GALEN, PHILIPP (1813-1899)

Unter dem Schriftstellernamen Galen verbirgt sich der am 21. Dezember 1813 als Sohn des Hofarztes Dr. Fritz Lange in Potsdam geborene Ernst Philipp Lange. Im Elternhaus verlebte Philipp Lange eine schöne Jugend. Auf dem Gymnasium war er ein von seinen Lehrern wegen seinen Begabungen geschätzter Schüler. Schon damals offenbarte sich sein starkes literarisches Talent, indem er ein kleines Theaterstück, Friedrich von Rheinsberg schrieb, das später sogar an einigen Bühnen zur Aufführung gelangte, jedoch in keiner Beziehung an seine späteren Romane heranreicht. Dem Wunsch des Vaters entsprechend, dem es auf eine sichere Existenz des Sohnes ankam, studierte er, wenn auch widerwillig in Berlin Medizin. In den ersten Semestern hörte er auch Philosophie und Ästhetik. Mit 22 Jahren fand er Aufnahme in das Friedrich-Wilhelm-Institut für Psychiatrie. Als Unterarzt empfing er hier wohl wichtige Anregungen zu seinem ersten und wohl berühmtesten Roman Der Irre von St. James. Otto Janke bot ihm 300 Taler dafür, Galen nahm nicht an und der Roman blieb einige Jahre liegen. Philipp Galen widmete sich nun voll und ganz dem Arztberuf. Nachdem er sein Examen beendet hatte wurde er 1845 als Assistenzarzt zum Kadettenkorps in Potsdam berufen. Von hier kam Galen 1847 als Batallionsarzt nach Bielefeld/Westfalen, wo er Marie Louise Körner, eine Verwandte Thodor Körners, heiratete. Diese schenkte ihm noch kurz vor der Silberhochzeit die einzige Tochter, die spätere Schriftstellerin Else Galen-Gube.
Geringes Gehalt und die Unmöglichkeit, eine Privatpraxis in den von ihm geliebten Bergen zu erlangen, veranlaßten ihn, sich wieder der Schriftstellerei zu widmen. So entstand 1853, als er sich in dürftigen Verhältnissen befand, der Roman der Reichen, Der Inselkönig ,dessen Schauplatz die Pfaueninsel bei Potsdam war. Die stille Poesie des verschwiegenen Eilandes hatte schon in der Kinderzeit seine Phantasie angeregt, als er sich in den Gdanken hineinträumte, Herrscher der kleinen Insel zu sein. Dieses Werk eröffnete ihm seine literarische Laufbahn. (Balduin Möllhausen erhielt Ende 1854, als Teil seiner königlichen Anstellung, freie Wohnung auf der Pfaueninsel. Er machte allerdings davon keinen Gebrauch, weil es ihm dort zu einsam war.)

1849 nahm Galen als Chef eines Feldlazaretts am Feldzug in Schleswig, später am Einmarsch in Kurhessen teil. 1854 druckte A. Schumann in Leipzig endlch Der Irre von St. James und 1855 Fritz Stilling, die Lebensgeschichte seines Vaters. Der nächste Roman, Walter Lund (1855), führt zurück in Galens Jugendzeit, in der sich die Schüler des Potsdamer Gymnasiums zusammenfanden, den "Dichterbund Aoidia" gründeten, in dem sie sich ihre Werke vorlasen.
Nunmehr erschien von Galen jedes Jahr ein neues Buch, während er weiter Militärdienst leistete und schließlich Stabsarzt wurde. Auf ausdrücklichen Wunsch Friedrich Wilhelms IV. kehrte Galen 1858 an den Hof nach Potsdam zurück, wo er bis zu seinem 70. Geburtstag im Dienst war. Ein Jahr, bevor er 1878 zum Oberstabsarzt befördert wurde, wohnte Philipp Galen in der damaligen Marienstraße 35 (heute Gregor-Mendel-Straße 38) in Potsdam. (Die Fotografie von Andreas Graf zeigt das Haus im Jahr 1991.) Die Beförderung verdankte er dem Wohlwollen des Königs, da er sich zu dieser Zeit ausschließlich der Schriftstellerei widmete.

Galen, der in seinem Leben 32 Romane, ein Thaterstück und etliche Humoresken schrieb, galt als einer der spannendsten Erzähler seiner Zeit, der dem deutschen Gesellschaftsroman die Note des Sensationellen hinzufügte. Hier wurde er durch Eugene Sue, Wilkie Collins und Alexander Dumas d.Ä. beeinflußt. Während sein Zeitgenosse Theodor Mügge den äußersten Norden des Kontinents darstellte, bevorzugte Galen den Nordwesten und das Alpengebiet als Hintergrund für seine aufregenden Romane.
Am 18. Februar 1899 starb Galen im Kreise seiner Familie im 86. Lebensjahr in Potsdam.
In zahlreichen Zeitungen erschienen ehrenvolle Nachrufe.

Mit Philipp Galen hat sich Balduin Möllhausen bald nach der Rückkehr von seiner letzten Amerikafahrt angefreundet. In den frühen 60er Jahren des 19.Jahrhunderts war Philipp Galen schon seit einem Jahrzehnt ein zunehmend erfolgreicher Autor, Möllhausen dagegen stand am Anfang seiner schriftstellerischen Karriere, obwohl er durch seine Reisewerke schon einiges Ansehen gewonnen hatte. Aus einem bei Graf (Der Tod der Wölfe) abgedruckten Brief aus dem Jahr 1863 kann man erkennen, daß schon zu dieser Zeit eine engere Freundschaft bestand:
Die Familien verbrachten gemeinsame Urlaube auf Rügen und vermutlich auch in der Schweiz. Galen und Möllhausen lasen gegenseitig ihre Bücher und haben sich, worauf Graf hinweist, auch bei ihrer Arbeit gegenseitig beeinflußt.
Die Freundschaft, die bis zum Tod von Philipp Galen bestand, hatte aber auch ihre Krisen. Am 16.2.1867 schreibt Möllhausen in einem Brief [ 1 ] an seinen damaligen Verleger Hermann Costenoble:

    "... Mit Lange stehe ich in keinerlei Beziehung mehr. Ich weiß nur, daß er seine meiste Arbeit der Romanzeitung verkauft hat. Übermäßige Eitelkeit ist störend zwischen uns getreten. ..."

Zum 72. Geburtstag von Galen am 21. Dezember 1885 findet sich in Möllhausens Skizzenbuch 3 der Entwurf eines Gedichts:

      Zwei Knaben waren brave Herr`n
      Sie tranken alle Beide gern.
      Der andre zählte zu den Kahlen,
      Der eine schrieb sich Philipp Galen.

      Zwei Knaben liebten sehr das Bummeln
      Der and`re übte sich im Tummeln
      Der eine wollt` es auch versuchen
                          Ja, Kuchen.

      Zwei Knaben gingen durch das Korn
      Der mit der Trommel pinschert vorn
      Der Kahle tät es weiser finden
      Zu blasen`s Klapphorn kräftig hinten.

      Zwei Knaben waren ziemlich alt,
      Der and`re einundsechzig bald
      Der eine zweiundsiebzig nur,
      Dabei ein Jüngling von Natur

      Zwei Knaben übtn Gut`s im Stillen
      Sie schluckten beide Schweizer Pillen
      Dem einen half`s zum offnen Leibe,
      Dem andern auch? Zu Theilen.

      Zwei Knaben gingen in der Hitze,
      Sie machten beide schlechte Witze.
      Der eine sprach, was heißt hier Kürze?
      Ob kurz, ob lang, es bleiben Seufzer

      Zwei Knaben hatten fromme Weiber,
      Die pflegten üppig deren Leiber,
      Der and`re heut` Geburtstag feiert,
      Der eine herzlich gratuleiert




Die 1894 bei Costenoble erschienene Buchausgabe seines Romans Der Talisman hat Möllhausen seinem alten Freund Ernst Philipp Lange gewidmet.

[ 1 ] Original: Privatbesitz A.Graf


    Bibliographie

DER INSELKÖNIG (1852)
Ein Roman in fünf Bänden aus Horloßsohns` nachgelassenen Papieren.
Verlags-Comtoir Grimma, Leipzig, 1852
(176 S., mit 4 Bildern), 250 S., mit 4 Bildern, 240 S., 272 S., 272 S.) 8

WALTER LUND (1855)
Erinnerungen aus dem Schulleben eines Schriftstellers.
Kollmann, Leipzig, 1855
3 Theile
(911 S.) 8
Zieger Leipzig 1877 3 Bde. (229 S., 208 S., 186 S.) 16 3. Aufl.

ANDREAS BURNS UND SEINE FAMILIE (1856)
Geschichtliches Lebensbild aus dem deutsch-dänischen Krieg 1848-1850.
Kollmann, Leipzig, 1856
4 Theile
382 S. u. 2 Bilder. 387 S. u. 2 Bilder, 394 S. u. 2 Bilder, 388 S. u. 2 Bilder. 8
ebd. 1864 4 Bde. (1529 S.) 8

BARON BRANDAU UND SEINE JUNKER ( 1858)
Aus den Papieren eines Arztes.
Kollmann, Leipzig, 1858
2 Theile [a 2 Abth.]
296 S. u. 6 Bilder, 310 S. und 2 Bilder, 272 S., 268 S. 8
ebd. 1861 2 Theile (1219 S.) 8 2.Aufl.

EMERY GLANDON (1859)
Roman in drei Theilen.
Kollmann, Leipzig, 1859 (1370 S.) 8
ebd. 1865 4 Bde. (936 S.) 8

DER STRANDVOGT VON JASMUND (1859)
Geschichtliches Bild aus der Occupationszeit der Insel Rügen durch die Franzosen von 1807-1813.
Kollmann, Leipzig, 1859 4 Bde.
(696 S.) 8
ebd. 1860 4 Theile
ebd. 1863 (1283 S.) 8

DIE INSULANER (1861)
Rügianisches Charakterbild.
Kollmann, Leipzig, 1861 4 Theile (1522 S.) 8

DER SOHN DES GÄRTNERS (1861)
Roman in 4 Theilen.
Kollman, Leipzig, 1861
(1455 S.) 8
ebd. 1863 (1291 S.) 8 2.Aufl.
ebd. 1865 4 Bde. 8

DER LEUCHTTURM AUF CAP WRATH (1862)
Roman in drei Theilen.
Kollmann, Leipzig, 1862
(1140 S.) 8

DER GRÜNE PELZ (1863)
Roman in 4 Theilen.
Kollmann, Leipzig, 1863
(1425 S.) 8
ebd. 1864 (1425 S.) 8 2. Aufl.
Zieger Leipzig 1877
4 Bde. (246 S., 261 S., 259 S., 264 S.) 16 3.Aufl.
Deutsche Verlags-Actiengesellschaft, Leipzig, 1906, 4 Theile (2 Bde.) (198 S.200 S., 194 S., 1922 S.) 8 4.Aufl.

DAS ERBE VON BETTYS RUH (1866)
Kollmann, Leipzig, 1866
4 Theile (424 S., 412 S., 370 S., 416 S.)
1. u. 2.Aufl.

DAS IRRLICHT VON ARGENTIERE (1867)
Deutsche Roman-Zeitung, Jhrg. 1867, 2.u.3. Bd.
Otto Janke, Berlin, 1868
3 Bde. (IX, 911 S.) 8
ebd. 1873 3 Theile in 1 Bd. (408 S.) 8 2.Aufl.
ebd. 1880 3 Thile in 1 Bd. (168 S., 179 S., 168 S.) 8

WALRAM PORST, DER DEMAGOGE (1868)
Deutsche Roman-Zeitung, Jhrg. 1868, Bd. 1-3
Otto Janke, Berlin, 1868
4 Bde. (1446 S.) 8

JANE, DIE JÜDIN (1867)
Erzählung.
Deutsche Roman-Zeitung, Jhrg. 1867, Bd. 1 u. 2
Otto Janke, Berlin, 1867, 3 Bde. (744 S.) 8
ebd. 1873 (375 S.) gr.8 2.Aufl.

DER LÖWE VON LUZERN (1869)
Deutsche Roman-Zeitung, Jhrg. 1869, Bd. 1-3
Otto Janke, Berlin, 1869
5 Bde. (III, 304 S., III, 336 S., III, 332 S. III, 352 S., 329 S.) 8
ebd. 1875. 5 Theile in 2 Bdn. (421 S., 439 S.) 8 2. Aufl.
A.Schumann, Leipzig, 1906, 4 Bde. In 1 Bd. (217 S., 183 S., 212 S., 200 S.) 8 3.Aufl.

DER FRIEDENSENGEL (1870)
Otto Janke, Berlin, 1870
3 Bde.
III, 374 S., III, 386 S., III, 432 S., 8

FRIEDRICH IN RHEINSBERG (1871)
Vaterländisch-historisches Charakter-Gemälde in 5 Abth. Mit Vorspiel.
Otto Janke, Berlin, 1873, VII, 220 S. 8, 2.Aufl.

IRENE, DIE TRÄUMERIN (1873)
Deutsche Roman-Zeitung, Jhrg. 1873Bd. 2 u. 3
Otto Janke, Berlin, 1873, 3 Bde.
374 S., 380 S., 350 S., 8

DER ALTE VOM BERG (1873)
Otto Janke, Berlin, 1873
3 Bde.
411 S., 455 S., 435 S., 8
Ebd. 1876, 3 Theile in 1 Bd., (551 S.), 8

DER RASTELBINDER (1874)
Otto Janke, Berlin, 1874
3 Bde.
336 S., 368 S., 386 S., 8
Ebd. 1877(486 S.), 8, 2. [Volks] Aufl.

DER EINSIEDLER VOM ABENDBERG (1875)
Seitenstück zum "Irren von St. James"
Deutsche Roman-Zeitung Jhrg. 1875 Bd. 3 u. 4
Otto Janke Berlin 1876
3 Bde.
357 S., 378 S., 413 S., 8

DIE MOSELNIXE (1877)
Erzählung
Deutsche Roman-Zeitung Jhrg. 1877, Bd. 1 u. 2
Otto Janke Berlin 1877
3 Bde.
273 S., 255 S., 262 S., 8

FREI VOM JOCH (1878)
Otto Janke, Berlin, 1878
3 Bde.
356 S., 382 S., 378 S., 8

AUCH DIE STERNE KÖNNEN REDEN (1879)
Zieger, Leipzig, 1879
4 Bde.
292 S., 316 S., 282 S., 284 S., 8

DIE PERLE VON DER OIE (1880)
Zieger, Leipzig, 1880
4 Bde.
262 S., 263 S., 283 S., 272 S., 8

DIE FÜRSTENDIENER (1880)
Nach den ungedruckten Mmoiren eines Arztes
Zieger, Leipzig, 1880
4 Bde.
296 S., 265 S., 265 S., 236 S., 8

DER PECHVOGEL und ANDERE ERZÄHLUNGEN (1883)
Collectin Speman
?

DER MEIER VON MONJARDIN (1891)
Lechner, München, 1891
4 Theile in 2 Bdn.
VII, 399 S., V, 394 S., 8
C.Schneider, Bamberg, 1898
4 Theile in 2 Bdn.
VII, 399 S., V, 394 S., 2. [Titel] Aufl.
(Billig Ausgabe)


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