BALDUIN MÖLLHAUSEN:
Die von BARBA veröffentlichten Briefe

Die Vorlagen wurden mir von Dr.Andreas Graf zur Verfügung gestellt, wofür ich mich herzlich bedanke.

Einige Briefe wurden von Barba zeitlich falsch eingeordnet.
Hier erscheinen die Briefe in der richtigen Reihenfolge.
Die von Barba verwendeten Nummern stehen in spitzer Klammer.

Fragezeichen in runder Klammer und die den Briefen vorangestellten Bemerkungen (meist in eckigen Klammern) stammen von Barba.
Eigene Anmerkungen sind immer in blauer Farbe eingefügt.

[ These letters, the originals of which are in the posession of Frau Möllhausen, afford a running commentary on certain periods of the novelist`s life. The hitherto unpublished of Alexander von Humboldt and Duke Paul Wilhelm of Würtemberg are of special interest.]

März 1850 <1>

[From Möllhausen`s guardian, Count Krassow to Möllhausen, after the latter`s departure for America for the first time.]

Es thut mir ausserordentlich leid, mein lieber Hr.Möllhausen, dass ich Sie nicht mehr gesprochen habe; dies würde mir zur grössten Freude gereicht haben; empfangen Sie nun schriftlich nochmals meinen herzlichsten Glück- und Segenswunsch auf den neuen Lebens-Pfad, den Sie betreten. Wegen des Auswandrungs-Konsenses werde ich noch heute an den Reg.-Präsidenten von Wedell in Stralsund schreiben, und ihn dringend um möglichste Beschleunigung der Sache bitten.
        Gott sei mit Ihnen, und geleite Sie! Mit herzlicher Theilnahme werde ich Ihrem Schicksal folgen und Ihnen stets bleiben,

    Ihr ergebener
    Graf Krassow.
    Diritz (Divitz), d. 8. März 185 .

März 1852 <2>

[From the Duke of Würtemberg to Möllhausen.]

New Orleans, den 10ten Maerz 1852.
Mein lieber Herr Moellhausen!

Mit innigster Freude las ich Ihr Schreiben von Bethlehem und in demselben Ihre glückliche Rettung. An mir lag es bestimmt nicht daß die von mir in Bewegung gesetzte Hülfe nicht an Sie gelangte, aber der entsetzliche Winter dessen Strenge bis hier in den Süden sich drängte, machte wahrscheinlich alle Versuche misslingen und Buisbora von Putowatomi County konnte das mir zugesicherte Wort Wohl nicht erfüllen? Als ich Ihren Bericht las schauderte es mich, doch hob sich die Seelenangst in der ich seither lebte und welche sich von Tag zu Tag mehr steigerte, als ich zu den Fleischtagen (-töpfen ?) Egyptens, nach mühevoller Reise gelangt, nichts mehr von Ihnen hörte und Sie verloren wähnte. Nun sehen Sie Gott hat Sie auch gerettet und wird an Ihnen einen Gläubigen mehr zählen!? Herr Consul Angelrodt schreibt mir Ihretwegen auf das Theilnahmvollste und dieser mein würdiger Freund wird meine Bitte erfüllen für Ihre schnelle Rückkehr nach St.Louis baldigst zu sorgen und Ihnen das nöthige Geld anzuweisen. Ich glaube selbst dass Sie Wagen und Pferdegeschirre verkaufen sollten. Die Otoes (Orac-toc-ta-ta) die ich genau kenne haben auch mir gute Dienste früher geleistet, es sind keine solchen Bestien (Schun Kape früherer Chef der Otoes war mein Freund) wie Lipon und Kayouas, die inzwischen tüchtig Amerikaner tod schlugen. In allen Blättern war mein Tod angezeigt und in Deutschland wußte man es nicht anders. Vors Erste weiß ich keinen anderen Platz, als bei mir, der ich Sie mit herzlicher Sehnsucht erwarte, nachdem ich mein Versprechen treulich erfüllt habe, daß es Ihnen recht miserabel gehen würde und Sie nicht als Grüner zurückkehren würden. Jetzt werden Sie des Robinsons Abentheuer mit Andacht lesen können. Es ist mir sehr lieb dass Sie die Arsenik gerettet haben und wünsche mir dass Sie solche in Ausbälgen (Aas- ?) leeren möchten. Ich freue mich sehr Sie in den Illinois (?) wohin ich in 8-1  Tagen über St.Louis heimkehre wieder zu sehen und erwarte mit Spannung Ihre Ankunft durch den nächsten Missouri Steamer.

    Herzlichst der Ihrige
    Paul Wilhelm
    Herzog von Württemberg.

    Hier ist voller Sommer.

    Adressed: Balduin Möllhausen,
    Bethlehem,
    Ufer Missouri.

April 1853 <4>

[A letter of recommendation which Möllhausen received from Humboldt on the former`s second journey to America.]

I beg everyone in America, and most particularly ereyone in the beautiful and fertile regions of the United States, who may have preserved some recollections of my name and labors, to receive, with kindness, the bearer of these lines, my countryman Mr.Balduin Möllhausen, in whose fate I take a lively and warm interest. After having served in the army with great distinction and to the entire satisfaction of his superiors, he undertakes a second voyage in the Northwestern States and their adjoinig territories which he has already traversed with laborious care. Instructed by the intimate relations which he enjoys with the learned naturalists of my country, acquainted with the deficiencies of the Museums, by his intelligent zeal and his courageous and enduring activity, he will be very useful as a Collector for the natural history of savage animals and the study of minerals and rocks. A very remarkable talent for drawing, as applied to picturesque sites and scenes of Indian life, will add to the fruits of his distant voyages.
        Mr.Möllhausen, belonging to a honorable family of Pomerania, is of a moral character worthy of entire confidence. By his conduct and modest simplicity, he has won here, in a short time, the affection of my friends.

    Bn. Alexander v. Humboldt.
    Berlin, 16th of April, 1853.

April 1853 <6>

[ From Humboldt to Möllhausen. ]

Ich glaube, mein lieber M-, dass es Sie erfreuen muss, dass der König, seitdem er nicht bloss durch mich Ihre so naturgetreu aufgefassten Zeichnungen of Indian life, sondern auch Sie selbst hier im Schlosse gesehen hat, mir mehrmals freundlichst von Ihnen gesprochen hat; sich Ihres Oheims, eines würdigen Geistlichen in Pommern lebhaft erinnert, und viel Antheil an dem, für die Naturgeschichte und die Sammlungen gewiss nützlichen Erfolg Ihrer Reise nimmt. Meinem vortrefflichen Freunde, dem Geh. Rath und Professor Lichtenstein, der sich Ihrer so edel angenommen und dem ich Ihre Bekanntschaft verdanke, müssen Sie diese Zeilen zeigen. Gott segne Ihr neues Unternehmen.

    Alexander v. Humboldt.
    Berlin, den 13.April 1853.

    Herrn Möllhausen,
    Berlin, Klosterstr. 83.

Mai 1853 <7>

[ From the Prussian Ambassador, Leo Gerolt, to Möllhausen (richtig: Humboldt). ]

Washington, den 15ten Mai 1853.
Euer Excellenz

Hochverehrte Schreiben vom 8. März und 16. April d. J. habe ich erhalten, letzteren durch Herrn Möllhausen welcher vor einigen Tagen hier eingetroffen ist; es bedarf keiner Versicherung meiner Seits welche Freude mir Ihre gütigen Mittheilungen gemacht haben und wie dankbar ich Ew. Excellenz für Ihr stetes Wohlwollen gegen mich verpflichtet bin. Der Empfehlung Sr. Majestät Unseres Königs und dem Zauber Ihrer Schriftzüge zu Gunsten des Herrn Möllhausen hat derselbe es zu verdanken dass ihm hier sogleich vortheilhafte Anerbietungen gemacht worden sind welche seine Reisezwecke in jeder Hinsicht fördern müssen. Nachdem ich Ihn mit den Personen welche ihm nützlich sein konnten, bekannt gemacht hatte, empfehle ich ihn für eine der wissenschaftlichen Expeditionen welche im Begriff stehen in verschiedenen Richtungen die nordamerikanischen Continente zu untersuchen um die günstigsten Verhältnisse zu einer Eisenbahn nach dem stillen Ocean auszufinden, wie Ew. Excellenz aus dem hier beigefügten Zeitungsartikel ersehen werden. Bei der Expedition des Lieutenant Whipple, eines ausgezeichneten Offiziers, welcher seinen Weg über Memphis, Fort Smith, Arkansas, Albuquerque und New Mexico nach Californien nimmt, war noch eine Stelle als Zeichner und Naturaliensammler frey welche ihm gegen freyen Unterhalt und Reisekosten und 1   Dollars Gehalt monatlich, angeboten wird. Die Expedition wird wohl ein paar Jahre dauern und er kann sich dabei den grössten Theil seines Gehalts ersparen; er wird noch 3 bis 4 Wochen hier bleiben und diese Zeit zu Vorbereitungen und Studien verwenden da das Smithsonian Institute ihm verschiedene Aufträge zu physikalischen Beobachtungen giebt; ich füge hier ein Schreiben von ihm an Ew. Excellenz bey; . . . . . 1)
        Meine Frau welche mit den Kindern sich wohl befindet, dankt Ew. Excellenz für Ihre gütigen Grüsse und wir vereinigen unsere Wünsche und Gebete für Ihr ungetrübtes Wohlseyn und stete Zufriedenheit.

    In der Hoffnung Sie meinen hochverehrten Gönner, bald wiederzusehen verharre ich mit treuer Anhänglichkeit und in dankbarer Hochverehrung, Ihr
    gehorsamster
    Leo Gerolt.

1) More than half of this letter, having no further references to Möllhausen, has been omitted.

November 1853 <8>

[ Leo Gerolt, Prussian ambassador to the United States to Humboldt. ]

Baltimore, den 28. November 1853.
Mein hochverehrter theuerster Gönner!

Kurz vor Abgang der heutigen Post über England, erhalte ich die lang erwarteten Nachrichten von Möllhausen aus Albuquerque in Neu Mexico und ich freue mich herzlich die Anlagen für Ew. Excellenz und für Fräulein Seifert hier beyzuschliessen; er schickt mir zugleich eine Anweisung von 4   Dollars die er von seinem Gehalte bereits erspart hat und bittet mich zu Gunsten des Fräulein Seifert darüber nach bestem Gutdünken zu verfügen.
        Das Zweckmässigste scheint mir, dass Frl. S. nach dem Rathe ihres Vaters und Ew. Excellenz, dort über das Geld verfüge obgleich hier allerdings höhere Interessen davon zu ziehen wären. Sobald ich das Geld in Washington bezogen haben werde, werde ich einen Betrag davon durch die Königliche Legations Kasse an die Order von Frl. Seifert auszahlen lassen.
        Bey meiner letzten Anwesenheit in Washington sah ich die schönen Zeichnungen welche Möllhausen an das Smithsonian Institut gesandt hatte und wovon er die Originale bey sich führt; seine nächsten Nachrichten aus Californien werden wohl lange auf sich warten lassen und ich bitte Ew. Excellenz das Frl. S. darüber zu beruhigen. Bevor die Expedition nach Californien gelangt, wird es schwer seyn Briefe hierher zu senden.
        Gestatten Euer Excellenz dass ich im Geiste und im Gebete mich den frommen Wünschen und Huldigungen anschliesse welche der reine und kräftige Jüngling Ihnen zum neuen Jahre darbringt.
        Mein Freund Lt. Maury sandte mir ein versiegeltes Schreiben an Ew. Excellenz, worin das Profil der Meeres Tiefen im atlantischen Ocean sich befindet. Ich habe das Schreiben mit andern Drucksachen für das K. Ministerium mit dem Bremer Dampfschiff "Hansa" nach Berlin befördert. Die Kürze der Zeit erlaubt mir heute, nur noch einige Curiosa aus hiesigen Zeitungen hier beyzuschliessen und mich dem ferneren Wohlwollen Ew. Excellenz zu empfehlen indem ich mit unwandelbarer Hochverehrung und Freundschaft verharre.

    Ew. Excellenz
    treu ergebenster
    Leo Gerolt.

Dezember 1853 <9>

[ Adressed to Alex. von Humboldt. ]

Baltimore, den 28 Dezember 1853.
Ew. Excellenz.

Hatte ich die Ehre unterm 28.November, und 2. d. M. zu schreiben und die Reiseberichte nebst verschiedenen Schreiben von Herrn Möllhausen beyzufügen.
        In der Anlage erlaube ich mir ein Schreiben von (an) Herrn Kastellan Seifert beyzufügen worin sich eine Anweisung von Rthr. 55 -1 Sgr.4 pf. zahlbar bey F.M. von Magnus an die Order von Fräulein Caroline Seifert befindet. Dieses Geld ist der Betrag von 4   Dollars welche Herr Möllhausen an mich mit dem Ersuchen remittirt hat dieselben zur Verfügung des Frl. Seifert zu stellen.
        Indem ich mich auf meine vorerwähnten Schreiben zu beziehen mir erlaube, habe ich die Ehre Euer Excellenz die Versicherungen meiner unbegrenzten Hochachtung und Verehrung zu erneuern.

    Leo Gerolt.

Dezember 1853 <10>

[ From the Prussian ambassador to the United States to Herrn Seifert. ]

Baltimore, den 28.Dezember 1853.
An den Königlichen Castellan,
Herrn Seifert Wohlgeboren zu Berlin.

Durch seine Excellenz Herrn Baron von Humboldt werden Sie bereits erfahren haben dass Herr H.B.Möllhausen mich beauftragt hat 4   Dollars zur Verfügung Ihrer Fräulein Tochter Caroline zu stellen und da der Cours für Rimessen nach Europa sehr ungünstig ist so habe ich vorgezogen das Geld auf mein Zuguthaben dort bey F.M. von Magnus anzuweisen wobey die üblichen Commissionen für Wechsel Courtage p.p. erspart werden; ich übersende Ihnen hierbey den Betrag von 399 Dollars welche ich von Washington bezogen habe in einer Tratte von Herrn Magnus an die Order Ihrer Fräulein Tochter zum Betrage von Rthr.55 -1  Sgr.4 pf. und ich bitte Sie mir den Empfangschein dafür zukommen zu lassen.
        Von Herrn Möllhausen werden wir nun sobald keine Nachricht erhalten da er nicht eher schreiben kann als bis er in San Diego in Californien angekommen sein wird.
        Im nächsten Frühjahr wird er wohl hierher zurück kommen. Wie er mir zuletzt schrieb, gefiel es ihm sehr gut bey der Expedition des Lt.Whipple und ich glaube dass der Weg, den er gemacht, die Richtung der grossen Eisenbahn werden wird welche den atlantischen Ocean mit dem stillen Ocean verbinden soll, Sr. Excellenz Herr v. Humboldt wird Ihnen den Weg auf seinen Charten zeigen.

    Mit dem Wunsche dass Sie und die Ihrigen sich wohl befinden und ein vergnügtes neues Jahr haben mögen, verharre ich
    Ihr ergebenster
    Leo Gerolt.

    P.S. Zum nächsten Sommer hoffe ich nach Berlin zu kommen.

März 1854 <11>

[ Leo Gerolt, Prussian ambassador to the United States to Humboldt. ]

Ew. Excellenz

Hochverehrte Zeilen vom 2 . d. M. erhalte ich so eben vor Abgang der heutigen Post. Indem ich die Beantwortung derselben mir vorbehalte, erlaube ich mir heute nur die beiden Drucksachen beyzuschliessen und Ew. Excellenz für die wiederholten Beweise Ihrer steten Wohlgewogenheit herzloch zu danken.
        Vor einigen Tagen erhielt ich ein Schreiben an Möllhausen aus Berlin was ich gleich nach Californien befördert habe wo M. jetzt hoffentlich angekommen ist.
        Entschuldigen Ew. Excellenz meine Eile und genehmigen die Gefühle meiner unbegrenzten Hochverehrung und treuer Freundschaft

    Ihres dankbar ergebensten
    Leo Gerolt.
    Baltimore d. 13.März 1854

August 1854 <12>

[ From Lieut. Whipple to Humboldt. ]

Washington, D.C.
August 8, 1854

To His Excellency
Baron Alexander von Humboldt.

Dear Sir:
As you have been kind enough to express an interest regarding on results obtained upon our last trip across the continent, I hope you will do me the favor to accept the accompanying living specimens of cactaceae. They where collected by Dr.Bigelow, the indefatigable botanist of the party. My friend, Mr.Möllhausen, has kindly volunteered to present them into your hands. He feels in them an interest probably inferior to none, for in making his capital drawings he has attentively studied them. They consist of the following . . . . . Similar species have been collected by yourself upon the plains of Mexico and these may serve to recall pleasant associations of earlier days.

    With sentiments of the highest respect and esteem, I am truly
    Your Obedient Servant
    A.W.Whipple.

April 1855 <13>

[ The following was written by Humboldt as a communication to some newspaper. ]

In einer Privatmitteilung aus Potsdam vom 31 März (Nr.79 dieser Zeitung) ist, wahrscheinlich durch Missverständniss veranlasst, gesagt worden, dass ein Inspector der König. Menagerie auf der Pfaueninsel angestellt worden sei, der auch die Oberaufsicht über die Kunstwerke in Potsdam und Sanssouci mit Umgebungen, Führer (führen) werde. Herr Möllhausen, dessen wissenschaftlichen sehr interessanten Vorträge über die von ihm durchreisten Länder im Westen von Missouri in der geographischen Gesellschaft in diesen Blättern mehrmals gedacht wurde, ist von Sr.Maj. dem Könige zum Custos der in den Schlössern in und um Potsdam aufgewahrten (aufbewahrten) Bibliotheken ernannt und ihm zugleich die Oberaufsicht über die Behandlung der Tiere auf der Pfaueninsel anbefohlen worden.
        Alexander Humboldt.

November 1855 <14>

[ From Humboldt to Möllhausen. ]

In parts utterly illegible.

Ich eile, mein theurer Möllhausen, Ihnen für die freundliche Mittheilung Ihres Manuscripts innigst zu danken. Es hat mir den angenehmsten Eindruck gemacht und ist schon genug davon gelesen, um Ihnen zu sagen dass es sich sehr zu Druicke eignet, in einer sehr gebildeten Sprache geschrieben und voll Leben, Natur und Sittenverhältnisse der wilden und (was seltener ist) halbwilden Stämme schildert. . . . . . Dieses Lob kann ich jetzt in weit höherem Maasse wiederholen. Eine gewisse Mässigung, Vermeidung redseliger Breite, Natürlichkeit . . . . . zeichnen Ihre sehr lobenswerthe Arbeit aus. . . . . . Ich habe keinen Zweifel dass wir ein (en) Buchhändler finden werden . . . . .

    Alex.v.Humboldt.
    Berlin, 28.November 1855

ca Ende 1855 <15>

[ From Humboldt an Möllhausen. ]

"Allerdings wünsche ich Möllhausen und seine Zeichnungen endlich zu sehen. Da er nahe wohnt, so sagen Sie ihm, dass er mehrere Morgen vorkommt und sich melde, zuerst aber morgen Montag früh zum Frühstück; Wenn ich ihn dann nicht empfangen kann, einen anderen Morgen."

So, lieber Möllhausen, war heute Abend die Antwort. Ich lege Ihnen zur Legitimation einige ostensible Zeilen für den Flügeladjutanten zum Melden bei. Ich gehe morgen Sonntag um 8 Uhr nach Berlin.

    Viele Grüße Ihrer liebenswürdigen Gattin.
    Freundschaftlichst Ihr
    A. Humboldt.
    Sonnabend Nacht.

ca Ende 1855 <16>

[ From Humboldt to Möllhausen. ]

Eine angenehme Nachricht kann man nicht früh genug geben. Der König, hochbefriedigt von Ihren schönen und interessanten Reisebildern, hat mir mit grosser Freundlichkeit versprochen, dass er gerne Ihre . . . . Bilder (?) wird zahlen lassen. Ich werde Ihn schriftlich daran erinnern damit er es den Geh. Kämmerern anzeige. Er hat dabei nicht genug die Lebhaftigkeit Ihrer Unterhaltung preisen können. Auch habe ich den Nachmittag in der Gegenwart der Königin und der Grossherzogin von Mecklenburg Mutter Ihre Bilder zeigen müssen. Mögen Sie und Ihre Gattin von der Sorge befreit sein.

    Freundschaftlichst Ihr A.v. Humboldt.
    Montags.

    Adressed: Sr. Wohlgeb. Herrn Möllhausen, Custos der Bibliotheken in den Schlössern zu Potsdam.
    Berlin, Ritterstrasse 39.

Mai 1856 <17>

New Orleans, La., den 6ten Mai 1856.

Mein lieber Möllhausen!

Mit innigstem Vergnügen durchlas ich Ihr liebevolles Schreiben, welches ich durch die Vermittlung unseres Freundes des Herrn Consul Angerodt gestern hier erhielt. Mein Erstes ist Ihnen meine innige Theilnahme an Ihrem häuslichen Glück auszusprechen und zu der Vaterfreude zu gratulieren. Sie sehen das die Menschen denken und der gute alte Gott es zu ihrem Besten lenkt. Derselbe grosse Vater alles Erschaffenen, der uns auf so wundervolle Weise aus der drohenden Todesnoth und vielfachen beynahe übermenschlichen Beschwerden und Gefahren errettete, erhörte mein Gebet an jenem verhängnisvollen Abend in unserem Indianerzelt und führte Sie und Mich auf den Weg des Heiles weiter. Ich gratulire Ihnen ebenfalls lieber Möllhausen, dass es Ihnen gelungen ist das Wohlwollen eines so grossen Mannes wie das unseres unvergleichlichen Alexander von Humboldt zu gewinnen. Dies gereicht Ihnen zur grössten Ehre, denn Hr. von Humboldt hat nicht als irdischer Herrscher oder Eroberer sich viele Blätter in der Geschichte decidirt, das unvergängliche Reich des Wissens um Jahrhunderte aber befördert und wird gleich einem Aristoteles oder Herodotos unter den Vätern der Wissenschaft den ersten Platz einnehmen. Nur mit Ehrfurcht nenne ich den Namen des grossen gelehrten Mannes und rechne es mir zu der unbedingtesten Ehre und zu den glücklichsten Rückerinnerungen von Sr. Excellenz persönlich gekannt zu sein. Ich bitte Hr. von Humboldt mich achtungsvollst zu empfehlen.
        Durch Ihre letzte Expedition nach der Westküste, mitten durch die Steppenwüsten welche den oberen Rio Grande von dem Rio Gilo und dem Westlichen Colorado trennen, bewohnt von wilden Horden, unter denen die Apaches die bedeutendsten sind, haben Sie sich einen Namen gemacht der sehr ehrenwerth ist. Umsomehr als Sie sich nicht durch die arge Noth abschrecken liessen, welche Sie mit mir bestanden haben, eine neue gefahrvolle Reise zu unternehmen. Auch ich habe seit den letzten vier Jahren lange Reisen zu Ende gebracht. Im Winter 52-53 von New York nach Australien in See gegangen musste (in grösster Detress) mein Schiff aus den Gewässern des Vorgebirges d. G. H. nach der Südamerikanischen Küste zurücksegeln. Nachdem ich einen grossen Theil Brasiliens bereist hatte, ging ich in die Laplata Länder über, besuchte den weniger erforschten Uruguay bis zu den Crahdeischen Missionen, dann Entre Rios und die Pampas von Buenos Ayres. Das Glück war mir günstig. Ein Kaiserlich französischer Schraubendampfer, der "Duroe" nahm mich auf. Seinen Zweck ganz Magellanien und Feuerland, die südlichen und N. Westlichen Canäle bis zum Cap Ares Los montes mit inbegriffen zu besuchen, glückte vollständig und viele wohl wie in einer Reihe zusammengefügte Landschaften sah ich in einem ganzen Bilde vereinigt. Ein längerer und ein Kürzerer Aufenthalt in Chile und Peru vermehrten die interessevollen Erinnerungen. Sehr umfangreiche Sammlungen waren die Früchte nicht unbedeutender Anstrengungen. Die zwei letzten Jahre bearbeitete ich Canada, die südlichen atlantischen Staaten und beinahe ganz Texas. Ein Versuch durch die Siony Länder nach Oregon vorzudringen misslang vollständig an den feindseligen Gesinnungen unserer alten Bekannten der Ogelalas und Titon Siony. Sie erinnern mich an die riesigen Formen einzelner Indianer dieser Stämme. Die grössten menschlichen Gestalten der rothen Race im nördl. Continent fand ich unter den Ohagen Matas und den Ogelala. In der südlichen Hemisphäre sind es wohl die Patagonien . . . . . welche nachhaltig sieben Fuss engl. Maas erreichen und deren Oberkörper namentlich im Gegensatz der Beine auffallend ausgebildet ist, so dass ich sie sitzend noch grösser als stehend wähnte . . . . .
        Ich grüsse Sie herzlichst, gehe im Juni nach Europa zurück und sende eben meine Leute und Sachen ab. Zu dieser letzten Expedition hatte ich sorgfältige Vorbereitungen, gute Wagen, Leute und Pferde gekauft und musste alles vereitelt sehen: Nun mit Gott der Ihrige als Ihr treuer alter Freund
        Paul von Württemberg.
        Vergeben Sie die grosse Eile mit der ich diese Zeilen hinkritzle. Ich empfehle mich Ihrer Gattin unbekannter Weise.

August 1856 <18>

[Addressed to Alexander von Humboldt.]

Euer Excellenz!

Haben durch dero gütiges Schreiben mich ungemein erfreut und beehrt. Die gütige Nachsicht mit welcher Dieselben meine Anstrengungen im Fache des geographischen und naturhistorischen Wissens aufnehmen, kann nur den Drang vermehren durch rastloses Fortschreiten in dieser Bahn, mich des Anerkenntnisses eines Mannes würdig zu zeigen, den das Jahrhundert bewundert und mit vollem Rechte in Hochderenselben als den grössten Gelehrten verehrt. Wie oft schweiften meine Gedanken in jenen entfernten Ländern zu dem berühmten Verfasser des Cosmos, zu dem Manne hin, der zuerst helles Licht leuchten liess in jene damals unerforschten Länderstrecken der Amerikanischen Tropenzone, dessen Name noch heute, nach mehr denn 5  Jahren, die Bewunderung aller Reisenden erregt, welche Mexico, die Orenoco Gestade, oder die südliche Westküste bearbeiten. In der Hauptstadt des Azteken Reiches, so wie an den Ufern des Rimai (?) wurde ich lebhaft und im wärmsten Interesse für die Wissenschaft nach dem Befinden Euer Excellenz befragt und in den entferntesten Regionen Süd- und Nordamerikas gilt Dero Ausspruch als entscheidend. Ich habe in den letzten 7 Jahren sehr viele Gegenden der westlichen Welt berührt und durchkreuzt, welche Stoff liefern für eine längere Arbeit. Von hohem Interesse war es für mich gleich im ersten Jahr der letzten Reise (1849) das westliche Texas, den südlichen Rio Grande zu bearbeiten, ich verwendete hierzu 5 Monate und hatte viel von den räuberischen Comanches und Lepans zu leiden. Eine für den naturhistorischen Geographen wichtige Strecke, von Monterey bis Durango, Chihuahua, und der Westküste von Cinaboa und Sonora eröffnete sich mir auf den vulcanischen Hochebenen zwischen der Sierra Madre und dem Hochzug der westlichen Cordilleren, als Fortsatz der S.Nevada und der grossen Sierra welche sich in Neu Mexico nach Westen abdacht.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Euer Excellenz haben so gründlich dieses Gebiet studirt dass ich natürlich nichts sagen kann, was nicht Dieselben längst wissen, nur bemerken will ich, wie das Studieren Ihrer Schriften meine Aufmerksamkeit vermehrte und ich mich am Anblick des Cerro de Mercado im Norden von der schönen Stadt Durango nicht satt sehen konnte. Eine wundervolle Scenerie bilden die Gebirge im Westen Durangos, wo der Tural Fluss zuerst seine schäumenden Wasser gegen den pacifischen Ocean wendet, bis Echevaria anmitten einer Region geselliger Coniferen und welch ein Anblick von der Höhe des Vatel hinab in das Küstengebiet des Meeres von Cortey . . . . . Von meinen kreuz und quer Zügen in Nord- und Süd-Californien werde ich mir später erlauben Euer Excellenz zu referiren. Die Jahre 1851-52 benutzte ich, nachdem ich über den Isthmus von Panama (damals freilich noch Cruzes und Gorgona auf dem Rücken von Thieren bey grundlosen Wegen, oder in einem Kahn auf dem Chagres Fluss) nach New Orleans zurückgekehrt war, den Norden und Westen wieder in Angriff zu nehmen. Hier begleitete mich der treue, biedere Möllhausen den Euer Excellenz so gütig in Schutz nahmen und wofür ich stets Deroselben höchlichst verpflichtet sein werde. Wie viele Drangsale und Gefahren wir bestanden haben, wird Hochderenselben bekannt sein und die Geschichte vom Schluss dieser westlichen Expedition klingt so fabelhaft, dass ich es für gerathener halte so wenig wie möglich darüber verlauten zu lassen. Von dem merkwürdigen Chemirey (?) (=Chimney) Rock habe ich gute Croquis angefertigt und Möllhausen wird Euer Excellenz alles mitgetheilt haben. Im Jahre 1853 schiffte ich mich zu New York ein um nach Australien zu gehen. Mangel aller Art und Avarien nöthigten das Schiff von der S. Küste Africas nach Brasilien zurückzukehren. Ich bearbeitete die Gegenden um Bohio und Rio, fuhr nach Montevideo und ging den Uruguay bis nördlich der Saltos, und besuchte Buenos Ayres und die Pampas. Auf dem K. franz. Schraubenschiff "Duroe" commandant Vete. de la Seissieres, einem trefflichen Nautiker bereisten wir die Küsten Patagoniens und fuhren am Cap der Jungfrauen in die Meerenge von Magellanien ein. Da die Bestimmung des Schiffes die nördlichen Canäle zu untersuchen vollständig gelungen ist und wir öfters laudeten (landeten), so hatte ich die Gelegenheit diese entfernten, wenig erforschten Küsten bis Chiloe wie das südliche Alpenland von S. W. Chile und Heuerland (Feuerland), und deren wilden Urbewohnern kennen zu lernen. Über Chile und Peru kehrte ich zurück, konnte aber leider von Guajaquil nicht bis zum Chimboraso gelangen und musste mich mit der Fernsicht begnügen. In Chile war ich glücklicher und konnte mehr in der Nähe die nächtige (mächtige) Andeskette (Andenkette) und die riesigen Spitzen des Aconcagua und Tumpungato besichtigen.
        Die höchste Gnade Seiner Königlichen Majestät erfreute mich sehr und ich werde später meine respectvollste Aufwartung machen.

    Genehmigen Dieselben die Wiederholung meiner aufrichtigen Hochschätzung und die Gefühle der ehrfurchtsvollen Freundschaft mit denen ich mich nenne.
    Euer Excellenz
    ganz ergebenster Diener
    Paul Wilhelm,
    Herzog von Württemberg.
    Carlsruhe in Schlesien,
    den 28.August 1856.

September 1856 <19>

Carlsruhe in Schlesien, den 8.September 1856.

Mein lieber Herr Möllhausen!

Vergeben Sie dass ich Ihnen erst heute früh schreibe, aber die wichtigsten Geschäfte und Schreibereyen nahmen selbst meine Nächte in Anspruch. Herzlich danke ich für den Brief Seiner Hochehrwürdigen Excellenz. Dieses Schreiben des grösstlebenden Gelehrten und Nestor der Reisenden rührte mich tief. Ich antwortete sogleich und habe auch dem Hr.Baron Ihre Treue erwähnt und der fabelhaften Leiden denen Sie mit mir in jenem unglücklichen Rückzug ausgesetzt waren. Auch ich trug lange einen Denkzettel von den ausgestandenen Strapatzen in den Winterfrösten davon.
        Bis nächsten Mittwoch den 1 ten, also übermorgen, werde ich um 7 Uhr Morgens von Breslau abgehen und daher gegen 5 Uhr Abends in Berlin eintreffen. Leider kann ich, da ich sehr beeilt bin, noch nicht sagen ob ich übernacht bleiben kann. Jedenfalls würde es mir Umstände machen in Potsdam zu bleiben.
        Da ich den Winter auf mehrere Tage nach Berlin gehen werde, können wir uns ja auch nachher in Potsdam sehen wo ich Sie dann bitten werde mich Ihrer Gemahlin vorzustellen.

    Herzlichst nenne ich mich Ihr ergebener Freund,
    Paul Wilhelm
    Herzog von Württemberg.

    Adressed:
    Seiner Hochwohlgeboren
    Herrn Balduin Möllhausen,
    Custos der Königl. Bibliothek, Potsdam.

August 1857 <20>

[ From Humboldt to Möllhausen. ]

Ich freue mich theurer Möllhausen, Ihnen heute schon die Nachricht mittheilen zu können, dass der König, als ein besonderes Zeichen Seiner Zufriedenheit Ihnen den Rothen Adler Orden, vierter Klasse, gegeben hat. Das Kreuz, das Sie morgen tragen sollen, ist schon in meinen Händen.

    Freundschaftlichst Ihr
    A.v.Humboldt.
    Potsdam, den 5.August 1857.

    An Herrn Balduin Möllhausen,
    Ritter des Rothen Adler Ordens,
    vierter Klasse, Custos der Bibliotheken
    der Schlösser Sr. Majestät des Königs,
    in und bei Potsdam in Berlin.

ca August 1857 <3>

[From Humboldt to Möllhausen]

Alles ist nun für Sie geglückt, theurer Möllhausen, ganz wie ich so herzlich gewünscht und wie Sie es so sehr verdienen. Der König . . . . . hat sich etwas aus dem Ende meiner Vorrede (Ihr Lob) vorlesen lassen; hat 3 Kupfertafeln, die ich gezeigt bewundert; und den Orden 4ter Classe jetzt gleich für Sie fest bewilligt. Er hofft bestimmt Sie am Donnerstag früh nach 9 Uhr (zwischen 9 und 91/2) zu empfangen; auch hat Er das Versprechen eines Geschenkes von 5  bis 6  Friedr. d`or (außerordentliches Reisegeld) wiederholt bewilligt. Ich habe alle Hoffnung dass Sie der König, der allerdings etwas unzulässiger in Audienzen wegen seiner Kränklichkeit geworden ist, Donnerstag vor oder nach dem Frühstück oder zu einer anderen Zeit des Tages z. B. nach Tische sehen wird, doch bitte ich Sie sich ja darauf einzurichten , daß Sie die Nacht bleiben, damit der König Sie allenfalls Freitag früh sehen kann. Das erst Sonnabend fertig werden der Kupfertafeln für den abwesenden Graf Keller ist ziemlich gleichgültig. Sie haben genugsam für den König, alles andere sind Höflichkeiten. Sie können die Exemplare, ohne selbst wieder hieher zu kommen, schicken. Das Wichtige ist schon erreicht und Sie müssen bis Dienstag, d. 11. Aug. (?) Ihre Zeit beisammen halten. Ich habe den persönlichen Abschied, was vielleicht dem König angenehm gewesen wäre, nicht bis Sonntag nach der Kirche aufschieben mögen. . . . . . Sie müssen, wenn Sie das Kleinod (den Orden) haben, verabredeter Massen zu Hofrath Peisker auf die Ordenskommission vor Sonntag mit einem Briefe von mir bewaffnet gehen.
        Da der Neid in Berlin unter Künstlern und bei am Hofe Angestellten florirt, so sprechen Sie von dem Orden und Geldgeschenken mit niemand als Ihrer Gattin, Schwiegereltern und Familie aber von meiner Vorrede und dem Lobe das ich so gerne Ihnen zolle sprechen Sie überall. Das Andere mag man erfahren wenn Sie weg sind.
        Ihre liebenswürdige Gattin wird Ihre Freude theilen wie die meinige.
        A.Humboldt.

ca August 1857 <5>

[ From Humboldt to Möllhausen ]

Ich hatte heute Morgen in einem kleinen heiteren Briefe, den ich dem Könige, beim Aufstehen durch den Kammerdiener Thisch (?) geben liess, an Ihre 5  Stück Friedrichs d`or erinnert. Das erste Wort, was er mir heute Mittag vor der Tafel sagte, war : Ihre Geldsache für Möllhausen ist ganz nach Ihrem Wunsche abgemacht. Da nun der Kämmerer Sonnabend Potsdam verläßt, so glaube ich dass Sie denselben bloss morgen schon fragen sollten "ob Ihre Zeichnungen bei ihm liegen; der König habe mir erlaubt, dieselben nach Berlin mit zu nehmen, um sie der geogr. Gesellschaft zu zeigen!" Das Geld wird er Ihnen schon selbst zuschicken, denke ich. Viele herzliche Grüße Ihrer liebenswürdigen, hoffnungsvollen Gattin.
        A.Humboldt.
        Mittwoch, Abend.

Juli 1858 <21>

[From the Prussian ambassador, Leo Gerolt, to Alexander von Humboldt.]

Washington, den 12.Juli 1858.
Mein hoch- und innigstverehrter Gönner!

Seit meinem letzten Schreiben an Euer Excellenz vom 5. d. M. habe ich eine Unterhaltung mit dem Kriegsminister Floyd gehabt und ihm den Wunsch der Madame Möllhausen vorgetragen "dass ihr Mann die Arbeiten seiner Expedition in Berlin beendigen möge anstatt hier in Washington." Ich sagte Hr. Floyd dass es Ew. Excellenz auch sehr wünschten worauf er mir erwiderte dass er es gern gewähren wolle if Baren (Baron) Humboldt desires it. Man kann nun doch nicht ganz sicher darauf rechnen da von Seiten der Subalternen und der hiesigen Gelehrten allerlei Eifersucht und Intriguen zu befürchten seyen. Hr.Möllhausen wird wohl im September nicht zurückkommen.
        Auf seiner Expedition wird er nun den Mormonen begegnen welche nach dem Süden und Salt-lake auszuwandern begonnen haben und ihre Weiber vorausschicken um sie in Sicherheit zu bringen. Frau Möllhausen wird hoffentlich nicht erschrecken wenn sie erfährt dass ihr Mann unter soviel Weiber gerathen dürfte.
        Von Herrn Ex-President Tillmore habe ich einen freundlichen Brief erhalten wovon ich Euer Excellenz eine Abschrift hierbeifüge. Herr Corcoran lässt sich Ew. Excellenz auch freundlichst empfehlen ebenso wie Lt. Gillis dessen 3ter Theil seines Werkes ich Ew. Excellenz mitbringen werde; er steht im Begriff nach Peru zu reisen um Beobachtungen für die Paralaxe der Sonne zu machen.
        Mayor Emory welcher sich in seinem report über die Mexican Boundary Expedition, so ungebührlich über Ew. Excellenz ausgesprochen hatte, ist dafür in einem Artikel, von kundiger Hand, im New York Herold scharf mitgenommen worden und ich erlaube mir einen Abdruck davon hier beyzuschliessen.
        Die Hitze dauert fort und kein Regentropfen ist seit 4 Wochen gefallen. Das Wasser fängt an zu mangeln und viele Menschen sterben am Sonnenstiche; ich muß noch 8 Tage aushalten um reisefertig zu sein und werde gegen Ende dieses Monats mich in New York einschiffen. Möge die gütige Vorsehung mir vergönnen Euer Excellenz bald im erwünschten Wohlsein wieder zu sehen um Ihnen auch mündlich meine Dankbarkeit auszudrücken.

    Geruhen Ew. Excellenz unterdessen die Gefühle meiner unwandelbaren Hochverehrung und Freundschaft zu genehmigen womit ich die Ehre habe zu zeichnen
    Ew. Excellenz
    gehorsamster Diener
    Leo Gerolt.

    Bitte an Seifert`s meine freundlichen Grüsse zu machen.

Juli 1858 <22>

[From the Prussian Ambassador, Leo gerolt, to Alexander von Humboldt.]

Washington, den 20.Juli 1858.
Euer Excellenz

Habe ich die Ehre, mit Bezugnahme auf mein letztes Schreiben vom 12. d. M. die Anlage von dem Krigsminister Floyd zu überreichen welcher mir auch sein Bild für Ew. Excellenz gegeben hat was ich mit mir bringen werde so wie die Fortsetzung der Pacific R.Road Reports bis incl. VII welche Herr Floyd für Ew. Excellenz bestimmt hat; derselbe ist auf einige Zeit nach den Virginischen Bädern verreist.
        Gestern wurde ich durch die Nachricht aus St.Louis überrascht dass unser Möllhausen auf der Rückreise hierher begriffen sei und dass er in 3 bis 4 Wochen hier einzutreffen gedächte. Der Ärmste hat seit Novbr. v. J. keine Nachricht von Berlin erhalten und es scheint dass alle Briefe die ich von Ew. Excellenz für ihn erhalten und regelmässig durch das Kriegsministerium befördert habe, die Expedition nicht erreicht hatten. Ich schrieb gleich zurück nach St.Louis dass seine Familie und Ew. Excellenz nach den letzten Nachrichten alle wohl wären.
        Auf dem Kriegsministerium erfuhr ich dass die Expedition, nachdem sie ihren Hauptzweck erfüllt, und hundert Meilen östlich von Colorado zu Fort Defiance wegen Mangel an Lebensmittel sich habe trennen müssen. Lt. Ives schreibt dass Möllhausen mit 7 anderen Offizieren der Expedition direckt über Fort Union und Fort Leavenworth nach St.Louis gereist seien. Der Brief von Möllhausen an den Preussischen Consul zu St.Louis ist am 18.Juni von Fort Union geschrieben. Lt. Ives schreibt, dass Möllhausen reiche Sammlungen von Ansichten und naturhistorischen Gegenständen mitbrächte. Ob er die Sachen in Berlin bearbeiten können wird, wie mich Herr Floyd hoffen liess, scheint mir doch etwas zweifelhaft nach den Äusserungen der unteren Beamten weil man fürchtet dass Missbrauch davon gemacht werde. Lt. Ives` Ansicht darüber wird den Kriegsminister wahrscheinlich bestimmen und eine Zeile von Ew. Excellenz an den letzteren würde wohl den Ausschlag geben.
        Ich gedenke am 1.August mich in New York einzuschiffen, beflügelt von süssen Hoffnungen und mit dem innigsten Wunsche Ew. Excellenz in bestem Wohlsein wiederzusehen und zu umarmen.

    In treuer Freundschaft und Dankbarkeit verharrend Ew. Excellenz
    gehorsamster
    Leo Gerolt.

August 1858 <23>

[ From Möllhausen to Frau Möllhausen. ]

Washington, den 20.August 1858

Theuerste innig geliebte Frau, meine einzige süsse, süsse Lina! Nachrichten von Dir! ganz neue! Dein lieber, lieber Brief vom 28.Juni ist in meinen Händen. Siehst Du, meine Herzenslina, mein gutes, gutes Engelsmädel, ich bin ja nun so überglücklich, ich weiss ja dass Du und unser Kind lebt und gesund seid. Aber wie ein Stein fällt mir nun wieder die Erinnerung an meine letzten Briefe auf`s Herz die Dir, meiner süssen Lina, gewiss Thränen entlockt haben; aber verzeihe mir gute, gute Lina, sieh mal seit 10 Monaten wusste ich nichts von Dir oder unserem Kinde, und das machte mich so schrecklich verzweiflungsvoll. Gewiss, meine Engelslina, Du würdest mir gleich vergeben, wenn Du mich manchmal für Stunden und Stunden so unglücklich auf einer Stelle sitzen oder auf meinem Bett hättest liegen sehen. Du würdest mir vergeben wenn Du mich gesehen hättest wie ich das ganze Ministerium in Aufruhr brachte, so dass sie die Telegraphen sogar spielen liessen, und wenn Du gesehen hättest wie mir beim Finden und Öffnen Deines süssen Schreibens, und beim lesen der Worte "ich und das Kind sind wohl" ein paar Wassertropfen der Freude in den Bart krochen! . . . . . Meine stete Sorge ist zum 1.September genommen, ich gehe mit dem sichern und prachtvollen Dampfboot "Saxonia" und werde also zwischen dem 14. und 18.September in Hamburg ankommen und Dir gleich per Telegraph Nachricht zukommen lassen. Am 13.September also, mein Engelsmädel, schreibe mir ein paar Worte, nur wie Du und das Kind sich befinden und schicke den Brief Hamburg post restante damit ich gleich bei meiner Ankunft erfahre wie es steht. Dein Brief an Miss Corcoran hat Effekt behabt (gehabt), ich sehe heute den Kriegssekretär und wenn nicht Neider entgegenarbeiten, so werde ich gemäß des Versprechens des Hr.Floyd die Arbeiten in Berlin beendigen, im entgegengesetzten Falle aber so abreisen. Ives ist noch nicht gekommen und werde ich mir durch Corcoran Geld verschaffen und brieflich mit Ives abschliessen. Ich muss, ich muss, ich muss am 1ten September reisen. Du sagst der letzte Brief von mir sei in trauriger Stimmung geschrieben, Du hast recht, mein Engelchen, ich glaubte aber auch das würde mein letzter sein, denn wir waren nur unsere 55 Mann, wir lagerten in einem Gehölz am Ufer des Colorado und waren von 2000-3000 Mohaves umringt, die von den Mormonen aufgewiegelt waren und die durch ihre fürchterliche Malerei, durch ihre Kriegswaffen, durch die Abwesenheit der Weiber und Kinder uind durch das Erschiessen eines unserer Maulthiere ihre feindlichen Absichten nur zu deutlich zu erkennen gaben. Wir waren Tag und Nacht auf dem Posten, in meiner Jagdtasche steckten 80 getalgte Kugeln, in der kleinen Ledertasche 36 Rehpostenpatronen, in der Brusttasche 50 Revolverpatronen, und nachdem ich ein langes Messer so scharf wie ein Rasiemesser geschliffen, setzte ich mich mit dem Rücken an einen Baum, im rechten Arm die Büchse, im linken die Doppelflinte, auf den Kien Papier, und so schrieb ich an Dich, angesichts einer furchtbar wilden aufgeregten feindlichen Indianermasse; angesichts, wie ich damals glaubte, eines sichern Todes, denn es wären doch zu viel Wilde gegen uns paar Männer gewesen, doch hätte die Hälfte der Wilden wenigstens fallen müssen, obgleich sie eine bessere Stellung im Gebüsch wie wir hatten. Es ging indessen alles gut ab. Den Bemühungen eines Häuptlings Kairuck, derselbe mit dem ich vor Jahren die lange Fussreise machte, und des Häuptlings Mesikehota, dessen Portrait Du in des Königs Mappen findest, gelang es die aufgeregten Gemüther zu beruhigen, und da bin ich denn hier munter und wohlbehalten und mit meinen Vorbereitungen zur Heimreise beschäftigt. Von der Zeit Du dieses liest, bis zur Zeit meiner Ankunft sind nur noch 14 Tage. Also vergnügt, mein Engelchen, Dein Balduchen lässt sich jetzt schon von den Wellen des Oceans in einem nur sichern eisernen Dampfboot wiegen. Ich schreibe mit nächster Post wieder, und kann Dir dann schon mehr von meinen Aussichten schreiben, heute bin ich schon in Eile weil ich um 91/2 Uhr bei Corcoran sein muss doch konnte ich nicht warten Dich, mein süsses Engelchen, über meine Lage zu beruhigen. . . . . . Adieu, mein Linamädel, Gottes Segen mit Dir . . . . . Ich freue mich dass Du in Berlin bist. Ich muss jetzt zu Corcoran und Floyd eilen.
        Adieu, süsses, süsses Herzensmädel.

Mai 1860 <24>

Historical Society of New Mexico.
Santa Fé, May 12, 1860.

Sir:
At a regular meeting of this Society, held on the 30th ult., you were unanimously elected a Corresponding Member.
      I beg to tender the respect the Society entertains for you personally and ist desire for your cooperation in the objects of its organization.

    Very Respectfully,
    Your Obedient Servant,
    Wm. J. Sloan.
    Surgeon, U.S.A.

    Cor. Secy.
    Balduin Möllhausen, Esq.

Oktober 1860 <25>

Santa Fé, Neu Mexiko,
am 13ten Oktober 1860
Herrn B.Möllhausen
zu Berlin.

Geehrter Herr!

Es gereicht mir zum besondern Vergnügen Ihnen in der Einlage Ihr Certifikat als correspondirendes Mitglied der "Historical Society of New Mexico", nebst einem Schreiben des Medicinal-Director, Herrn Dr. Sloan, dahier, cor. Sekretär der Gesellschaft, zu übermachen, mit dem ergebenen Ersuchen mir den Empfang desselben gütigst anzuzeigen. Die Statuten des Vereins gab ich heute, an Sie adressirt, unter eigenem Couvert zur Post.
        Indem ich Sie versichere, dass es den Vereinsmitgliedern, von denen mehrere sich Ihrer persönlichen Bekanntschaft erfreuen, Vergnügen machen würde, irgend welche Mittheilung von Ihnen in Empfang zu nehmen, erlaube ich mir Sie meiner vollsten Hochachtung zu versichern.

    Ihr ergebener
    C. P. Clever

April 1861 <26>

[From Prince Friedrich Karl of Prussia to Möllhausen.]

Berlin, 10. April 1861.
Mein lieber Möllhausen!

Durch die gütige Übersendung der ausserordentlich gelungenen Photiographie, welche Sie als backwoodsman oder Trapper vorstellt, haben Sie mich ebenso gefreut, als angenehm überrascht. Ich kann Ihnen meinen Dank nicht besser ausdrücken, als indem ich Sie bitte die beiden beiliegenden Bildchen, die mich als "zahmerer" Jäger darstellen anzunehmen von Ihrem sehr ergebenen
        Friedrich Karl von Preussen.

März 1879 <27>

[From Prince Friedrich Karl of Prussia to Möllhausen.]

Berlin, 22.März 1879.
Mein lieber Möllhausen:

Der gefällig illustrierte Trinkspruch, welchen Sie mir zu meinem Geburtstage die Güte hatten zu schicken, hat mir eine ausserordentliche Freude gemacht und mir förmlich wohlgetan durch seine einfache zum Herzen gehende Sprache. Empfangen Sie deshalb meinen besten, wärmsten Dank, den ich Ihnen hoffentlich in nicht zu langer Zeit mündlich zu wiederholen wünsche. Ich kannte Sie noch gar nicht als Dichter, aber, nach der vorliegenden Probe zu urtheilen, sind Sie kein Anfänger in dieser Kunst, sondern beherrschen dieselbe. Also noch einmal aufrichtigen Dank und auf baldiges, frohes Wiedersehen.

    Ihr sehr ergebener Diener,
    Friedrich Karl von Preussen,
    Generalfeldmarschall.

August 1879 <28>

[From Mr.Baird, of the Smitsonian Institution to Möllhausen.]

Provincetown, Mass.
Aug. 3, 1879.

My dear Mr. Möllhausen:

Your friendly letter of the 21th of July has just come to my hands, forwarded from Washington. I heartily reciprocate all your kind expression in regard to myself and family. I often think of the time when you were in Washington, and of the interest with which I followed your adventures in the Far West.
        You ask for many of your old friends and acquaintances. Unfortunately a large number of these have passed away from this world. Prof. Henry died in May, 1878, and I have succeeded him in charge of the Smithsonian Institution. Dr. Kennerly (?) died in 1861, having just retunrned from Washington Territory. Ives is dead, as also Whipple. Dr. Newberry is at present a Professor in Columbia College, New York.
        Mrs. and Miss Baird are well, and send their kindest remembrances.
        Thanks for your Autograph of Humboldt. His letters are eagerly sought for.
        I wrote what you say in regard to seeds of American forest trees, and think I can make arrangements to obtain what you want. The expence will probabliy not be very great. As soon as I have anything definite to communicate, I will write you.

    Very truly yours,
    Henry (?) Baird.

    H. B. Möllhausen,
    Potsdam, Prussia.

März 1879 <29>

[From Maria Anna, Princess of Prussia, to Möllhausen.]

Berlin, 22 März 1879.

Von ganzem Herzen sage ich Ihnen Dank für Ihr so liebenswürdiges Gedenken und die guten Wünsche zum Jahreswechsel. Sie haben mich durch Ihre Zeilen sehr erfreut! Möchte Gott Ihnen und Ihrigen ein gesegnetes, gute Jahr geben und Sie bewahren vor Sorge und Krankheit! Möchten Sie endlich hören und nur erfreuendes von Ihrem entfernten Sohn. Ich denke noch oft an die, mit Ihnen, so angenehm verlebten Abende zurück, sie sind mir eine liebe Erinnerung! Wäre ich nicht durch mein schlechtes Gehör ein "Störenfried" am Theetisch, da ich stets durch Zwischenfragen, den Gang einer Unterhaltung unterbrechen muß. Die Taubheit machte einen ganz anderen Menschen aus mir, früher war ich lebendig und theilnehmend und nun erscheine ich stumpf und theilnahmslos. Tausend Dank, dass Sie immer so bemüht waren, laut für mich zu sprechen. Nochmals spreche ich Ihnen meinen wärmsten Dank aus, dass Sie meiner gedacht und zeichne mich als

    Ihre ergebene
    Maria Anna,
    Prinzessin von Preussen,
    Herzogin zu Anhalt.

Februar 1880 <30>

[From the King of Sweden to Möllhausen.]

Stockholm, 20. Febr. 1880.

Bester Herr Möllhausen:

Mit wahrer Freude habe ich die mir zugestellten interessanten Werke über die grossartige Natur der Felsengegende Neu-Mexikos und Nordamerikas empfangen, und ist es mir sehr angenehm gewesen die letztverflossenen Sommer in Fagerlund gestiftete persönliche Bekanntschaft des Verfassers durch seine Werke fortsetzen und befestigen zu können.
        Zum Beweis meiner Hochschätzung Ihrer literarischen Erzeugnisse und als Zeichen meiner aufrichtigen Dankbarkeit habe ich Sie zum Ritter des Schwedischen Nordsternordens ernannt.

    Ihr wohlbewogener
    Oskar.

August 1883 <31>

[From Paul Heyse to Möllhausen.]

Geehrtester Herr!

Erlauben Sie mir die Anfrage, ob Sie geneigt wären, für einen Neuen Deutschen Novellenschatz, den ich in Gemeinschaft mit Ludwig Laistner herauszugeben gedenke, uns Ihre treffliche Erzählung "Die beiden Fähren" event. ohne Honorar zu überlassen und auch die Einwilligung Ihres Herrn Verlegers zu erwirken. Der Verleger unseres Sammelwerkes, der den vor sieben Jahren durch den Tod von Hr. Kurz unterbrochenen Deutschen Novellenschatz vervollständigen soll, glaubt das Unternehmen nur durchführen zu können, wenn er in den Stand gesetzt wird, das gebundene Bändchen zu 1 Mark zu verkaufen. Unter diesen Umständen müssen wir auf das liberale Entgegenkommen der Dichter und ihrer Verleger rechnen, dessen wir uns auch bei der ersten Serie zu rühmen hatten.
        Ich darf wohl hoffen, dass Sie bald durch eine hoffentlich günstige Erwiderung erfreuen

    Ihren aufrichtig ergebener(n)
    Paul Heyse.
    Alexanderbad
    b. Wunsiedel,
    23. Aug. 1883.

Februar 1884 <32>

[From Paul Heyse to Möllhausen.]

Wertester Herr!

Ich habe Ihren "Engelid" noch nicht zurückgesandt, weil ich im Einverständnis mit meinem Freunde und Herausgeber Ludwig Laistner, Sie bitten wollte, uns gerade diese Novelle für unsere Sammlung zu überlassen. Sie sehen heraus (hieraus), wie wenig Gewicht wir beide auf den merkwürdigen Umstand unseres Zusammentreffens in dem Grundmotiv legen. Gerade dieser in der Geschichte der Erfindung so häufig beobachtete Zufall, zu allem Übrigen, was Ihre Geschichte an farbiger Scenerie und feinen Herzenstönen enthält, legt es den Wunsch nahe, sie aufzunehmen. Mit Herrn Janke könnten wir uns freilich durch ein Honorar, das wir ihm schon in anderen Fällen geboten, abfinden. Auch ist es durchaus nicht diese Rücksicht, die uns "Engelid" vorziehen lässt. Und so hoffen wir auf Ihre freundliche Zustimmung, ohne deswegen die Möglichkeit auszuschliessen, dass unter den anderen uns noch unbekannten Novellen, die Sie uns mitteilen wollen, eine oder die andere uns noch werthvoller erscheinen möchte, als die vorläufig erkorene.
        Die Sache hat übrigens keine Eile. Vor Ende des Jahres werden wir schwerlich die letzte Entscheidung zu treffen haben.
        Das entsetzliche Geschick, das Sie betroffen, beschäftigt mich, seit ich davon erfuhr, unaufhörlich. Ich habe, wie Sie wissen, viel vom Härtesten erlebt, was einem Sterblichen verhängt werden kann. Dies aber - wie alles Ziellose und Unergründliche - muss mit wahrhaft seelenzerrüttendem Grauen auf Ihnen lasten. Ich bin zu nichts unfähiger, als Trostsprüche zu stammeln, an die ich selbst nicht glaube.- Dass ich in Berlin nur zu dem einen Zweck verweilte, ist Ihnen wohl bekannt. Ich war so von Theaterpflichten erfüllt, dass ich meinen ältesten und liebsten Freunden fern bleiben musste. So kjonnte ich auch nicht daran denken, neue Bekanntschaften zu machen. Doch werde ich die Strasse nach Berlin ja nun öfter zu wandeln habe (haben), seit sich mein Verhältniss zur Bühne wieder befestigt hat. Dann hoff`ich auch das gegen Sie Versäumte nachzuholen.

    Mit herzlichem Gruss Ihr
    Paul Heyse.
    München, 13. Febr. 1884.

Februar 1886 <33>

[From Maria Anna, Princess of Prussia, to Möllhausen.]

Neapel, Hotel Nobile,
den 28.Februar 1886.

Geehrter Herr!

Was müssen Sie denken, dass ich Ihnen noch nicht schrieb, noch nicht dankte, für einen Brief der mir das ganze Herz bewegte, durch den Ton der daraus zu mir, in weiter Ferne, klang, wie der Glockenklang aus dem Heimathsort! Ihre lieben, warmen Zeilen haben mir unendlich wohlgethan, und die Stimmung in der Sie sie niederschrieben, beseelte mich auch, als ich sie las. Mir wurde so friedlich zu Muthe und ich fühlte den ganzen Zauber des Wortes "Heimath"! Nehmen Sie meinen innigsten Dank, für diesen Gruss aus der Heimath, Sie ahnen nicht wie sehr Sie mich dadurch erfreut! Ihre Schilderung konnte ich so mitempfinden, war es doch auch das erste Weihnachtsfest das ich in der Fremde verlebte, fern von so vielen Lieben! - Gott vergelte Ihnen Ihr liebes Gedenken, tausend, tausend Dank!
        Hoffentlich geht es Ihnen und den Ihrigen gut und leidet Ihre arme Frau nicht zu sehr, unter der ewigen Sorge und Angst! Meine armen Dessauer Geschwister verloren auch den hoffnungsvollen, heissgeliebten ältesten Sohn! Und ich hatte die Sorge meinen geliebten Sohn krank zu wissen, ich wollte schon zu ihm reisen, aber, Gott sei dank, kamen so gute Nachrichten, dass man mir abrieth.
        In Rom lebte ich nur der Kunst und war fortgesetzt auf den Beinen, so dass ich denn, war ich einmal zu Hause, todtmüde war und unfähig zum Schreiben. Ich besuchte auch die zwei tausend Jahr alte Stadt Corveto, unweit Rom, nahe von Civita Vecchia und sah die etruscischen Gräber, wohnte auch Ausgrabungen bei. In Tivoli war es himmlisch schön, der Süden hat doch einen eigenen Reiz und Zauber, und dort ist der so ganz ausgeprägt. Jetzt bin ich in Neapel und es regnet in Strömen; ich will, wenn es das Wetter erlaubt, dieselbe Tour, wie vor Rom, machen und wieder nach Sorrent und Capri gehen und auch auch noch Amalfi besuchen. Diese Orte werden mich hoffentlich mit dem Pinsel in der Hand sehen. Dort ist es einsamer, besonders in Capri kann man ungestört von Fremden malen. - Wenn ich zu meinem Fenster heraus blicke, sehe ich jetzt weder die Berge von Sorrent, noch den Vesuv, noch Capri, noch das Meer, denn alles ist in Nebel gehüllt und der Regen klatscht an die Scheiben! Vor mir brennt das Feuer im kamin und doch friert man! Solche Launen kann der Süden haben. Nun bitte halten Sie mich nicht für undankbar, sondern rechnen Sie mein Schweigen nur den vielen Sehenswürdigkeuten Roms zu! Ich bin Ihnen, von ganzem Herzen, innigst dankbar für den lieben Weihnachtsgruss! Gedenken Sie, auch fernerhin bitte

    Ihrer
    Ihnen sehr dankbaren
    Maria Anna,
    Prinzessin von Preussen,
    Herzogin zu Anhalt.

August 1889 <34>

[From Prince Hohenlohe to Möllhausen]

Berlin, 20ten August 1889

Verehrter Herr!

Leider fand ich Sie hier nicht anwesend, wie Ihnen Ihre Frau Schwiegertochter mittheilen wird. Ich muss daher schriftlich Sie bitten, mir nach Kroschentin in Ober-Schlesien die beiden Gedichte von Ihnen, welche Sie am 27ten Oct. 1887 in der "Vereinigung Prinz Friedrich Karl" im Kaiserhof vorgetragen, zu senden, damit ich in der Lage bin, sie drucken und bei der bevorstehenden Vereinigung am 27. Oct dieses Jahres an die Mitglieder vertheilen zu lassen. Selbstverständlich wird darauf gedruckt werden, dass der Nachdruck verboten wird, jedoch bitte ich mir mittheilen zu wollen, ob Sie wünschen, dass Ihr Name als Verfasser hierbei genannt wird.

    Mit vorzüglicher Hochachtung
    Ihr ergebener
    Prinz Hohenlohe

September 1889 <35>

[From Prince Hohenlohe to Möllhausen.]

Kroschentin, den 20ten Sept. (1889?)

Euer Wohlgeboren

Beehre ich mich für die Zusendung der Gedichte, welche ich in der Anlage zurück sende, meinen ganz ergebensten Dank auszusprechen. Ich habe dieselben mit Ausnahme des letzten Gedichtes (Husaren-Sprüchlein) der Hof-Verlagsbuchhandlung von Mittler Sohn, Kochstr. 78-80 übersandt mit dem Auftrag einen Probebogen Ihnen nach Ihrer Wohnung zu übermitteln, ehe dieselben gedruckt werden. In der Hoffnung, dass so Ihren Wünschen Rechnung getragen ist, verbleibe ich, Ihnen nochmals meinen besten Dank dafür auszusprechen

    Ihr sehr ergebener
    Prinz Hohenlohe.

Januar 1905 <36>

[From Ober-Hofmarschall Eulenburg to Möllhausen.]

Berlin, den 27. Januar 1905.
Ober-Hofmarschallamt
Seiner Majestät
des Kaisers und Königs.
B. 27.

Seine Majestät der Kaiser und König haben Allergnädigst geruht, anläßlich Allerhöchst Ihres Geburtstages Euer Hochwohlgeboren den Königlichen Kronen Orden III. Klasse zu verleihen.
        Indem ich Euer Hochwohlgeboren diese Ordensdekoration hierneben zugehen lasse, spreche ich Ihnen zu diesem Allerhöchsten Gnadenbeweise meinen besten Glückwunsch aus. Gleichzeitig benutze ich die Gelegenheit, Euer Hochwohlgeboren meinen aufrichtigsten Dank für die Überreichung Ihres Buches "Bilder aus dem Reiche der Natur", dessen Lektüre mir reichen Genuss gewährt hat, auszusprechen. Ebenso drängt es mich Ihnen meine aufrichtigsten und angelegentlichsten Glückwünsche zur Feier Ihrer goldenen Hochzeit, welche Sie in zwei Tagen begehen werden, hierdurch zu übermitteln.

    A. Eulenburg.

    An
    den Kustos der Bibliotheken
    in den Königlichen Schlössern
    in und um Potsdam,
    Herrn Möllhausen
    Hochwohlgeboren.

zum Anfang