I.5.c.30
© Familie Möllhausen
Skizzenbuch 2, Blatt 31

Omaha

(Tanz der Omaha)

u.m.: Omaha

Das Skizzenbuch Nr.2

    Im Skizzenbuch 2 befinden sich 33 Zeichnungen, die der ersten Amerikareise zuzuordnen sind.

Abgedruckt in:

    Siegfried Augustin. Die Welt der Indianer in Augenzeugenberichten.- München: nymphenburger. 1997

Ähnliche Bilder:

    I.4.b.3
    © Stiftung Preußischer Kulturbesitz
    Ethnologisches Museum
    Berlin-Dahlem

    Tanz der Omaha

Texte:

    Tagebuch einer Reise vom Mississippi nach den Küsten der Südsee. Von Balduin Möllhausen. Eingeführt von Alexander von Humboldt. Mit 13 Illustrationen in Oelfarben und Tondruck, 10 Holzschnitten und 1 Karte.- Leipzig: Hermann Mendelsohn. 1858.

    ... Alle indianischen Tänze haben in so weit Aehnlichkeit mit einander, als sie in Stampfen mit den Füssen nach dem Takte von Trommeln bestehen. Die Tanzenden bleiben dann entweder auf derselben Stelle und hüpfen von einem Fuss auf den andern, oder bewegen sich im Kreise und ahmen dabei die Bewegungen von Thieren nach, wodurch die Tänze dann ihre verschiedene Bezeichnung erhalten, wie z.B. Büffel-, Biber-, Bären-, Pferde- und Hundetänze.
    Das Interessanteste dieser Art sah ich einst in Belle Vue, als ein Trupp der langhaarigen Omahas uns besuchte und Tänze vor unserer Thüre aufführte. Der Aufzug allein hatte schon so viel Merkwürdiges und zeigte ein solches Durcheinander greller Farben, dass es wirklich Mühe kostete, die schlanken menschlichen Gestalten unter der Ueberladung der eigenthümlichsten Schmucksachen zu erkennen. Der Kopfschmuck war bei allen derselbe, nämlich der grosse Federbusch; ausserdem waren aber bei der ganzen Gesellschaft, die über dreissig Mann zählte, auch nicht zwei Linien in der Malerei einander ähnlich. Die Gesichter und Oberkörper schienen dem Chamäleon entnommen zu sein und die aus weichem Leder angefertigten Kleidungsstücke waren mit bunten Perlen und gefärbten Stacheln des nordamerikanischen Stachelschweines reich gestickt. Ganze Massen lederner Fransen, Skalp-Locken, Pferdehaare, Bälge von Vögeln, vierfüssigen Thieren und Reptilien waren an den Armen und an den Leggins befestigt, Ketten von Perlen, Muscheln, Tigerzähnen und Bärenkrallen vielgach um die bemalten und tätowirten Hälse geschlungen, und messingene Spangen reihten sich auf den Armen dicht aneinander. Diese wilde Schaar in ihrem festlichen Anzuge bot in der That einen prächtigen Anblick, als sie sich in weitem Bogen in einer Reihe aufstellte. Jeder hielt in der rechten Hand eine Rassel in Form eines zierlich geschnitzten Stäbchens, an welchem eine Anzahl Hirschklauen befestigt war, und begleitete das Dröhnen der Trommel, die von vier alten Kriegern geschlagen wurde, mit taktmässigem Gerassel; alle Tanzenden stimmten in den wilden Gesang ein und schrilles Pfeifen auf ausgehöhlten Schwanenknochen half das unharmonische Concert vervollständigen. Alte schwarzbemalte Krieger gingen hinter den Tanzenden auf und ab, munterten mit lauter Stimme zu neuen Anstrengungen auf, prahlten mit der Tapferkeit ihres Stammes und redeten den Zuschauern zu, mit offenen Händen Geschenke zu spenden. Jeder der anwesenden Weissen und Halbindianer leistete denn auch der Aufforderung Folge und steuerte nach Kräften dazu bei, die Tänzer durch Geschenke zu erfreuen. ...
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