällig sein, aber es wäre ein Verbrechen gegen mich selbst, wollte ich in meinem Alter von 61 Jahren noch mit meiner kraft experimentieren u. meine Gemüthsruhe stören. So lange ich keine Verpflichtung übernommen habe, arbeite ich je nach Stimmung mit Behagen aber auch mit Lust u. Laune; die Zeit spielt dabei keine große Rolle. Bin ich dagegen gebunden, so ist Alles verloren, sogar meiner Phantasie sind die Schwingen beschnitten. Hat doch schon Ihre Anforderung allein mir unruhige Stunden bereitet. Ich mag übertrieben gewissenhaft sein, so lohnt es sich doch auch. U. so zürnen Sie mir nicht, verehrter Herr Professor, wenn ich wiederholen muß, was ich mir erlaubte, in einem früheren ergebenen Schreiben anzudeuten: Aus meinen Händen kommt keine unfertige Arbeit, ebenso wenig ertheile ich irgend eine feste Zusage. In früheren Jahren geschah es einige Male, u. jedes Mal hatte ich Ursache, es zu bereuen. Drei Monate habe ich mindestens noch zu thun, vielleicht auch länger, wenn ich eine kleine Reise machen sollte.
Noch einmal, mein hochgeehrter Herr Professor, verzeihen Sie mir, wenn ich ihren Wünschen nicht entsprechen kann. Gegen das Unmögliche kämpfen selbst Götter vergebens. Mit vorzüglicher Hochachtung habe ich die Ehre mich zu empfehlen als

Ihr
Sehr ergebener
Balduin Möllhausen

19

20/4[188]6

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Verehrter Herr!

Ihr Brief hat mich wirklich nicht wenig erschreckt, denn ich hatte so sicher auf das Manuskript gerechnet, daß ich nicht zweifelte, es rechtzeitig zu erhalten, um damit den neuen Jahrgang zu eröffnen. Dazu brauche ich aber den ersten Theil unter allen Umständen spätestens im Mai, da wir sehr früh bereits die Heftplanung beginnen und doch auch einen Einblick in das Ganze ... haben sollen. Ich glaube aber die ... nicht erst ... und bitte Sie jedenfalls mir ... ... Wunsch ... zu geben und ... das .... so weit vorzulegen. Ist dies möglich, daß es bis zu dem genannten Termin geschieht, so soll es mir doppelt willkommen sein.

In vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

20

Potsdam 22.4.86

Herrn Professor Jos. Kürschner, Stuttgart.

Sehr geehrter Herr Professor!

In umgehender Erwiderung Ihres gefälligen Schreibens beehre ich mich, Ihnen mitzutheilen, daß allerdings zwei Bände druckfertig sind, dagegen wird die Fertigstellung des dritten sich bis in den Juni hineinziehen. Bevor ich Ihnen aber die Mühe des Lesens des Manuskriptes verursache, möchte ich mir erlauben, Sie mit den Bedingungen vertraut zu machen, unter welchen ich in den letzten Jahren meine 3bändigen Romane verkaufte. Ich bezog also bei sofortigen Anzahlungen von 7000 Rth. u. 7500 M. gegen 8000 m. pro Werk neben der Aussicht auf Nachzahlungen bei neuen Verwerthungen. Da kam ich bei dem in nächster Zeit zu versendenden "Wildes Blut" auf 9000 M.
Zwei Fälle sind also nur möglich; entweder "Der Fährmann am Kanadian" [51] gefällt Ihnen, oder er wird für ungeeignet für Ihre Zwecke befunden. Für ersteren Fall würde ich Ihnen Vorschlägen schon vorher entgegensehen u. einer Erklärung über die Art der Verwerthung, um letzteren die schleunige Zurücksendung erbitten. Die Bitte um Diskretion, so lange ein Übereinkommen nicht getroffen, brauche ich wohl nicht anzusprechen.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr
Sehr ergebener
Balduin Möllhausen

[51]
Der Fährmann am Kanadian. Roman. 3 Bände. Stuttgart: Union Deutsche Verlagsgesellschaft o.J. (1890). Vorabdruck: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens. Stuttgart: Schönlein 1887, Bd.1-9.

21

27/4[188]6

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Verehrter Herr!

Herzlichen Dank, daß Sie mir nun doch noch bezüglich Ihres Romans entgegenkommen. Die Art der Verwendung würde ausschließlich in dem Abdruck in "Vom Fels zum Meer" bestehen und nach diesem Abdruck Ihnen das Recht der Weiterverwendung innerhalb der gesetzlichen Frist wieder zufallen. Die Honorierung würde ganz Ihren Wünschen entsprechend geschehen u. sollte es mich freuen, nun recht bald das Manuskript erhielte. Für den kaum glaublichen Fall, daß es sich für uns nicht eignete, dürften Sie schleunigster Rücksendung versichert sein.

In vollkommener Hochachtung
Ihr ergebenster Kürschner

22

Potsdam 28.4.86

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Hochgeehrter Herr Professor!

Unmöglich kann ich darauf eingehen, nur den einmaligen Abdruck in "Vom Fels zum Meer" abzutreten, um später nach neuen Gelegenheiten zur ferneren Verwerthung u. zur Buchausgabe mich umzusehen. Abgesehen von den gräßlichen Verhandlungen, würde ich mir selbst dabei am meisten schaden. Dazu gesellt sich auch ein anderer Übelstand: Fortarbeitend im dritten Band theilweise umzuarbeiten, womit ich in der That seit vorgestern schon begonnen habe. Es ist dies ein neuer Beweis für mich, wie gefährlich es [ist], über ein Manuskript zu verfügen, bevor die letzte Seite druckfertig. U. so werde ich selbst um günstigsten Falle nicht vor Anfang August fertig werden; jeder mit auferlegte Zwang würde das Werk heillos benachtheiligen. U. so bitte ich um Verzeihung, wenn ich dieses Mal Ihren Erwartungen nicht entsprechen kann. Sie selbst wissen ja am besten, wie es mir widerstrebte, über eine unfertige Sache Verhandlungen anzuknüpfen.
Mit dem Ausdruck größter Hochachtung, Herr Professor

Ihr
Sehr ergebener
Balduin Möllhausen

23

2/5[188]6

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Sehr geehrter Herr!

Sie sehen, daß ich die Hoffnung auf Ihren Roman immer noch nicht aufgebe. Ueber die Buchausgabe u.s.w. wird sich leicht schlüssig werden lassen, sobald Spemann von seiner Reise zurück ist, wo ich mich mit ihm in der angedeuteten Richtung benehmen kann. Die Verlags- und Honorarfrage wird keine Schwierigkeiten bieten und ich denke, daß sich dann auch Alles bezüglich des Zeitpunktes vereinbaren läßt. Schlimmstenfalls müßte man aber mit dem Roman in einem späteren Heft beginnen und vorher etwas Kürzeres bringen, an dem ja bei uns kein Mangel ist.

In vollkommener Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

24

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Verehrter Herr!

Nachdem nun Herr Spemann zurückgekehrt ist, habe ich ihn wegen ihres Romans in Betreff der Buchausgabe gesprochen. Er ist bereit, auch den Buchverlag zu übernehmen und würde ich mich freuen, wenn Sie mir das Manuskript sobald wie möglich resp. Theile desselben übersenden.

In vollkommener Hochachtung
Ihr ergebener Kürschner

Stuttg. 15/5 86

25

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Sehr geehrter Herr!

Dürfte ich wohl wegen Ihres Romans einmal wieder Nachfrage halten? Ich habe so lange nichts mehr von demselben gehört und ich denke doch, daß er inzwischen seiner Vollendung entgegen gegangen ist. Wie ich Ihnen schon glaube geschrieben zu haben, ist Spemann nicht nur zur Zahlung de Honorars sondern auch zum Verlag des Buches bereit.

In vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

Stuttg. 3/9.86

26

Berlin. W. Nettelbeckstr. No. 24. [ ohne Datum]

Herrn Professor Jos. Kürschner, Stuttgart.

Hochgeehrter Herr Professor!

Aufenthalt an der See u. darauf jüngst folgende Übersiedelung nach Berlin waren Ursache, daß ich nicht schon früher von mit hören ließ. Mein neuestes Werk war beinahe so weit gediehen, daß es als Waare behandelt werden mußte, als es mir gegen eine hohe Bezahlung unter den Händen gleichsam fortgenommen wurde. [52] Man ist froh, wenn man die Früchte langer Arbeit einheimsen kann, u. Ihre gefälligen Zusagen des Honorars waren doch zu wenig bestimmt, als daß ich mir immer bis zum letzten Augenblick freie Hand behalte. Hoffentlich stelle ich im Laufe des Winters ein neues Werk her, u. wenn Herr Spemann sich dann zu einer bestimmten Zusage herbeiläßt, so verkaufe ich Ihnen die Arbeit so gern wie jedem Anderen. Hoffentlich tragen Sie den deutschen schriftstellerischen Verhältnissen Rechnung, mein verehrter Herr Professor, anstatt mir zu zürnen, weil ich das Sichere dem Zweifelhaften stets vorziehe. Mit vorzüglicher Hochachtung habe ich die Ehre, mich zu empfehlen als

Ihr
Sehr ergebener
Balduin Möllhausen

[52]
"Der Fährmann am Kanadian" ging an Hermann Schönlein.

27

8/9[188]6

Herrn Balduin Möllhausen, Berlin

Sehr geehrter Herr!

Es wäre eine Unwahrheit, wenn ich Ihnen sagen wollte, daß mich Ihr Brief gleichgültig ließ. Ich hatte so fest mit Ihrem Roman gerechnet und Sie .... .... dies so deutlich aus allen meinen Briefen ersehen haben, daß Sie mich durch Ihre??? ... Ursachen wirklich in eine höchst unangenehme Lage versetzen. Ich habe dem Verlag gegenüber mit Sicherheit betont, daß ich den Roman aus gutem ... und ... ge, daß Sie ... da ich nun ... gehabt habe, anderweit verwenden müssen??? Es bleibt mir ja nur freilich nichts anderes übrig, als mich in die Thatsache zu schicken, aber ich glaube es wäre doch wohl das richtige gewesen, mir vorher zu schreiben, wie die Sachen lagen und nur mir, wenn ich die gleichen Bedingungen zugestehen wollte, wie der unbekannte Käufer, das Vorrecht zu lassen.

In vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

28

2/10[188]6

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Verehrter Herr!

Die Geschichte mit dem mir entgangenen Roman geht mir noch immer durch den Kopf und es thut mir täglich mehr leid, daß es mir nicht gelungen ist, den Roman zu erhalten. Um nun dem vorzubeugen, möchte ich doch gleich zum Vorhinein Ihnen folgenden Vorschlag machen: Sie sichern mir das Verkaufsanrecht ihres nächsten Romans unter allen Umständen zu und ich gebe Ihnen dagegen das Versprechen, daß Sie 1000 M. Honorar pro Bogen unserer Zeitschrift erhalten, [53] das Honorar bei Annahme des Manuskripts ausbezahlt bekommen und ein Jahr später wieder über das Ganze disponiren können. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir eine bestimmte und bindende Antwort bald zukommen ließen, zugleich mit der Bemerkung, bis wann wohl auf einen Roman von Ihnen zu rechnen wäre.

In vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

[53]
Einen Tag später, am 3. Oktober 1886, bot Kürschner auch Karl May für einen "packenden, fesselnden und situationsreichen Roman ... ein Honorar bis zu 1000 Mark pro Felsbogen".

29

4. Oct. 1886

Balduin Möllhausen
Berlin, W. Nettelbeck-Strasse 24 [=Stempel]

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Mein theuerster und sehr geehrter Herr Professor!

Lassen Sie mich nach der Übersiedelung nach Berlin doch erst ein wenig zu Athem kommen. Glauben Sie mir, ich denke viel u. in erster Reihe an Sie, allein mich in Voraus zu etwas verpflichten, ich bringe es nicht übers Herz. Jeder kleinste auf mir lastende Zwang stört den Flug meiner Phantasie u. erschwert mir die Arbeit. Selbst Schönlein, der mir die letzten Werke abkaufte, hat ebenso wenig eine bestimmte Zusage von mir erhalten, wie manche andere Zeitschriften, die mich im Voraus zu fesseln gedachte. Gönnen Sie mir, daß ich Ihrer günstige Meinung über mein Schaffen von ganzem Herzen u. in vollstem Maaße Rechnung trage. Mit hochachtungsvollem Gruß, Herr Professor.

Ihr
Sehr ergebener
Balduin Möllhausen

30

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Sehr geehrter Herr!

Vielen Dank für Ihren freundlichen Brief. Da Sie sich nicht binden wollen, so bitte ich Sie wenigstens mir seinerzeit, wenn Sie mit einem neuen Roman beschäftigt sind, dieses mitzutheilen und mir so Gelegenheit zu geben, endlich einmal etwas von Ihnen zu erhalten. Ich hoffe, daß Sie bei dem nächsten Werk mich nicht wieder in den Hintergrund schicken.

Stuttg. 7/10 86.
In vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

31

[Stempel] 23. Oct. 86

Herrn Professor Jos. Kürschner, Stuttgart.

Sehr geehrter Herr Professor!

In nächster Woche wird eine Erzählung um Umfange eines Bändchens fertig. Eine in S. Francisco sich abspinnende Geschichte ist es, etwas düster, jedoch aufregend u. mit freundlichen Lichtern durchschoßen. Haben Sie Verwendung dafür, so bitte ich um gefäll. Nachricht. Ich stelle nur die Bedingung, da? Ihre gütige Entscheidung innerhalb des Zeitraums einer Woche fällt.

Hochachtungsvoll und ergebenst
Balduin Möllhausen

32

Herrn Balduin Möllhausen Berlin W.,
Nettelbeckstr. 24

Verehrtester Herr!

Das war ja eine freudige Überraschung, die Sie mir durch Ihre Nachricht bereiten u. ich bitte Sie selbstverständlich sehr, mir das Manuskript Ihrer Novelle, sobald sie vollendet ist, zu übersenden.

Stuttg. 27/17 86

In vollkommener Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

33

[Stempel] 3. Nov. 86

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Sehr geehrter Herr Professor!

Hier das "Geheimniß des Hulks" zur gefälligen Begutachtung, u. damit der Beweis, daß ich Ihrer, wie ich früher mir erlaubte auszudrücken, gedacht habe. Nach meiner Berechnung umfaßt die Arbeit etwa drei Bogen, also 5 - 6 Fortsetzungen. [54] Es ist dies eine jener charakteristischen Erzählungen, durch welche ich mir so manchen Freund erworben. Ob sie für Ihre Zwecke geeignet, können nur Sie entscheiden. Ich erlaube mir nur die ergebene Bitte beizufügen, recht bald Ihr Urtheil sich zu bilden u., im fall der Nichtannahme, das Manuskript mir schleunigst zurückzusenden. Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung,

Ihr
Sehr ergebener
Balduin Möllhausen

[54]
Das Geheimnis des Hulks. Roman (214 Seiten) Stuttgart: Union Deutsche Verlagsgesellschaft o.J. (1889). Vorabdruck: Vom Fels zum Meer. Stuttgart: Spemann. 6. Jg. (1886/87) Bd. 1 (Okt.-März 1886/87) Sp. 1057-1084, Bd. 2 (April-Sept. 1887) Sp. 131-158, 343-364, 455-482. Die Erzählung erschien also in vier Fortsetzungen.

34

10/11 [188]6

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Hochgeehrter Herr!

Empfangen Sie besten Dank für die Übersendung des Manuskripts "Das Geheimniß des Hulk". Ich habe dasselbe mit großer Freude acceptirt. Sobald ich Ihnen Genaueres über den Zeitpunkt der Veröffentlichung sagen kann, werde ich nicht ermangeln dies zu thun. Ich habe jetzt noch einiges liegen, da ich natürlich, nachdem Sie mir im vorigen Sommer nichts senden konnten, mich auch an andere Herren wenden mußte.

In vollkommener Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

35

[Stempel] 17. Nov. 1886

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Gewiß erfreute mich die Annahme des Manuskriptes im hohen Grade, dagegen vermißte ich jede Andeutung betreffs des Honorars u. der Zahlungsbedingungen. In Ihrem früheren geehrten Schreiben vom 2. October stellten Sie zwar eine bestimmte Summe pro Bogen u. Honorarzahlung bei Annahme des Manuskriptes fest, allein ich verstehe nicht, ob ich das auch auf diese Arbeit beziehen kann. Habe ich ein Werk beendigt, so sinkt es freilich zur Waare herab, u. da ich einst von einem Verleger, weil ich die vorherige bindende Vereinbarung verabsäumte, jählings mir einem Butterbrod abgefertigt wurde, so habe ich es seitdem zu meinem Grundsatz gemacht, meine Arbeiten nur noch gegen Honorierung bei Annahme des Manuskriptes abzutreten, wie auch Sie gütig waren, in Ihrem geehrten Schreiben vorzuschlagen. So stehe ich mit Schönlein, überhaupt mit Allen, mit welchen ich zeitweilig in Geschäftsverbindung trete. Ich setze voraus, mein sehr geehrter Herr Professor, daß mit der Annahme des Manuskriptes Ihre Aufgabe erfüllt ist u. die des Herrn Spemann beginnt; Sie werden daher sicher nachsichtig beurtheilen, wenn ich sie ganz ergebenst ersuche, meinen gerechtfertigten Wünschen freundlich Rechnung zu tragen u. für deren Erfüllung freundlich zu wirken. Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung habe ich die Ehre, mich zu empfehlen als

Ihr
Sehr ergebener
Balduin Möllhausen

[Randbemerkung Kürschners:] 1000M. pro Bogen zur Bedingung gemacht [?]

36

[Stempel] 24. Nov. 1886

Herrn Joseph Kürschner, Stuttgart.

Sehr geehrter Herr Professor!

Haben Sie meinen Brief in voriger Woche nicht erhalten? Ich muß durchaus eine endgültige Entscheidung haben, um nach andern Richtungen hin eine Antwort ertheilen zu können. Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung habe ich die Ehre mich zu empfehlen als

Ihr
Sehr ergebener
Balduin Möllhausen

37

24/11 [188]6

Herr Balduin Möllhausen, Berlin

Sehr geehrter Herr!

Empfangen Sie vielen Dank für Ihre gütigen Zeilen. Es ist ja erklärlich, daß Sie wegen des Honorars Auskunft wollen. Mein Anerbieten bezog sich auf einen größeren Jahresroman u. bleibt selbstverständlich aufrecht erhalten. Für kleinere Arbeiten können wir allerdings so große Summen nicht bewilligen, also [?] es stehen Ihnen 2500 M. für den Roman zur Verfügung. Wollen Sie dieselben zugesandt haben, so theilen Sie mir das vielleicht mit oder noch besser, Sie wenden sich sogleich an den Verlag, durch den Ihnen dann das Geld zugehen wird.

Ihn vorzüglicher Hochachtung
Ihr
Kürschner

38

[Stempel] 26. Nov. 86

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Sehr geehrter Herr Professor!

In ergebener Beantwortung Ihres gefälligen Schreibens beehre ich mich, Ihnen mitzutheilen, daß ich mit Ihrer Honorarbestimmung einverstanden bin. Es ist gerade so viel, wie ich auf einer andern Stelle bewilligt erhalten haben würde, u. bin ich aufrichtig genug, zuzugeben, daß ich auf dieser dafür die Nutznießung auf 2 Jahre hinzugefügt hätte. Will Herr Spemann Gebrauch davon machen, vielleicht in seiner Volksbibliothek, so halte ich mich für verpflichtet, ihm denselben Vortheil zu gewähren. Die Honorarsendung erfolgt wohl durch Ihre gütige Vermittlung. Jetzt darf ich wohl frei bekennen, weshalb ich zur Entscheidung drängte. Ich mußte nämlich einem Andern hier in Berlin mit "ja" oder "nein" antworten, u. der ist jetzt befriedigt. Ein Mißverständnis ist jetzt also nicht mehr möglich. Mit höflichstem Gruß habe ich die Ehre mich zu empfehlen als

Ihr
Hochachtungsvoll ergebener
Balduin Möllhausen

39

Herrn Balduin Möllhausen, Berlin

Sehr geehrter Herr!

Die Sache ist so ganz in Ordnung und wird Ihnen das Honorar in den nächsten Tagen zugehen.

In vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

Stuttg. 4/12 86

40

[Stempel] 4. Dec. 86

Herrn Professor Jos. Kürschner, Stuttgart.

Hochgeehrter Herr Professor!

Ich mag in den letzten sechs, sieben Jahren durch das bereitwillige Entgegenkommen der Herrn Verleger wohl etwas verwöhnt sein, doch auch ohne das wüßte ich nicht, was ich von Herrn Spemann denken sollte. Ich schreibe in jedem Jahr ein größeres und ein kleineres Werk, letzteres zu einem bestimmten Zweck für Berlin. Ihrem schmeichelhaften Drängen nachgebend, ließ ich Berlin diesmal ausfallen u. beehrte mich, Ihnen mein Manuskript zu überweisen, um Ihnen wenigstens meinen guten Willen zu beweisen. Ich betrachtete es gewissermaßen als eine Probe, um Ihnen im nächsten Sommer eine größere Erzählung, die im Entwurf beinah fertig, anzubieten. So lange ich die Ehre hatte, mit Ihnen allein zu verkehren, verlief Alles glatt. Ich schrieb hier ab, obwohl die betreffende Firma von einer außerordentlichen Zuvorkommenheit u. Pünktlichkeit [ist], u. freute mich der zwischen uns angeknüpften Beziehungen. Nun aber, seitdem die Angelegenheit in Herrn Spemanns Hände übergegangen, rechtfertigt sich sie Scheu, welche ich mir mehrfach erlaubte vor Ihnen zu offenbaaren. Anstatt schon vor vierzehn Tagen das Honorar zugeschickt zu erhalten, wie ich es gewiß auf Ihre bindende Zuschrift erwarten durfte, soll es heute noch einlaufen. Ich lebe gewiß in geordneten Verhältnissen u. bin nicht auf die Schriftstellerei allein angewiesen, allein seine Buchungen macht man Ende Jahres, namentlich zu Weihnachten u. Neujahr, abgesehen davon, daß ich keinen Buchstaben mehr ohne sofortige Bezahlung verkaufe. U. bei solchem Verfahren soll man noch Lust behalten, die kaum angeknüpfte Geschäftsverbindung weiterzuspinnen! Ich ersuche Sie daher ebenso dringend wie ungek...t, mein hochgeehrter Herr Professor, Ihren nicht zu unterschätzenden Einfluß dafür geltend zu machen, daß mir das Honorar baldigst übermittelt wird, u. damit mein Ungemach schwindet, daß irgendwelche Differenzen zwischen Ihnen und Herrn Spemann den neuen literarischen Geschäftsbetrieb erschweren. Genehmigen Sie, sehr geehrter Herr Professor den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung, mit welchem ich mich empfehle als

Ihr
ergebener
Balduin Möllhausen

41

15/12 [188]6

Herrn Balduin Möllhausen, Berlin

Sehr geehrter Herr!

Es ist mir ganz unverständlich, daß das Geld nicht an Sie abgegangen ist; ich habe daher sofort wieder in das Geschäft geschickt, da gerade bei uns in diesen Sachen die äußerste Pünktlichkeit herrscht. Die Sache wird nun wohl inzwischen erledigt sein. Ich werde persönlich nichts dazu thun, da ich seit längerer Zeit im Bett liege u. in Folge dessen nur wenig in der Lage bin, mich um den Gang des Geschäftes zu bekümmern.

In vollkommener Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

42

[Stempel] 6. Jan. 1887

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Hochgeehrter Herr Professor!

Da seit November kein "Von Fels zum Meer" mir zu Händen gekommen, so vermuthe ich, daß meine Übersiedelung nach Berlin etwas Confusion erzeugte. Vielleicht haben Sie die große Güte, mich wissen zu lassen, wohin ich mich wegen der fehlenden Hefte zu wenden habe. Zugleich erlaube ich mir, Ihre freundliche Vermittelung anzurufen, daß das mir bestimmte Exemplar durch irgendeine der Expedition genehme Berliner Buchhandlung mir zugestellt wird.
Mit den aufrichtigsten Glückwünschen zum begonnenen neuen Jahr habe ich die Ehre, mich zu empfehlen als

Ihr
Hochachtungsvoll ergebener
Balduin Möllhausen

43

Herrn Balduin Möllhausen, Berlin

Sehr geehrter Herr!

In Folge Ihres Wunsches habe ich im Geschäft Ihre neue Berliner Adresse angegeben u. veranlaßt, daß Ihnen "Vom Fels zum Meer" regelmäßig weiter zugeht. Ich hoffe, daß Sie eine Buchhandlung ausfindig macht, die Ihrer Wohnung möglichst nahe liegt.

In vollkommener Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

Stuttg. 14/1 87

44

[Berlin] 12. Juni 1887

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Sehr geehrter Herr Professor!

Ich bin mit dem letzten Abschluß eines dreibändigen Romans beschäftigt. [55] Bis auf die beiden letzten Kapitel ist er vollständig druckfertig. Einer früheren Zusage gemäß erlaube ich mir, Ihnen denselben für "Vom Fels zum Meer" anzubieten. Ein "Ichroman" u. nicht allzu "blutig", kommen in demselben die bei mir gewohnten Naturschilderungen, dann aber auch psychologische Räthsel mehr zur Geltung. Die fünf Abtheilungen lauten: 1 Der Waisenknabe (New York). 2. Der Nordlandssänger (Norwegen) 3. Auf richtiger Fährte. (New York) 4. Der Vaquero. (Acapulco am Stillen Ocean) 5. Der Handelsherr (New York mit kurzen Abschweifungen nach Acapulco und Norwegen). [56] Titel: "Die Zwillinge." Die Arbeit, theilweise im Genre der Dickensschen Romane, ist aber für ein vornehmeres Journal geschrieben u. geeignet, ohne indessen der spannenden Momente zu entbehren. Ein gewisser Hauch von Sehnsucht macht sich hier und da geltend, dagegen befriedigt der Abschluß den Leser. Sollten Sie, geehrter Herr Professor, nach dieser kurzen Charakterisierung einen Einblick in die Arbeit wünschen, so bitte ich um umgehende Benachrichtigung. Ich hätte dann nur die ergebene Bitte, um etwas beschleunigte Durchsicht, da ich um Mitte Juli, dem Zeitpunkt des Antrittes einer Reise, wenigstens über die Arbeit verfügt haben möchte - d.h. nicht von wegen Honorar, das eilt nicht.
Mit freundschaftlichem Gruß habe ich die Ehre, mich zu empfehlen als

Ihr
Hochachtungsvoll ergebener
Balduin Möllhausen

[55]
Haus Montague. Roman. 3 Bände. Jena: Costenoble 1891.- Vorabdruck: Vom Fels zum Meer. Stuttgart: Spemann. 8. Jg. (1888-/89) Bd. 1 (Okt. 1888 - März 1889) Sp. 61-86, 499-536, 760-788, 1018-1047, 1384-1404, 1591-1626, 1849-1875; Bd. 2 (April-Sept. 1889) Sp. 55-84, 481-511, 758-780, 980-1005, 1249-1278, 1636-1666.

[56]
Im fertigen Roman wurden die Abteilungen vier und fünf getauscht.

45

14/6 [188]7

Herrn Balduin Möllhausen, Potsdam

Verehrter Herr!

Es ist sehr liebenswürdig von Ihnen, daß Sie mir Ihren neuen Roman für "Vom Fels zum Meer" anbieten. Schade, daß Sie nicht früher kamen. Ich habe jetzt gerade nicht weniger als 3 neue Romane erworben, die natürlich in erster Linie zum Abdruck kommen müssen. Sind Sie aber damit einverstanden, daß der Abdruck nicht sofort, sondern erst in einiger Zeit erfolgt, so würde ich Sie bitten, mir das Manuskript doch zur Beguthachtung zuzusenden, da ich, dieses Zugeständnis vorausgesetzt, in der Lage wäre, wenn sonst der Roman unseren Verhältnissen entspricht, ihn zu acceptieren.

Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener
Kürschner

46

[Stempel] 16.6.87

Herrn Professor Jos. Kürschner, Stuttgart.

Sehr geehrter Herr Professor!

Ihr heut eingetroffenes Schreiben vom 14. d. M. beehre ich mich, durch schleunige Übersendung des MS. Zu beantworten. Die Verzögerung des Beginns des Druckes - im falle der Annahme, würde mich nicht stören, wenn ich nur eine recht baldige Entscheidung erwarten dürfte. Es handelt sich für mich nämlich darum, eine frühere Anfrage hier in Berlin zu beantworten, dann aber einer gestern an mich ergangenen Aufforderung, für ein großes Unternehmen, welches sich vorläufig noch der Öffentlichkeit entzieht, eine umfangreiche Arbeit zu liefern, nachzukommen oder dieselbe abzulehnen. Sie sehen, Ihnen gegenüber lasse ich rückhaltlose Offenherzigkeit walten. Sie dagegen, mein verehrter Herr Professor, würdigen zumeist nach Gebühr, wenn man sich keine Gelegenheit entgehen lassen möchte, eine lange Winterarbeit sicher unterzubringen. Das erwähnte Unternehmen soll sich durch Vornehmheit vor vielen andern auszeichnen, mehr zu sagen ist mir nicht erlaubt. Bitte, geehrter Herr Professor, berücksichtigen Sie daher mein dringendes Gesuch um Beschleunigung Ihrer Entscheidung. In ruhigem Lesen mit dem "Haus Montague" beginnend, werden Sie sich überzeugen, wie ich die Aufgabe, das Interesse immer mehr zu steigern, ziemlich aufmerksam im Auge behalten habe. Ursprünglich hatte ich die Arbeit "Die Zwillinge" getauft. Sollte die Arbeit Ihren Zwecken entsprechen u. Sie zeihen nach Lesen des MS. Diesen Titel vor, so bin ich damit einverstanden. Einer gefälligen Notiz, daß das MS. Ihnen wohlbehalten zu Händen gekommen, darf ich wohl entgegensehen. Noch einmal meine ergebene Bitte um baldige Entscheidung wiederholend, erlaube ich mir, hinzuzufügen, daß nur eine Art Marotte, nie eine unfertige Arbeit anzubieten, mich bis jetzt zaudern ließ. Es fehlen auch jetzt noch etwa 20 Seiten, der letzte Schluß, welchen ich gewohnheitsmäßig gern mit besonderem Fleiß u. ungestörter Muße ausarbeite.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr
Sehr ergebener
Balduin Möllhausen

47

Herrn Professor Jos. Kürschner [Postkarte]

Stuttgart
Rheinsberg-Str. 45
[Stempel] 2. Juli 1887

Berlin 2.7.87 [Poststempel]
Stuttgart 4.7.87 [Poststempel]

Hochgeehrter Herr Professor!

Ist das Manuskript, welches vor 3 Wochen unter "Einschreiben" einzusenden ich mir erlaubte, Ihnen zu Händen gekommen? Ich bin recht in Unruhe.

Ihr
hochachtungsvoll ergebener
Balduin Möllhausen

48

[Stempel] 9. Juli 87.

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Mein verehrter Herr Professor!

Ich möchte auch nicht den Schein eines Mißverständnisses walten lassen. An die Eröffnung des neuen Unternehmens mit meiner Arbeit habe ich gar nicht gedacht, obwohl die Aufforderung zu deren Einsendung früh genug an mich erging, u. unfertige Manuskripte bringe ich ja grundsätzlich nie auf den Markt. Wenn ich mir also erlaubte, Ihnen den Roman zu erst anzubieten u. um baldige Entscheidung bat, so glaubte ich, einem Kollegen gegenüber offenes Vertrauen walten lassen zu dürfen. Ich setzte dabei voraus, daß Sie, mein verehrter Herr Professor, den Wunsch würdigten, über die Arbeit eines langen Winters abgeschlossen zu haben, bevor auch ich mich zur Erholung Anfang August in ein Bad begebe. Obwohl ich bis jetzt noch nie einen Buchstaben schrieb, der unverkauft geblieben wäre, so gehöre ich doch nicht zu den Leuten, die sich durch günstige Erfolge in Sicherheit wiegen lassen. Fieberhafte Unruhe peinigt mich, bis der Verlagskontract vollzogen ist, u. solche Unruhe möchte ich nicht gern mit in die Erfrischung mit hineinnehmen. Ob der Druck heute beginnt oder nach Monaten, kümmert mich dabei wenig. Hier verschanze ich mich hinter die Erklärung, daß das Manuskript noch nicht fertig sei - u. ich habe thatsächlich ja noch 10 - 12 Seiten Schluß zu schreiben - trotzdem sehne ich mich dringend nach einer endgültigen Entscheidung, wobei ich wünsche, daß sie zu meinen Gunsten ausfalle. Mit dem Ausdruck größter Hochachtung, Herr Professor, habe ich die Ehre, mich zu empfehlen als

Ihr
Sehr ergebener
Balduin Möllhausen

49

10/7[188]7

Herrn Balduin Möllhausen, Luzern

Verehrter Herr!

In aller Eile will ich Sie nur nochmals um Entschuldigung bitten über die Verzögerung Ihres Manuskripts. Die Sache lag so, daß erst Spemann, der ebenfalls alle Romane liest, in Geschäften abwesend war u. dann ich wegen plötzlichem Unwohlseins ebenfalls fort mußte, so daß Ihr Roman in eine ungünstige Zeit fiel. Ich glaube übrigens schon heute, nachdem ich mit der Lektüre bald zu Ende, eine Annahme in Aussicht stellen zu können u. würde ich Sie nur bitten eine Änderung des Schlusses vorzunehmen, was Ihnen aber keine Mühe machen wird. Also bitte verzeihen Sie in der Voraussicht, daß Ihr Roman fast so gut wie schon acceptiert ist.

In vollkommener Hochachtung
Ihr ergebener
[Kürschner]

50

[Stempel] 25.7.87

Herrn Professor Jos. Kürschner, Stuttgart.

Mein verehrtester Herr Professor!

Ich bin ganz unglücklich, daß ich noch immer in Ungewißheit schwebe; nicht als ob ich Geld gebrauchte, allein von einem Seebade aus, wohin ich mich Anfang August zu begeben gedenke, für den Fall der Nichtannahme mich mit Geschäften plagen zu müssen, ist mir ein unleidlicher Gedanke. Bitte, sorgen Sie doch dafür, daß ich endlich ins Klare komme. Wenn ich nur weiß, das daß MS. Zusagt, bin ich schon zufrieden; das geschäftliche Theil eilt ja nicht. Auf Ihre gütige Vermittlung bauend, habe ich die Ehre, mich Ihnen zu empfehlen, als Ihr hochachtungsvoll

ergebener
Balduin Möllhausen

51

[Stempel] 4.8.87

Herrn Professor Jos. Kürschner, Stuttgart.

Sehr geehrter Herr Professor!

Beiliegend die Korrektur. [57] Übermorgen trete ich eine längere Erholungsreise an u. mit mir nehme ich die Unruhe über das Schicksal einer mühsamen Arbeit vieler Monate. Mit etwaigen gefälligen Zuschriften bitte ich, so lange zu pausiren, bis ich eine Adresse eingesendet habe. Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr
ergebener
Balduin Möllhausen

[57]
Wohl für die letzte Fortsetzung von "Das Geheimnis des Hulks".

52

Luzern, den 9ten August, 1887

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart

Sehr geehrter Herr Professor!

Ich mag vielleicht etwas verwöhnt sein, allein im Grunde hat es doch etwas Deprimierendes für mich, daß im Laufe von 8 Wochen sich nicht einige Stunden Zeit gefunden haben sollten, auf meine dringenden, höflichen u. gerechtfertigten Bitten [hin], eine Entscheidung über meine Arbeit zu treffen, Gewiß, mein verehrter Herr Professor, zolle ich die größte Achtung Ihrer, ungewöhnlichen Fleiß bedingenden vielfältigen Beschäftigung; andererseits werden Sie aber gewiß gern meinem Wunsch, endlich Sicherheit zu gewinnen, Rechnung tragen. U. welchen Eindruck kann es nur auf mich ausüben, wenn ich jetzt die Nachricht erhalten, daß die Arbeit eines langen Winters u. Frühlings nicht geeignet für Ihre Zwecke, jetzt, nachdem ich auf längere Zeit verreiste u. also nicht in Stande, mit Aufmerksamkeit zu meinem Dingen zu sehen. Nach den mir zugegangenen kurzen Nachrichten umgiebt mein Manuskript etwas Räthselhaftes, u. nur zwei Möglichkeiten erkenne ich jetzt noch; entweder das MS, ist verloren gegangen, oder es wurde günstig beurtheilt, wogegen eine endgültige Entscheidung noch von buchhändlerischen Berechnungen abhängig. Wenn ich um Letzteres weiß, so bin ich ja schon zufrieden, u. werden Sie, mein verehrter Herr Professor, wenn Sie sich in meine Lage versetzen, gewiß gern sich bereit finden lassen, mir vertrauensvoll den betreffenden Auschluß zu ertheilen. Bis dahin, Herr Professor, komme ich, gewiß keiner der am wenigsten populären Schriftsteller, mir vor, wie ein - verzeihen Sie mir gütigst - Proletarier der niedrigsten Sorte, der auf freundliche Rücksichten keine Ansprüche erheben darf. U. noch einmal, mein verehrter Herr Professor, ersuche ich Sie herzlich u. kollegialisch, mich endlich aus meiner Unruhe zu reißen. Mit Freuden will ich begrüßen, wenn meine geschäftlichen Beziehungen zu Herrn Spemann eine Erneuerung erfahren, u. grüße ich mit vorzüglicher Hochachtung als

Ihr
ergebener
Balduin Möllhausen

53

Engelberg, 13. Auf. 1887

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Sehr geehrter Herr Professor!

Für Ihr gefälliges Schreiben meinen verbindlichsten Dank. Ich bin jetzt vollständig beruhigt u. beeile ich mich, Ihnen ergebenst mitzutheilen, daß ich gern bereit bin, die von Ihnen vorgeschlagenen Veränderungen zu vollziehen. Sie müßten besser wissen, als ich, wo es etwa noch fehlt. Eine größere Umarbeitung kann damit ja nicht verbunden sein.
Welcher Schauplatz verlegt werden soll, ahne ich nicht; es sind deren ja mehrere. Norwegen kann es doch unmöglich sein, ebenso wenig wohl Acapulco, dieses wahrhaft paradiesische Fleckchen Erde. Bliebe also Brooklyn bei New York, u. hätte ich dann nur mit der Schwierigkeit zu kämpfen, einen Platz zu entdecken, wo ich mit gutem Gewissen dieselben Personen u. Ereignisse zur Geltung bringen könnte, wie gerade da. Auf alle Fälle trage ich Ihnen den besten Willen entgegen, u. bitte Sie nur, mir Näheres darüber hierher zu schreiben. Hier habe ich nämlich die rechte Muße, mir Alles ein wenig zurecht zu legen u. mundgerecht zu machen. Ich komme immer wieder auf den ursprünglichen Titel "Die Zwillinge" zurück, u. meine in diesem Falle die ersten gestrichenen Zeilen wieder herzustellen. Ich habe wenigstens unter dem [recte: wenigstens den] Eindruck, daß durch diesen Titel der Leser - wie ich es gern thue, mit seinen Kombinationen auf Irrwege geführt wird u. Reginalds angenommener Sohn beim ersten Zusammentreffen mit der Kohlmeise für den Zwillingsbruder hält. Auch darüber erbitte ich mir Ihre maßgebende Ansicht. Die letzten paar Seiten schreibe ich - einer seltsamen Gewohnheit folgend - sobald die Arbeit zur Annahme fest gelangte. Das Schlußheft habe ich mit hierhergenommen, u. erhalten die letzten 3 Seiten, unter freundlichem Eindruck geschrieben, auch einen freundlicheren Charakter. Ich lege nämlich, wie ich bereits die Ehre hatte, zu schreiben, gerade auf einen etwas g ... isch gehaltenen Schluß hohen Werth. Ich werde wohl noch einige Wochen hier oben in den Alpen bleiben, u. darf ich wohl hoffen, nach hier Ihre endgültige Entscheidung zu erhalten. Ich bin übrigens erstaunt, hier in der Schweiz so viele warme Freund meiner Arbeiten zu finden. Sie glauben nicht, wie viel Freude ich hier täglich erlebe. Mit bestem Gruß aus dem kühlen Gletscherreich, sehr geehrter Herr Professor.

Ihr
hochachtungsvoll ergebner B. Möllhausen

54

Engelberg, 26. Aug. 1887

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Sehr geehrter Herr Professor!

Im Begriff, das Hochgebirge zu verlassen u. langsam heimwärts zu pilgern, ersuche ich Sie ganz ergebenst, etwaige geehrte Zuschriften von Ende nächster Woche ab wieder nach Berlin gefälligst richten zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung, sehr geehrter Herr Professor, habe ich die Ehre, mich Ihnen zu empfehlen als

Ihr
ergebener
Balduin Möllhausen

55

4/9 [188]7

Herrn Balduin Möllhausen

Verehrter Herr!

Es war mir sehr leid, daß ich Sie hier nicht getroffen habe, um mich gleich hier mit Ihnen über Ihren Roman zu benehmen. Ich, der ich sonst nicht ausgehe, war gerade an diesem Tage einer Einladung gefolgt, die ich nicht hatte umgehen können, was aber doch geschehen sein würde, wenn Ihre Karte rechtzeitig in meinen Besitz gekommen wäre. Wie ich Ihnen schon geschrieben habe, acceptire ich Ihren Roman mit Vergnügen, wenn schon ich auch den Abdruck nicht so rasch versprechen kann. Dankbar wäre ich Ihnen für einige Änderungen: In erster Linie scheint es mir angezeigt, die Anfangskapitel etwas zu kürzen, so daß der Leser rascher in den Gang der Handlung eingeführt wird. Sodann sollte das zweite Buch, welches die Wikingerfahrt darstellt, ebenfalls knapper gefaßt, deren Schluß jeder Leser herbeisehnen wird, um so früh wie möglich den Fortgang der Verhältnisse in das Professors Haus zu sehen. Gern hätte ich auch den Schauplatz verlegt, aber ich glaube, daß dies wegen der Verhältnisse nicht ganz leicht ist. Würden Sie es wohl für möglich halten, daß man statt New York Hamburg oder Triest wählte? Wäre das nicht möglich, so würde ich selbst London New York vorziehen, da das Publikum eine gewisse Aversion gegen Amerika bekundet. Ich erwarte nun noch den Schluß; wegen den Bedingungen sich Sie doch damit einverstanden, daß entsprechend unseren früheren Abmachungen verfahren wird.

In vollkommener Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

56

[Stempel] 7. Sept. 1887

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Sehr geehrter Herr Professor!

Mit Freude begrüße ich die Annahme meiner Arbeit, die ich doch lieber, wenn Sie nicht dagegen sind, "Die Zwillinge" nennen möchte. Zu den Kürzungen in Ihrem Sinn gebe ich gern meine Zustimmung, nur möchte ich darum bitten, daß ein Anderer, der sich mit Ihnen jederzeit darüber verständigen kann, sie besorgt. Bei mir waltet die Gefahr, daß ich streiche, was Sie behalten möchten, u. gerade das Entbehrliche stehen lasse. Für die Buchausgabe möchte ich indessen das Gestrichene sorgfältig reformiert haben, Das "Vom Fels zum Meer" ist ein vornehmes Buch, u. lebte ich der Meinung, daß ein vornehmeres Lesepublikum, als das der meisten anderen Journale, auch etwas ausführlichere u. mit erhöhtem Fleiß ausgearbeitete Schilderungen freundlich entgegennehmen würde. Dazu kommt, daß "Vom Fels zum Meer" jedesmal größere Portionen bringt u. einer Ermüdung einzelner Längen, wenn sie nur sorgfältig verfaßt sind, weniger leicht Raum giebt. Die Kölnische u. andere Zeitschriften sagten mehrfach in ihren Kritiken, daß meine Schilderungen für den Rahmen der Erzählung zuweilen zu lang, indeß durch ihre ganze Art entschädigten. Doch in diesem Falle gilt Ihr Urtheil allein als maßgebend. Welches Lob spendete man jetzt z. B. den Naturschilderungen im "Loggbuch"! U. wie zahlreich sind meine Freunde - das erfuhr ich jetzt so recht in der Schweiz, wohin auch immer ich kam - die sich an meine Erzählweise gewöhnten u. ungern ein Wort von mir missen. Namentlich bei der vornehmen Leserwelt macht sich dies geltend. Darauf fußend erlaube ich mir noch einmal die ergebene Bitte, die nothwendig erscheinenden Kürzungen von einem Anderen vollziehen zu lassen, dessen Urtheil unbefangener u. daher sicherer. Mit dem Verlegen des Schauplatzes ist es eine böse Sache; es sei denn, man ließe den Namen ganz fort u. gäbe dem Publicum anheim, denselben zu errathen. Einer der gefälligst vorgeschlagenen Art würde das ganze Gebäude über den Haufen stürzen, die in den Beziehungen zwischen den verschiedenen Örtlichkeiten waltende Logik verzerren. Nicht zu übersehen ist aber auch, daß wenn wirklich hier u. da oder im Allgemeinen Abneigung gegen Amerika walten sollte, ich der Hauptvertreter des überseeischen Romans bin u. diese Eigenthümlichkeit sich doch in allen Leserkreisen eine recht breite Bahn gebrochen hat. Lesen Sie 5 Kritiken - denen ich selbst persönlich durchaus fern stehe - u. Sie werden in vieren gerade die amerikanischen Schilderungen bevorzugt finden. Vielleicht dienen diese offenen Geständnisse dazu, mein hochverehrter Herr Professor, Sie Ihre Bedenken mildern zu lassen. Gewiß bin ich einverstanden mit den von Ihnen früher vorgeschlagenen Bedingungen, auch mit der Ihnen angemessen erscheinenden Verzögerung des Druckes. Ich möchte nur bitten, wenn möglich, mir vor dem ersten Circular [?] gefälligst eine Anzahlung zukommen zu lassen, um mich - gestehe es offen - bei der bevorstehenden Verheirathung meines Sohnes [58] ein wenig freier bewegen zu können. Den Schluß, welchen ich so knapp, wie nur möglich, gehalten habe, erlaube ich mit anbei zu übersenden. Von Herzen wünsche ich, mein verehrter Herr Professor, daß meine überzeugungstreuen Vorstellungen bei Ihnen auf günstigen Boden gefallen sind, u. erkläre mich nochmals bereit, Ihnen bei allen Vorschlägen nach besten Kräften entgegenzukommen.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
Balduin Möllhausen

[58]
Alexander Balduin Möllhausen (1856-1919).

57

12/9 [188]7

Herrn Balduin Möllhausen, Charlottenburg

Sehr geehrter Herr!

Seien Sie vielmals bedankt, daß Sie auf meine Vorschläge so gern eingehen. Ich werde, sobald der Roman zum Abdruck kommt, mich selbst daran machen und mit diskreter Hand die nöthigen Striche vornehmen. Vielleicht kann man doch den Schauplatz in Amerika belassen. Ich habe mir die Sache überlegt u. denke daß es gehen wird. Einer Anzahlung des Honorars im Oktober steht wohl nichts im Wege; ich werde das Nöthige im Geschäft veranlassen u. wird Ihnen dann dasselbe von dort aus zugehen.

In vollkommener Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

58

[Stempel] 15. Sept. 87

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Mein hochgeehrter Herr Professor!

Tausend Dank für Ihre jüngste liebenswürdige Zuschrift. Gestern nahm ich die beiden neuesten Nummern "Vom Fels zum Meer" zur Hand u. bekam Angesichts des neuen Formates - im strengsten Vertrauen gesagt - einen leisen Schrecken. Würde die Bogenzahl nach diesem neuen Format berechnet, so würde das ja, um Vergleich mit dem früheren, das Honorar um gegen tausend Mark schmälern. Neugierig machte ich meine Berechnung, u. da stellte sich heraus, daß die neuen Bogen zehn meiner geschriebenen Seiten mindestens mehr hatten, als die früheren, nach welchen Sie so gütig waren, das Honorar zu bestimmen. Ihrer Gerechtigkeit bin ich ja sicher, werden aber im Verlags-Buireau Schwierigkeiten u. Irrthümer ausgeschlossen sein, wenn Sie nicht vorbeugend einschreiten? Doch wie Sie entscheiden, soll es auch mir recht sein.- Würde die Anzahlung vor dem 1sten Octbr geliefert, so erwiesen Sie mir dadurch eine Gefälligkeit.
Mit vorzüglicher Hochachtung, sehr geehrter Herr Professor.

Ihr
ergebener
Balduin Möllhausen

[Stenographische Randbemerkung:]

59

Herr Balduin Möllhausen
Berlin W., Nettelbeckstr. 24

Sehr geehrter Herr!

Ueber die Zahlungs-Berechnung machen Sie sich keine Sorgen. Ich habe Spemann, als er wegen des Honorars fragte, sofort gesagt, daß dieselben Bedingungen maßgebend seien, wie das letzte Mal und da ist es dann selbstverständlich, daß auch die älteren Bogen zu Grunde gelegt werden. Ich werde das Geschäft bitten, Ihnen noch vor Oktober die gewünschte Anzahlung zu machen.

In vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

Stuttgart, 20/9 87

60

21./9 [188]7

Herrn Balduin Möllhausen, Berlin

Sehr geehrter Herr!

Heute habe ich endlich die Honorarfrage wegen Ihres Romans mit Spemann definitiv besprochen. Er theilte mir mit, daß er in der Lage sei, Ihnen 5000 M. für den Roman zu bezahlen und bitte ich Sie, mir nun darüber Ihre Meinung zu sagen. Es wäre mir am angenehmsten, wenn Sie Ihren Brief so einrichten wollten, daß ich ihn dem Verlag selbst vorzeigen kann, daß Sie also event. Ihre speziellen Wünsche mir in einem besonderen Schreiben kundgeben würden.

In vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

61

[Stempel] 24. Sept. 87

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Sehr geehrter Herr Professor!

Ihr gefälliges Schreiben vom 21.d.M. ist mir gestern Nachmittag zugegangen, ich glaubte aber meinen Augen nicht trauen zu dürfen, als ich "5000 M." las, in so hohem Grade steht das von Herrn Spemann bewilligte Honorar hinter dem zurück, welches ich glaubte, im Vergleich mit den mir von anderen Seiten stets ohne Feilschen bewilligten Honoraren beanspruchen zu dürfen. Durch die lange Verschleppung u. den Umstand, daß ich in gutem Glauben eine ganze Reihe anderer Anerbietungen zurückwies, bin ich indessen in die Lage gerathen, Sie dennoch höflichst zu ersuchen, das Geschäft endgültig zum Abschluß zu bringen. Vielleicht gelingt es Ihnen, Herrn Spemann zu überzeugen, daß ein Höhergreifen doch eine Gerechtigkeit üben hieße. Auch vermisse ich jede Andeutung über die Buchausgabe. Ich darf Sie wohl ganz ergebenst ersuchen, zu vermitteln, daß das Geld nicht an meine Adresse, sondern an "Die Herren Mendelssohn & Co. Berlin. Jaegerstraße" [59] in meinem Namen geschickt werde. Mit vorzüglicher Hochachtung, geehrter Herr Professor,

Ihr
sehr ergebener
Balduin Möllhausen

[59]
Das Berliner Bankhaus Mendelssohn & Co. (gegründet 1828, liquidiert 1938) war gegründet worden von Joseph M. (1770-1848), einem Sohn des Philosophen Moses M. (1729-1786); es befand sich 1887 im Besitz von Franz von M. (1829-1889), einem Urenkel des Philosophen, und ging dann auf seinen gleichnamigen Sohn (1865-1935) über. Möllhausen hatte die Familie durch seinen Gönner Alexander von Humboldt kennengelernt. Hermann Mendelssohn (1824-1891), ein Bruder des (ersten) Franz v. M., hatte in seinem Leipziger Verlag die beiden Reiseberichte Möllhausens herausgebracht. Das Bankhaus befand sich 1875 bis 1893 in der Jägerstraße 52.
Die Mendelssohns in Berlin, Berlin 1983.

62

[Stempel] 24. Sept. 1887

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Mein verehrter Herr Professor!

Ihre gütige Erlaubniß, neben beiliegendem Briefe [60] noch einige vertrauliche Bemerkungen an Sie richten zu dürfen, mache ich mir ausgiebig zu nutze. Ich bin ganz entrüstet über die minimale Summe, u. kann mich dem Eindruck nicht verschließen, daß ich eine Unvorsichtigkeit beging, indem ich bat, das Geld noch vor dem 1ten Oct. in meine Hände gelangen zu lassen. Herr Sp.[emann] dachte vielleicht, ich sei in Noth u. sei gezwungen, jedes Gebot anzunehmen. U. doch wollte ich damit nur umgehen, auf die der Annahme baldigst folgende Zahlung zu dringen, wie ich es seit Jahren u. Jahren nicht anders gewohnt bin. So schickte Schönlein mir beispielsweise für die letzten 3 dreibändigen Romane jedesmal bis zu 7500 M. Anzahlung, um nach Druck u. Buchung [=Buchausgabe] noch über 1500 M. hinzuzufügen. Sie sind gerecht u. achten "den Schweiß des Edlen", u. mit Ihnen könnte ich bis an mein Lebensende ohne die leiseste Störung in jedem Verkehr leben, u. diese neue Demütigung fällt Ihnen bei Gott nicht zur Last; allein zu verdenken ist es mir wahrlich nicht, wenn ich jetzt sage: Einmal bin ich von Herrn Spemann wie ein Tagelöhner abgefertigt worden vor Jahren, jetzt zum zweitenmal. Daß es nicht zum drittenmal geschieht, dafür bürge ich. Ich kann mir denken, wie peinlich Ihnen die ganze Angelegenheit ist, u. doch lebt in mir auch nicht der leiseste Vorwurf gegen Sie. Ich begreife vollkommen Ihre schwierige Stellung u. biete, wenn auch unter Opfern, die jetzt ja nicht mehr umgangen werden können, mit aufrichtigen Gesinnungen Ihnen die Hand, um über diese Peinliche Angelegenheit schleunigst hinwegzukommen. Vielleicht gelingt es Ihnen dennoch, Herrn Spemann Ihren eigenen ehrenwerthen Auffassungen zugänglich zu machen. Wenn er noch 6000 M. gesagt hätte, so würde ich mich bei weitem nicht so tief gekränkt gefühlt haben. Seitdem ich von den berüchtigten Jankes abgegangen bin, habe ich Derartiges nicht wieder erlebt. Ihren unzweifelhaften Bemühungen den besten Erfolg wünschend, mein bester Herr Professor, begrüße ich Sie freundschaftlich als

Ihr
Hochachtungsvoll ergebener
Balduin Möllhausen

NB. Wie könnte ich jetzt, nachdem ich mehrere recht zahlungskräftige Zeitschriften u. Zeitungen auf später vertröstet, denselben Verlegern diese Arbeit nachträglich anbieten? Sollte das nicht bedacht worden sein? Ich muß mich also fügen und erkläre mich vollkommen einverstanden mit dem von Ihnen beliebten Verfahren. Jetzt rechne ich zuversichtlich auf Übermittelung des Honorars noch vor dem 1ten Oct.

[60]
Brief Nr. 61.

63

30/9 [188]7

Herrn Balduin Möllhausen,
Berlin W., Nettelbeckstr.24

Sehr geehrter Herr!

Tiefen Dank für Ihre beiden Briefe, [61] von denen ich den einen Spemann vorgelegt habe, um wo möglich dadurch die Verhältnisse etwas zu verbessern. Leider ist mir das nicht gelungen. Er motiviert das Honorar damit, daß ja die zwar mit einbegriffene Buchausgabe für ihn nur wenig Werth habe und bei Romanen nicht ein eigentlicher Verdienst wäre. Ich machte zwar geltend, daß er doch eigentlich mit Rücksicht auf das früher gezahlte Honorar auch diesmal die gleiche Summe in entsprechendem Verhältnis zahlen müsse, aber er war in dieser Beziehung nicht meiner Meinung. Sie ahnen gar nicht, wie außerordentlich peinlich mir dieser Vorfall ist, obgleich Sie darin nicht richtig denken, daß Sie glauben, er hätte evtl. das Honorar gestellt mit Rücksicht darauf, daß Sie dasselbe moment. benöthigten. Es thäte mir aufrichtig leid, wenn wir Sie durch diesen unliebsamen Vorfall als Mitarbeiter verlören, aber ich habe jetzt nicht recht Courage dazu, Sie sogleich um weitere Mitarbeiterschaft zu bitten. Ich kann nur wiederholt Sie ersuchen, mich diese Sache nicht entgelten zu lassen, an der ich so unschuldig bin wie ein neugeborenes Kind.

In vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

[61]
Nr. 61 und Nr. 62.

64

[Stempel] 15. Oct. 87

Herrn Professor Joseph Kürschner, Stuttgart.

Sehr geehrter Herr Professor!

Ich weiß nicht mehr, was ich davon denken soll! Am 1ten Oct. hätten die 5000 M. bei Mendelssohn & Co. Berlin sollen sein, zumal laut früheren Abmachungen das Honorar bei Annahme des MS. Zu entrichten, u. noch immer schwebe ich zwischen Borke u. Baum. Nicht genug, daß ich 4 Monate hingezerrt wurde - in meiner Praxis etwas Unerhörtes - nicht genug, daß H. Spemann, Ihre gewiß geachtete Person nebst Vereinbarungen heilos desavouierte u. mich um 3000 M. betrübte, ruft er jetzt auch den Eindruck hervor, als sollte ich noch um das Lumpenhonorar betteln. Spemann soll wenigstens sagen, ob er die 5000 M. nicht zahlen kann oder nicht zahlen will, damit ich wenigstens die betreffenden Schritte thun kann. Ich schriftstellere nun schon 32 Jahre, allein derartige Erfahrungen sind mir bisher erspart geblieben. Das übertrifft ja beinah Kostenobl u. Janke! Schade, daß Sie, mein verehrter Herr Professor, in naher Beziehung zu Sp. stehen oder ich würde Sie bitten, mit Ihrer gewandten Feder die Sache der Öffentlichkeit zu übergeben. Oder was gehört dazu, wenn ein Mann sich einem Gentlman gegenüber derartig benimmt! Das ist ja, als würde ich zu den Proletariern gerechnet. Wie recht leitete mich mein Gefühl, als ich mich nach der ersten Mißhandlung sträubte, in Beziehung zu diesem Manne zu treten; u. ich bin ja nicht der Einzige, der gerechte Klage zu führen hat. Ich erinnere an Philipp Galen. [62] Ich bitte Sie daher dringen u. kollegialisch, mein verehrter Herr Professor, gütigst dafür zu sorgen, daß das Honorar sofort an Mendelssohn & Co. Berlin eingesendet wird, damit ich endlich die Nahrung [?] an dem schrecklichen Ärger los werde, nichts mehr davon sehe u. höre. Wie viel höher stehen doch Schönlein, die "Gartenlaube", die Kölnische u. viele andere, von deren Seite ich mich stets der liebenswürdigsten Zuvorkommenheit u. ... zu erfreuen habe.
Einer umgehenden Benachrichtigung entgegensehend, mein verehrtester Herr Professor, habe ich die Ehre, Sie zu begrüßen als

Ihr
Hochachtungsvoll ergebener
Balduin Möllhausen

[62]
Philipp Galen (1813-1899, eigentl. Philipp Lange), Oberstabsarzt und Erfolgschriftsteller, lebte wie Möllhausen in Potsdam und war mit diesem befreundet. Seine erfolgreichsten Romane waren "Der Inselkönig" (1852) und "Der Irre von St. James" (1854).

65

19/10 [188]7

Herrn Balduin Möllhausen,
Berlin Nettelbeckstr. 24

Sehr geehrter Herr!

Sie begreifen, wie außerordentlich peinlich mir die Sache ist. Aber ich kann Sie nur wiederholt versichern, daß ich an dieser ganzen Sachen wahrlich schuldlos bin. Ich habe zu wiederholten Malen im Geschäft gemahnt u. begreife nicht, daß die Sache nicht erledigt ist. Selbstredend habe ich nach Empfang Ihres Briefes sofort eine energische Mahnung an des Geschäft geschickt u. wird dieselbe sicher inzwischen von Erfolg gewesen sein.
Mit der wiederholten Bitte, mich diese unangenehme Sache nicht entgelten zu lassen, bin ich mit

Ausgezeichneter Hochachtung
Ihr ergebener
[Kürschner]

66

[Stempel] 24. Sept. 88

Herrn Professor Kürschner, Stuttgart.

[ohne Anrede]

Der Anfang meiner Erzählung "Haus Montague" ist mir zugegangen. Die geschmacklosen Kürzungen oder vielmehr Verstümmelungen, wie sie nur von weniger gebildeten Lesern willkommen geheißen werden, erzeugen bei mir - ich sage vorsichtig: den Eindruck, als handelte es sich darum, für 5000 M. Waaren aus einer Arbeit herauszusuchen, welche ich mit meinem besten Herzblut schrieb. Meine Erbitterung wird erhöht, indem ich alle von Euer Wohlgeboren an mich gerichteten Briefen noch einmal durchlese u. Euer Wohlgeboren annehmbare Verheißungen mit der Entscheidung Ihres Chefs, Partners oder in welcher Beziehung auch immer der p. p. Spemann zu Euer Wohlgeboren stehen mag, vergleiche. Euer Wohlgeboren nennen sich unschuldig wie ein neugeborenes Kind. Ich gebe zu, daß ich allein der schuldige Theil bin; denn hätte ich Euer Wohlgeboren erste Aufforderung zur Mitarbeiterschaft einfach in den Papierkorb geworfen, wie ich es vielfach bei ähnlichen Gelegenheiten thue, so wäre mir mancher Ärger, manche Demüthigung erspart geblieben, die in meinem Alter u. in meiner geachtheten Stellung doppelt peinlich wirken. Meine Betrachtungen über die Art der an mir geübten Geschäftspraxis, recapitulire ich nicht. Ich sprach mich zu seiner Zeit darüber aus u. meine Anschauungen werden in allen Kreisen getheilt, in welchen ich sie unter Vorlegung Euer Wohlgeboren Briefe offenbare.
Nebenbei die Bemerkung: Ich bin gewohnt, daß ich von den Zeitschriften, in welchen eine Arbeit von mir veröffentlicht wird, bis zu 4 Exemplare für meine Kinder zugesendet erhalte. Freilich, Ihr Chef ist kein Schönlein oder Andere, die mir mir [!] nach allen Richtungen hin mit der größten Liebenswürdigkeit entgegenkommen u. gerade dadurch meine Schaffenslust fördern. Ich bedarf bei einer Arbeit der geistigen Ruhe, befinde mich daher in der Lage, alle etwaigen Mittheilungen, welche nicht streng geschäftlicher Natur, als nicht an mich gerichtet zu betrachten. Da, wie Euer Wohlgeboren mir einst schrieben, die Buchausgabe als nicht lohnend bezeichnet wurde, so bin ich bereit, sie auf meine Kosten zu übernehmen.

In tiefster Erbitterung
Balduin Möllhausen

Für jedes in der Buchausgabe fehlende Wort mache ich Sie verantwortlich.
Ich habe diesen Brief noch einmal geöffnet. Ich zittere vor Entrüstung, nachdem ich die Stelle las: "Sie tragen den Vogel" - Woher kommt der Vogel? Da ist ja durch die nachgegangene Streichung Blödsinn geworden! [63] Solche Verstümmelungen, die jeden Sinn ausschließen, nenne ich frivol, weil sie mir schaden, unwürdig, weil sie eine Nichtachtung gewissenhafter teurer Arbeit in sich schließen. Es bleibt mit nur übrig, in allen mir zugänglichen Blättern an den Gerechtigkeitssinn der Leser zu apelliren.

[63]
recte: "Hier, trage den Vogel". VA Sp. 69. Diese Stelle ist in der Tat im VA unverständlich geworden. Zwei Seiten (BA 36/37), auf denen der Professor eine Eule ausnimmt und als Präparat bearbeitet, fielen weg.

67

25/9 [188]8

Herrn Bald. Möllhausen, Berlin

Geehrter Herr!

Es widerstrebt mir, einen Brief als empfangen zu betrachten, den Sie jedenfalls in einer Stimmung geschrieben haben, die zur [?] ...heit wenig geeignet. ich widerlege deshalb heute nur den Vorwurf, den Sie bezüglich der Streichungen erhoben und zwar mit Ihren eigenen Worten. Auf meinen Wunsch, Sie möchten redaktionelle Streichungen vornehmen erwiderten Sie: "Zu den Kürzungen in Ihrem Sinne gebe ich gern meine Zustimmung, aber möchte ich dann bitte, daß ein Anderer, der sich mit Ihnen jederzeit darüber verständigen kann, sie besorgte. Bei mir waltet die Gefahr, daß ich streiche, was Sie behalten möchten, u. gerade das Entbehrliche bestehen lasse."
Da Sie solcher Weise einerseits mit Kürzungen einverstanden waren, andererseits aber dieselben nicht selbst vorzunehmen geneigt waren, übertrug ich diese Aufgabe einem Herrn der Redaktion, der selbst belletristischer Schriftsteller ist und von dem ich voraussetzen mußte, daß er sie Sache in einer dem Interesse der Sache entsprechenden Weise durchführte, umso mehr, als sich derselbe einer akademischen Bildung u. eines akademischen Grades erfreut. Ich habe gerade diesen ... gewählt, weil Sie in ihrem Briefe schrieben, daß "ein Anderer" die Vereinfachungen vornehmen möge, sie also jedenfalls der Meinung waren, daß das vielleicht von mir in einer zu sehr der redaktionellen Geschäftspraxis entsprechende Weise geschehen würde.
"Ganz ... ... ...
Motivierung ... hatte von S.4
Uns nur von früher
Tausend Mark "..." ...
Ihrem Manuskript ...
... ... ...
... da ja bei ... solche Grundsätze wahrlich das Vernünftigste gewesen wäre, ...
...
...
...
Daß Sie sich von den Kürzungen getäuscht fühlen und darüber erregt sein können, kann ich verstehen, daß Sie mir aber in einer beleidigenden Weise schreiben, begreife ich nicht, da ich mir nicht bewußt bin ...
die persönliche
...
...
...
... ... getroffen zu haben.
Die anderen [?] Exemplare werden Ihnen vom Geschäft aus zugesendet werden und würden Ihnen auch ohne Ihr Mahnen zugesendet worden sein.
In der Regel beg... wir ... damit, zunächst 1 Exemplar und nach Vollendung des Drucks ...
Autor zu senden.
Daß im Buch keine der gestrichenen Stellen fehlen wird, darüber??? ... wir ... ... ...

Hochachtungsvoll
Ihr
ergebener
Kürschner

68

Herrn Bald. Möllhausen, Berlin 5/10 [188]8

Verehrter Herr!

Auf Ihrem Brief an Herrn Spemann ersehe ich, daß Sie sich über die Kürzungen in Ihrem Roman doch etwas beruhigt haben u. ich war von vornherein überzeugt, daß dies gar nicht anders sein könne, dann ich kann nur wiederholen, daß Sie in meinem ganzen Benehmen doch stets erkannt haben werden, daß ich Sie aufrichtig schätze und gewiß nichts weniger im Sinn hatte, als Sie zu kränken oder zu beleidigen. Was hätte auch der Grund sein sollen! Dann wäre es ja am einfachsten gewesen, Sie gar nicht um einen Beitrag zu bitten, da Sie sich wohl denken können, daß wir um Romane nicht verlegen sind, sondern viel mehr Angebote erhalten, als wir brauchen können.
Ich habe nun mit Herrn Spemann darüber gesprochen und wir sind übereingekommen, daß ich, um Ihnen Genugtuung zu geben, bei der nächsten Fortsetzung eine entsprechende Erklärung geben werde, daß der erste Theil redaktionellerseits im Interesse der Zeitschrift gekürzt, aber in der Buchausgabe vollständig wiederhergestellt werden wird. [64]
Lassen Sie mich hoffen, daß Ihnen damit gedient ist und daß die alten freundl. Beziehungen zwischen zwei Kollegen, die ja wirklich gar keinen Grund haben, sich feindlich gegenüberzustehen, wieder vergessen [!] sind.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr
sehr ergebener
Kürschner

[64]
Am Beginn der dritten Fortsetzung (Sp. 760, Jg. 1888/89 Vom Fels zum Meer) brachte die Redaktion folgende Notiz: "Mit Rücksicht auf den Verfasser des vorliegenden Romans machen wir unsere verehrten Leser darauf aufmerksam, daß in den beiden ersten Kapiteln redaktionelle Kürzungen vorgenommen wurden, um den Leser rascher in die Handlung einzuführen. Natürlich wird in der im gleichen Verlage wie diese Zeitschrift erscheinenden Buchausgabe das Gestrichene wieder hergestellt. D.R."

69

[Stempel] 19. Oct. 1888
Kleiststrasse 12

Herrn Professor Jos. Kürschner, Stuttgart.

Geehrter Herr Professor!

Ich habe eben die Korrekturen besorgt u. mich überzeugt, daß wiederum eine Sendung, wie die erste, nicht an mich gelangte, oder sonst Kapitel durch rohe Hand gestrichen wurden. Die Folgen werden Sie u. Herr Spemann z. s. Z. erleben. Sie wunderten sich über meinen ersten Brief, übersehen aber dabei, daß ich doppelt ins Gesicht geschlagen wurde, einmal durch die gewissenlosen Kürzungen, dann aber durch die heillose Verunstaltung der Romantreue. Sie sprechen in Ihrem 2ten gefäll. Schreiben von freundlichen Beziehungen. Nach den gemachten Erfahrungen müßte ich wirklich wenig Selbstachtung besitzen, wollte ich fernerhin noch an Beziehungen denken. Lieber würde ich ja meine Manuscripte verbrennen, als sie noch einmal einer Firma u. deren Beamten anzuvertrauen, die mit meiner teuren Arbeit verfahren, wie der Lumpensammler mit einem Ballen Hemden, aus welchem er nur die auswählt, die seinen Augen schmeicheln. Ein harter Vergleich, aber gerecht. Alle Leser meiner Erzählung rufe ich als Zeugen für dessen Richtigkeit auf.
Herr Spemann schrieb in sehr freundlicher Form an mich, ging aber mit Stillschweigen über die von mir angeregte Honorarfrage hinweg. Vielleicht glaubt er, daß ich die 3000 Mark u. darüber, welche ich nach Ihren Versprechungen erwarten müßte, leichter entbehren kann, als er. Über die Art der mich damals geradezu bestürzenden Honorarbestimmung lasse ich mich heute auch nicht näher aus. Ich halte für möglich, daß wie im Schönleinschen Verlag mir stets bis zu 7500 M. angezahlt wurden, welchen dann die nach Spalten berechnete Ausgleichung u. die Summe für die Buchausgabe im Betrage von mehr als 2500 M. folgte, ähnlich im Spemannschen Verlag verfahren wird. Verdenken aber kann mir selbst im günstigsten Falle Niemand, wenn ich nochmals erkläre, jede freundlich kollegialischen Beziehungen ablehnen zu müssen. Ich bin zu schwer mißhandelt worden u. möchte wirklich wissen, wie das Gesetz darüber unrtheilt.
Für die 6 mir in Aussicht gestellten Exemplare danke ich bestens, bitte aber nur um 3 statt dann 4. indem ich mein eigenes Exemplar fortgebe, um durch dessen Anblick nicht fortgesetzt an die größten Demüthigungen u. Herabsetzungen erinnert zu werden, welche ich je in meinem langen arbeitsreichen Leben ungestraft??? [65] über mich ergehen lassen mußte. Was würde mein vieljähriger Freund Brugsch [66] sagen, wenn ihm derartig mitgespielt würde?

Hochachtungsvoll
ergebenst
Balduin Möllhausen

[65]
Im Original sind die Fragezeichen über dem Wort angebracht.

[66]
Heinrich Brugsch 'Pascha' (1827-1894), Ägyptologe und Forschungsreisen-der, war mit Möllhausen befreundet und u.a. Taufpate dessen zweiten Sohnes (geb. u. gest. 1856).

70

20/10 [188]8

Herrn Bald. Möllhausen, Berlin

Sehr geehrter Herr!

Wenn ich Ihnen die nach Ihrem heutigen Briefe offenbar unangenehme Situation bereite, Sie noch einmal mit einem Schreiben von mir zu belästigen, so geschieht es lediglich deßhalb, um Sei nicht glauben zu machen, daß ich mit alledem was Sie sagen, einverstanden bin.
Ich habe Ihrer Erregung Rechnung getragen und mein Brief an Sie beweist aufs Klarste, daß es meine Absicht war, Ihnen in jeder Weise entgegenzukommen. Anstatt dafür wenigstens ein formell höfliches Wort zu finden, überhäufen Sie mich mit neuen Vorwürfen, die, wie ich ganz bestimmt zum Ausdruck bringe, unberechtigt sind. Sie haben selbst in Ihrem Briefe mir geschrieben, daß die Kritik behauptet habe, Ihre Schilderungen seien zu breit. Sie sind ferner mit Streichungen einverstanden gewesen, haben aber ausdrücklich abgelehnt, die Arbeit selbst zu übernehmen, die, wie Sie wußten, für die Annahme unerläßlich war und haben sehr gewünscht, daß ein Anderer sie ausführen solle. Dies ist geschehen; wie sie sagen nicht zu Ihrer Zufriedenheit, das mag subjektiv und objektiv seine Richtigkeit haben, aber einen Grund, die gröbsten Vergleiche deßwegen zu machen bietet es nicht, um so weniger, als die Streichungen nur in dem kleinsten Teil des Romans vorgenommen worden sind. War Ihnen jedes Wort in Ihrer Arbeit so heilig, wie es nach Ihrem heutigen Briefe der Fall zu sein scheint, war es doch das Einfachste, Sie lehnten mein Anerbieten bezüglich der Streichungen ab, dann wäre uns beiden dieser unerquickliche und widerwärtige Streit erspart geblieben. Daß ich nicht zum Voraus diese Peinlichkeit gegenüber der Arbeit für den Zeitungs-Abdruck voraussetzen konnte, beweist wohl am besten, daß Sie selbst eine Verlegung des Schauplatzes diskutierbar fanden.
Unverständlich im wahrsten Sinne des Wortes ist mir der Eingang Ihres Briefes, worin Sie behaupten, die Korrekturen besorgt zu haben und doch, daß wiederum eine Sendung wie die erste nicht an Sie gelangt sei. Ich verstehe das absolut nicht, denn entweder haben Sie die Korrektur besorgen können, dann müssen Sie auch die Korrektur erhalten haben, oder sie haben sie nicht erhalten, dann konnten Sie dieselbe doch auch nicht besorgen. Die Korrekturen werden regelmäßig, sobald sie aus der Druckerei kommen, an die betreffenden Autoren gesandt und ich wüßte wahrlich nicht, warum bei Ihnen eine Ausnahme gemacht werden sollte.
Von Ihrer Berührung der Honorarfrage in Spemanns Brief weiß ich gar nichts, da mir Spemann wol blos gesprächsweise von Ihrer Entrüstung über Ihren Roman erzählt hat. Ich werde ihn aber sofort am Montag ersuchen, das Geld an sie abzusenden. Wenn Sie ihrem langjährigen Freund Brugsch die Angelegenheit erzählen wollen, so kann mir das nur recht sein. Aus dem Verkehr, den ich mit Brugsch gepflegt habe, glaube ich entnehmen zu können, daß er, er mag über die Streichungen denken, wie er will, mit mir immer darin einig sein wird, daß wenn Sie sich keinen Streichungen aussetzen wollten, sie nicht ausdrücklich die Erlaubnis zu solchen geben mußten. Sie haben irgendwelche Bedingungen an die Art und Weise, wie die Streichung vorgenommen werden soll überhaupt nicht geknüpft und es ist mir deßhalb ganz unverständlich, daß Sie nicht selbst einsehen, daß Ihrer Klage, wenn auch nicht vielleicht die kritische, so doch die sachliche Berechtigung absolut fehlt.
Ich habe mich stets aufrichtig gefreut, wenn es mir vergönnt war, etwas von Ihnen in "Vom Fels zum Meer" zu bringen und ich beklage, daß Sie das für alle Zukunft verneinen, aber es wäre unehrenhaft gegen die Zeitschrift, welche ich vertrete, wenn ich Ihnen nicht auch ganz offen sagen wollte, daß die ewigen Vergleiche mit Schönlein denn doch nicht am Platze sind, da Schönlein selbst der letzte gewesen wäre, der geleugnet haben würde, daß seine Zeitschrift für ein unvergleichlich tiefer stehendes Publikum berechnet war, als es unsere Zeitschrift notorisch findet und somit, das was Gefälligkeit von Ihrer Seite für uns war, zum Nutzen von unserer Seite für Sie wurde. Zudem gibt es wohl kaum eine Zeitschrift, bei der eingestandenermaßen die redaktionellen Zurechtmachungen (Streichungen wäre schlicht [?] Beschönigung) so an der Tagesordnung sind als bei der Schönleinschen, die sogar externe Mitarbeiter damit beauftragte, fremde Romane zu bearbeiten, wie ich aus dem Mund des Bearbeitenden selbst weiß. Gerade also Ihre Neigung für die Schönleinschen Blätter, mußte mich im Verein mit Ihrer Geneigtheit, Striche vornehmen zu lassen darin bestärken, daß Ihnen ein solches Verfahren nichts Neues sei.

Mit vollkommener Hochachtung
Ihr
sehr ergebener
Kürschner

71

23/10 [188]8

Herrn B. Möllhausen, Berlin

[ohne Anrede]

Eben erhalte ich die Korrekturen, die Sie zurückgeschickt haben. Ich muß Sie aber nachdrücklichst ersuchen, künftighin alle Bemerkungen wie die auf der ersten Fahne weg zu lassen, da ich durchaus nicht gewillt bin, mich Ihren Beleidigungen auszusetzen. Sie scheinen offenbar gar nicht zu wissen, daß der Ausdruck "frivoles Spiel" eine schwere Beleidigung involviert, für die ich Sühne zu fordern alle Ursache hätte.
Bis zu welchem Grad Ihre Aufregung Sie verblendet, beweist mir die Bemerkung auf Fahne 5, wo sie schreiben: "Hier fehlt etwas, bitte nachzusehen und zu berichtigen." An der betreffenden Stelle fehlt auch nicht Ein Wort u. es ist charakteristisch für die Behandlung der ganzen Sache, daß Sie ohne Weiteres einen Vorwurf von sich geben, ohne zu erwägen, was Sie sagen, und so wenig selbst mehr mit Ihrer Arbeit vertraut sind, daß Sie an Stellen geistreiche Gedanken voraussetzen, wo solche niemals vorhanden gewesen sind.
Ich habe übrigens nunmehr das ganze Manuskript sorgfältig durchsehen lassen und es hat sich dabei ergeben, daß Striche überhaupt nur bis zum Schluß der 2ten Kapitels Sei.[te] 50 gemacht worden sind, was am Besten beweist, wie sehr ich mich an das gegebene Versprechen gehalten habe, nur am Eingang Striche vornehmen zu lassen um den Leser nicht durch weitschweifige Schilderungen zu ermüden, sondern ohne Weiteres in die Handlung einzuführen.

Ergebenst
Kürschner

72

24/10 [188]8

Herrn Bald. Möllhausen, Berlin

[ohne Anrede]

wie in meinem Schreiben versprochen, habe ich am Montag Spemann von Ihrer energischen Mahnung wegen des Honorars Kenntniß gegeben. Derselbe entsann sich der Sache, da sie schon lange her ist, nicht mehr. Er teilt mir nun heute auf meine Frage mit, daß ihm der Kassier die Quittung Ihres Bankhauses Mendelssohn vorgelegt habe, aus der ersichtlich ist, daß Sie bereits im vorigen Herbst das volle Honorar M 5000 erhalten haben. Diese Thatsache zusammengehalten mit den harten und schweren Vorwürfen Ihres Briefes und vereint mit der Thatsache, daß Sie in Ihrer Fahne eine Stelle anmahnten, die in derselben überhaupt nicht enthalten ist, ist jedenfalls für die Beurteilung der ganzen lediglich durch Sie heraufbeschworenen Angelegenheit von charakteristischem Interesse.
Ich mache Ihnen diese Mitteilung blos, weil ich Ihnen versprochen habe, die Sache in Ordnung zu bringen.

Ergebenst
Kürschner

73

24. Febr. [189]6 Herrn Balduin Möllhausen Berlin W.
Nettelbeckstr. 24

Verehrter Herr College!

Seit längerer Zeit bin ich demit beschäftigt einige moderne [?] litterarische Unternehmen ins Leben zu rufen, die bestimmt sind, wirklich gute litterarische Arbeiten den weitesten Kreisen des besonderen [?] Publikums zugänglich zu machen, um so nicht nur zur Popularisierung der litterarischen Erzeugnisse selbst, sondern auch zur Verallgemeinerung litterarischer Vorgänge zu beizutragen.
Ich bin heute noch nicht in der Lage, mich ausführlich über die G ... ung selbst zu äußern, aber ich hoffe, daß doch Ihre und meine litterarische Vergangenheit und die angenehmen Beziehungen, die uns schon früher verbunden haben, auch Ihnen genug Vertrauen einflößen, um Sie meiner Bitte geneigt zu machen, mich durch Ihre Mitarbeit an meinem Vorhaben zu unterstützen. Ich würde Ihnen sehr dankbar sein für Zusendung kurzer Novellen (etwa im Umfang von 250 - 300 Zeilen a 10 -12 Worte) und namentlich solche von dramatischer Entwicklung mit wirkungsvollem Abschluß. Aber auch andere nicht novellistische Beiträge wären mir willkommen, die jedoch 250 Zeilen nicht überschreiten sollten, Vielleicht ist es Ihnen am bequemsten, mir einige Vorschläge zu machen, über die ich mich schnellstens äußern würde.
Wollten Sie Ihrer gütigen Antwort eine Mitteilung darüber beifügen, ob und welche bereits in Zeitschriften erschienenen vorzugsweise vierbändigen Romane oder mehrere zu einem Bande zu vereinigende schon erschienene Novellen aus Ihrer Feder Sie mir für eine Buschausgabe zur Verfügung stellen können, so würden Sie mich dadurch ganz besonders verbinden.
Indem ich Sie schließlich bitte, diese Zeilen als vertraulich zu betrachten, zeichne ich mit dem Ausdruck

vorzüglicher Hochachtung
Ihr collegialisch
ergebener
[Kürschner]

74

Berlin 25.2.96
[Stempel] Eingang 27. Feb. 96
Erledigt E/B 29.II.96.

Herrn Geh. Hofrath, Professor Joseph Kürscher [!]
Hohenhainstein.

Sehr geehrter Herr Professor!

Bei mir liegt ein Vorrath größerer u. kleinerer Novellen vom Umfang von ungefähr 9 Bänden, im Alter von 10-16 Jahren. Bisher nahm ich mir nicht die Ruhe, sie bandweise zu ordnen. Es sollte eine Arbeit für meine letzten Tage sein. Es käme indessen auf die Bedingungen an, damit umzugehen, um Ihrem Wunsch entgegenzukommen.

Mich hochachtungsvoll empfehlend
Ihr
sehr ergebener
Balduin Möllhausen

75

29.II.[189]6

Herrn Balduin Möllhausen Berlin W.
Augsburgerstr.

Sehr geehrter Herr!

Verbindlichsten Dank für Ihre freundliche Zusage, mir etwas für den Bücherschatz senden zu wollen. Vielleicht haben Sie die Güte und schicken mir das, was Sie für besonders geeignet halten, damit ich selbst sehe, ob es für das, was ich zu bringen beabsichtige, paßt. Ich hoffe, daß wir über die Honorarfrage aus ... ... Darf ich ... ... ... nicht abgerufene kleinere Novellen für den ersten Abdruck nehmen?
Indem ich Ihnen im Voraus verbindlichst danke, zeichne ich mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung

Ihr ergebener
Kürschner

76

9. Juli [189]6

Herrn Balduin Möllhausen Berlin
W., Augsburgerstr. 22

Sehr geehrter Herr!

Nachdem die Universal-Redaktion erschienen ist, sollten Sie mich wirklich nicht länger warten lassen, sondern mir die Freude machen, mir recht bald eine kleine, probande Novellette von 300-350 Zeilen zu senden.

Mit vorzügl. Hochachtung
Ihr ergebener Kürschner

77

Warmbrunn 17.7.96 Eisenach

Eingang 18. Jul. 96 No
[Stempel]

Herrn Professor Joseph Kürschner.

Sehr geehrter Herr Professor!

Ich habe in diesem Winter nur eine recht große Novelle geschrieben, die z. Z. im "Buch für Alle" [67] erscheint. Die übrige Zeit verwendete ich ausschließlich auf die Zusammenstellung der "Dreilinden Lieder" [68] u. des Entwurfes der Illustrationen, [69] so daß ich für nichts Anderes Sinn noch Zeit hatte. Sie erscheinen bei Mittler & Sohn, u. werden Sie Anfang Sept. noch davon hören. An eine neue Arbeit ist also vorläufig nicht zu denken, u. bereits Gedrucktes möchte ich Ihnen nicht anbieten, obwohl Manches durch das Alter so gut wie neu geworden ist.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr
ergebener
Balduin Möllhausen

Vom 23ten des Monats bin ich wieder in Berlin.

[67]
St. Elmsfeuer. Erzählung. In: Das Buch für Alle. Stuttgart: Union. 31. Jg. (1896) S. 602ff.

[68]
Die Dreilinden-Lieder. Berlin: Mittler u. Sohn 1896.

[69]
Die Dreilinden-Lieder sind illustriert u.a. mit elf eigen-händigen Zeichnungen Möllhausens.

78

18/VII [189]6

Herrn Balduin Möllhausen, z. Z. Warmbrunn

Sehr geehrter Herr!

Verbindlichsten Dank für Ihre gütige Zuschrift vom 17. d. M. Ich bedaure außerordentlich, nichts für meine Universal-Redaktion von Ihnen erhalten zu können, da ich unter allen Umständen nur Originale verwenden kann. Wäre es aber nicht möglich, bereits Gedrucktes für meinen Bücherschatz zu richten? Ich glaube, Ihnen schon mitgetheilt zu haben, daß ich für denselben Romane oder große Novellen, um Umfang von 500 Seiten brauchen kann, die möglichst spannend und wirkungsvoll sind ... ... wie sie bekanntlich allen Ihren Arbeiten zu Grunde liegen. Im Voraus verbindlichen Dank, mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr
ergebener
Kürschner

79

Berlin 24.7.96 Eisenach
Eingang 25 Jul. 96 No
[Stempel]

Herrn Geh. Hofrath Prof. Kürschner,
Hohenhainstain

Sehr geehrter Herr Professor!

Sobald ich etwas Luft habe, will [ich] unter dem Haufen gedruckter MSte nach dem Gewünschten Umschau halten. Ein druckfertiger 2bändiger Roman, der noch jungfräulich u. an Spannung nichts zu wünschen übrig läßt, wäre doch wohl nicht für Sie verwendbar?

Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr
ergebener
Balduin Möllhausen

80

26. Juli [189]6

Herrn Balduin Möllhausen Berlin W.,
Augsburgerstraße 22

Sehr geehrter Herr!

Verbindlichen Dank für Ihre gütige Zuschrift. Für einen zweibändigen Roman würde ich keine Verwendung haben, da ich mit meinem Verleger dahin überein gekommen bin, vorläufig einbändige Werke zu drucken, weil für diese ein größeres Absatzgebiet vorhanden ist. Dürfte ich nicht vielleicht doch bald einmal auf eine kleine Erzählung für meine Universal-Redaktion im Umfang von etwa 200 Zeilen rechnen? Es wird mich außerordentlich freuen, etwas Derartiges von Ihnen zu erhalten und wiederhole [ich] meine schon früher geäußerte Bitte auf das angelegentlichste.

Mit vorzügl. Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

81

11.?/11.[189]7

Herrn Balduin Möllhausen
BerlinW., Augsburgerstr. 22

Hochgeehrter Herr Kollege!

Trotzdem mir von der Verlagsfirma Greiner u. Co., [70] von der ich Ihren Roman "Der Corpsbursche" [71] erworben habe, gesagt wird, daß weitere Versuche, eine von Ihnen selbst verfaßte Biographie zu erlangen, absolut aussichtslos seien, wage ich es doch im Andenken an die früheren guten Beziehungen, die zwischen uns bestanden haben, Sie mit Gegenwärtigem nochmals so höflich als ergebenst um Abfassung einer solchen zu bitten. Es ist mir eine ganz besondere Ehre, auch von Ihnen, sehr geehrter Herr Kollege, etwas in meinem Bücherschatz bringen zu können, und darf ich mich wohl daher der angenehmen Hoffnung hingeben, eine Fehlbitte bei Ihnen nicht gethan zu haben. Indem ich mit noch darauf hinzuweisen gestatte, daß ausgezeichnete Autoren, wie Gottschall, [72] von Perfall [73] u. a. sich gern haben bereit finden lassen, in meinem Bücherschatz ihren Werken eine selbstverfaßte Biographie voran zu setzen, gebe ich mich dem innigsten Wunsche hin, Sie recht bald wieder von der Krankheit genesen zu sehen und zeichne ich mit vorzüglichster Hochachtung und kollegialer Werthschätzung

Ihr
ganz ergebener
Kürschner

Anlage
1 Probe-Biographie

[70]
Inhaber der Firma Greiner u. Comp., Berlin W, Potsdamer Str. 39, war Hugo Wolff (1865- ). Hier erschien die "Feuil-leton-Zeitung", eine belletristische Korrespondenz, die Zeitungs-redaktionen Feuilletons "vornehmsten Genres" anbot. Kürschner's Deutscher Litteratur-Kalender 1897, Sp. 1582.

[71]
Der alte Corpsbursche. Eine Erzählung. Mährisch-Ostrau: Helbling 1890 (Erstdruck?).- Kürschner's Bücherschatz Nr. 77 (1898).

[72]
Rudolf von Gottschall (1823- ), Schriftsteller, Kritiker, Literarhistoriker. Vgl. Schulröschen (Kürschner's Bücher-schatz Nr. 4), Der steinerne Gast (Nr. 62), Das verzauberte Schloß (Nr. 111).

[73]
Anton von Perfall (1853- ), Romanschriftsteller. Vgl. Die Tragödin (Kürschner's Bücherschatz Nr. 3), Das Glück von Tennexton (Nr. 71).

82

Balduin Möllhausen Eisenach Berlin W. 13.11.97
Eingang 14 Nov. 97
Augsburger-Str. 22
[Stempel]

Herrn Geheimer Hofrath J. Kürschner.

Hochgeehrter Herr Kollege! [74]

Greiner verlangte von mir die umfangreiche Kürzung des "Corpsburschen". Ich schlug es ihm ab. Ihn jetzt noch einmal zu auswerthen, nachdem ich ihm die erste Nutznießung gegen Honorar gestattete, ist er sicher nicht berechtigt; es sei denn, er hätte sich mit mir darüber abzufinden. Habe ich ihm doch nicht die Erzählung ein für alle Male verkauft. Ich werde mich daher wohl dazu entschließen, ihn mir Rechenschaft ziehen zu lassen. Es giebt eine Grenze, über welche die erste freigegebene Benutzung nicht hinaus weist. Ich glaube 2 Jahre. Wenn Sie nur die Güte haben wollten, zur Biographie mir noch Zeit zu lassen. Im Sommer zum erstenmal in Warmbrunn schon erkrankt, u. mich langsam erholend, bin ich mit meinen Arbeiten in Rückstand gerathen. Namentlich bin ich jetzt mit einem Werk beschäftigt, welches mir keine Stunde Zersplitterung erlaubt. Mein Säumniß ist also keine Narretei [?]. Später werde ich Ihrer gefälligen Aufforderung Folge leisten. Von einem dreiundsiebzigjährigen kann man überhaupt nicht erwarten, daß er noch die Kraft entwickelt, durch die Sie sich so rühmlich auszeichnen. Mit vorzüglicher Hochachtung habe ich die Ehre, mich zu empfehlen als

Ihr
sehr ergebener
Balduin Möllhausen

[74]
Zwischen Briefkopf und Anrede befindet sich auf diesem Brief folgende Notiz: "Ob er uns nicht selbst Etwas anbieten könnte. Greiner diesbzg. schreiben".

83

15.11.[189]7

Herrn Balduin Möllhausen Berlin W.

Hochgeschätzter Herr Kollege!

Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen meinen verbindlichsten Dank für Ihre geschätzte Zuschrift vom 13. d. M. sage. Es hat mich aufrichtig gefreut, aus derselben entnehmen zu können, daß es sich mit Ihrer Gesundheit wieder zum Besseren wendet. Ich hoffe recht bald von Ihnen die Nachricht zu erhalten, daß [Sie mich im] Auge behalten wollen. Indem ich Ihnen wiederholt meinen verbindlichsten Dank ausspreche für Ihre freundliche Zuschrift, gebe ich gleichzeitig nochmals der Hoffnung Ausdruck, daß es Ihnen bald besser gehen möge und zeichne mit bekannter Hochachtung als

Ihr
ergebener
Kürschner

84

28.Decbr. [189]7
Herrn Balduin Möllhausen Berlin W.

Sehr geehrter Herr College! Wenn ich mir im Anschluß an Ihre geschätzte Zuschrift vom 13. v. M. heute nochmals die Bitte um Ihr Bild und Ihre Autobiographie auszusprechen erlaube, so bitte ich meine Freiheit gütigst damit entschuldigen zu wollen, daß mir mein Drucker tagtäglich in den Ohren liegt, er könne nicht weiter machen und sogar droht, er wolle meine Arbeit liegen lassen und andere beginnen. In meiner Bedrängniß bleibt mir nichts anderes übrig, als Sie, Hochverehrter Herr, nochmals zu bitten, mir doch bald gefälligst die gesammten Hüte??? Zukommen lassen zu wollen. Gerne gebe ich mir der angenehmen Hoffnung hin, daß die Sie vor 6 Wochen abhaltende Arbeit inzwischen beendet wurde, ich Ihnen mit meiner Bitte also nicht zu sehr ungelegen kommen.
Zum bevorstehenden Jahreswechsel sende ich Ihnen die besten Glückwünsche und verbleibe

mit vorzüglicher Hochachtung
Kürschner

[Zusatz Kürschners:] Meinen ... mit der Exp. v. Greiner & Comp. Ist ... ... Ihre Hände gekommen. G. sandte ...

85

Herrn Balduin Möllhausen 31.12[189]7 Berlin W.
Augsburgerstr. 22

Hochgeehrter Herr College!

Allerverbindlichsten Dank für Ihre Liebenswürdigkeit, mit der Sie meine Bitte gewährt haben; leid thut mir nur, daß ich Ihnen eine Mühe verursachen mußte. Ihre Photographie gebe ich Ihnen beigeschlossen dankend zurück, ich möchte sie nicht berauben und begnüge mich mit dem Holzschnitte. Zum bevorstehenden Anfange des neuen Jahres statte ich Ihnen meine allerbesten Glückwünsche ab und verbleibe

in vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
Kürschner

Anlage: 1 Photographie

86

[Stempel] 29.1.98
Eingang 30. Jan 98
Erled. 31.1.98
[Stempel]

Herrn Geh. Hofrath Prof. Joseph Kürschner,
Hohenhainstein

Sehr geehrter Herr Professor!

Mit dem Ordnen meines literarischen Nachlasses beschäftigt, stellt sich heraus, daß meine seit fünfundzwanzig Jahren angesammelten bereits in Zeitschriften u. Kalendern erschienenen großen u. kleinen Novellen die stattliche Zahl von 50 u. mehr erreichten. Ich stellte sie in 12 Bände zusammen, zu je 350-60 Druckseiten. Ich habe mich daher zu dem Versuch entschlossen, sie in Buchform erscheinen zu lassen - vielleicht zwei oder drei Bände im Jahr - u. sie zu solchem Zweck sicheren Händen anzuvertrauen, um auch nach meinem Ende - mit 73 Jahren hören lange Vorausberechnungen auf - die Ausführung meines Planes zu ermöglichen. Dies vorausgeschickt, erlaube ich mir die ergebene Anfrage, ob Sie geneigt sind, mit Ihrem Rath mich gütigst zu unterstützen. Außerdem sind jüngst druckfertig geworden 2 neue zweibändige Romane [75] (ich glaube, die Bände 164-68) deren einer bereits vergeben ist, wogegen der andere noch verfügbar. In der Hoffnung einer gefälligen Rückäußerung, habe ich die Ehre mich zu empfehlen als

Ihr
Hochachtungsvoll ergebener
Kollege Balduin Möllhausen

[75]
"Der Vaquero" (VA: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Jg. 1899) und "Die Herrin von Thorneck" (unveröffentl.).

87

29.I. [189]8 [recte:31.1.98]
Herrn Balduin Möllhausen Berlin W.
Augsburgerstr. 22

Verehrter Herr!

Empfangen Sie zunächst vielen Dank für das Vertrauen, das Sie mir durch Ihren Brief erweisen. Ich werde sicher mit Vergnügen Ihnen mit Rat soweit an die Hand gehen, als mir das nur irgend möglich ist. Dazu ist aber nötig, daß ich ein richtiges Verzeichnis der fraglichen Werke erhalte, mit den Angaben, wo sie erschienen sind, welchen Umfang sie haben und welches Honorar Sie beanspruchen müssen.
Sobald ich diese Unterlagen habe, glaube ich wohl in der Lage zu sein, Ihnen nützen zu können.
Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung begrüße ich Sie als

Ihr
ergebener
Kürschner

88

[Stempel] 6.2.98
Herrn Geh. Hofrath Prof. Joseph Kürschner,
Hohenhainstein
Eingang 10.Feb 98
Erledigt 3. Mai 1898
[Stempel]

Sehr geehrter Herr Professor!

Ihrer gefälligen Aufforderung nachkommend, beehre ich mich, anliegend die Liste der Novellen zu überreichen. Viel Wolle wird sich in der Jetztzeit wohl nicht damit spinnen lassen, allein das fällt nicht in's Gewicht, wenn ich die Arbeiten, die zum größten Theil auf eine frühere Zeitperiode entfallen, vor dem gänzlichen Versinken in Vergessenheit bewahre. Wird die Veröffentlichung auf 4, 5 Jahre vertheilt, so sind die in die letzten Bände aufgenommenen Erzählungen ebenfalls nicht mehr neu. Für den zweibändigen Roman werden Sie schwerlich Verwendung haben; der verkauft sich indessen leicht.
Mit dem verbindlichsten Dank, mein hochgeehrter Herr Professor, für Ihr liebenswürdiges Entgegenkommen, habe ich die Ehre, Sie kollegialisch zu begrüßen als

Ihr
Hochachtungsvoll ergebener
Balduin Möllhausen

89

Herrn Geh. Hofrath
Professor Joseph Kürschner
Hohenhainstein üb Eisenach
[Postkarte]

Berlin W. 5.3.98
[Stempel]
Eisenach 6.3.98
[Stempel]

Sehr geehrter Herr Professor! Gestern sind mir, ich glaube 50 Exemplare des "Korpsburschen" zugegangen. Es waltet wohl ein Irrthum. Ich bitte um freundliche Anweisung, was damit zu beginnen. Ich bin entsetzt über meine biographischen Notizen. Das konnte ich nicht ahnen, oder ich hätte mich einer leserlicheren Schrift befleißigt u. auf den Stil geachtet.

Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr
sehr ergebener
Balduin Möllhausen

90

7. III. [189]8
Herrn Balduin Möllhausen Berlin W.

Sehr geehrter Herr!

Die 50 Freiexemplare sind zu Ihrer eigenen Verwendung,, machen Sie damit glücklich, wen Sie vollen. Die Biographie war allerdings nur für diesen Zweck bestimmt und ist eine solche von sämtlichen Autoren, die bisher im Bücherschatz erschienen sind, in den betreffenden Bänden gedruckt worden. Ich bitte nur nachzulesen, was in meinem Briefe vom 11. Novbr. v. Jhs steht.

Mit vorzüglicher Hochachtung
ergebenst
Kürschner

91

3. Mai [189]8
Herrn Balduin Möllhausen, Berlin W.

Sehr geehrter Herr!

Sie hatten die Güte, mich mit Ihrem Vertrauen betreffs Ihrer gesammelten Novellen zu beehren. Ich habe nun hier und da herumgehört, aber leider ist meine Bemühung für die Sache vergeblich gewesen und es bleibt mir somit nichts weiter übrig, als Ihnen in der Anlage das Inhaltsverzeichnis wieder zurückzugeben. Ich möchte Ihnen ev. Anraten einmal an Herrn Verlagsbuchhändler Reinhold Schwarz Berlin O. Koppenstr. 96 zu schreiben, der eine große Reisebuchhandlung besitzt und gerade für diese Sache ganz der geeignete Mann wäre. Es sollte mich freuen, wenn dieser Hinweis doch noch zu einem Resulthate führte.

Mit vorzüglicher Hochachtung
ergebener!
Kürschner

Anlage Inhaltsverzeichnis.





Literaturverzeichnis

Balzer, Rudolf Wilhelm: Aus den Anfängen schriftstellerischer Interessenverbände. Joseph Kürschner: Autor, Funktionär, Verleger. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens 16 (1976) Sp. 1457-1648.

Barba, Preston Albert: Balduin Möllhausen, The German Cooper. University of Pennsylvania 1914 (Americana Germanica 17).

Barth, Dieter: Das Familienblatt - ein Phänomen der Unterhal-tungspresse des 19. Jahrhunderts. Beispiele zur Gründungs- und Verlagsgeschichte. In: AGB 15 (1975) Sp. 121-316.

Bartsch, Ekkehard: 'Und Friede auf Erden!' Entstehung und Geschichte. In: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1972/73, S. 93-122.

Becker, Eva D.: 'Zeitungen sind doch das Beste.' Bürgerliche Realisten und der Vorabdruck ihrer Werke in der periodischen Presse. In: Helmut Kreuzer (Hrsg.): Gestaltungsgeschichte und Gesellschaftsgeschichte. Literatur-, Kunst- und Musikwis-senschaftliche Studien (Fritz Martini zum 60. Geburtstag) Stuttgart: Metzler 1970, S. 382-408.

Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten des 19. Jahrhunderts. 1. Auflage. Leipzig: Reclam o.J. (1885).

Costenoble, Hermann: Zwei Berichtigungen auf einmal. In: Deutsche Schriftsteller-Zeitung 1. Jg. (1885) Nr. 23, Sp. 549-551.

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Dinkelacker, Horst: Amerika zwischen Traum und Dessillusionierung im Leben und Werk des Erfolgsschriftstellers Balduin Möllhausen (1825-1905) Frankfurt a. M.: Lang 1990 (American University Studies, Series I, Vol. 86).

Effler, Günter: Theodor Fontanes Briefwechsel mit Joseph Kürschner. In: Fontane-Blätter 51 (1991) S. 16-27.

Ehekircher, Wolfgang: Westermanns illustrierte deutsche Monat-shefte. Ihre Geschichte und ihre Stellung in der Literatur der Zeit. Ein Beitrag zur Zeitschriftenkunde. Braunschweig: Wester-mann 1952 (Diss. München 1950).

Engel, Eduard: Collection Spemann. In: Das Magazin für die Literatur des In- und Auslandes, 50. Jg. (1881) Bd. 99, Nr. 17, S. 266.

Fischer-Sallstein, Konrad: Von den Freuden des Buchverlags [über Costenoble]. In: Deutsche Schriftsteller-Zeitung 1. Jg. (1885) Nr. 15, Sp. 351-353.

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