I.2.a.44

© Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Mohave Indianer


Aquarell, weiß gehöht
27x33,5 cm
bez.u.r.: Möllhausen
Aquarellsammlung 2198

Die Bilder der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg:

    Den größten Teil der ihm nach der 2.Reise verbliebenen Aquarelle, darunter die Vorlagen für die Illustrationen im Tagebuch, übergab Möllhausen 1856 bei Audienzen in drei Mappen an König Friedrich Wilhelm IV.
    In einem Brief vom 18.2.1904 an das Königliche Kupferstichkabinett schrieb Möllhausen:
    »... Vor einem halben Jahrhundert hatte ich den Vorzug, dem Könige in kurzen Zeitabständen drei Mappen mit fünfzig Aquarellen überreichen zu dürfen, die sich auf meine beiden ersten Weltfahrten bezogen. Dieselben enthielten zugleich die Originale der Illustrationen, die ich der Prachtausgabe meines Erstlingswerkes einverleibte ...«

    Die Bilder waren zunächst verschollen. Noch in der 1981 erschienenen Neuausgabe seines Buchs (Catlin und Möllhausen. Zwei Interpreten der Indianer und des Alten Westens. Berlin, Dietrich Reimer Verlag, 1963) erklärte Horst Hartmann, Direktor des Berliner Völkerkundemuseums:
    »... Wo die dem König von Preußen vermachten Stücke geblieben sind, ist mir unbekannt. ...«

    Nach der Wiedervereinigung, im Jahr 1994, fanden Berliner Ethnologen und Sammler die Bilder in der sogenannten Plankammer des Neuen Palastes in Sanssouci. Wegen des unerwarteten Interesses wurden die Bilder dann zusammen mit vielen anderen Exponaten aus dem Ethnologischen Museum in Berlin und aus dem Besitz der Familie Möllhausen in einer Ausstellung mit dem Titel "Ein Preuße bei den Indianern" vom 28. Mai bis 23. Juli 1995 in den Römischen Bädern (Sanssouci, Potsdam) der Öffentlichkeit vorgestellt.

Vorlage für:

    II.1.1.11
    Tagebuch einer Reise vom Mississippi nach den Küsten der Südsee

    Mohave-Indianer (Thal des Rio Colorado des Westens)

Abgedruckt in:

    Balduin Möllhausen (1825-1905). Ein Preusse bei den Indianern. Aquarelle für Friedrich Wilhelm IV. Stiftung Preussische Schlösser und Gärten. Berlin-Brandenburg. 1995.
    (Ausstellungskatalog)

Ähnliche Bilder:

    II.2.1.8
    Reports of Explorations and Surveys
    Report upon the Indian Tribes

    Mohave Indians

Ähnliche Bilder:

    II.4.1.4
    Report upon the Colorado River of the West

    Mojaves

Texte:

    Das Mormonenmädchen. Eine Erzählung aus der Zeit des Kriegszuges der Vereinigten Staaten gegen die "Heiligen der letzten Tage" im Jahre 1857-1858 von Balduin Möllhausen.- Jena und Leipzig: Hermann Costenoble. 1864.
    Neuausgabe München: ABLIT Verlag. 2001


    ... Die äußere Erscheinung dieser Urwilden mochte mit dazu beitragen, daß man sich rücksichtsvoller gegen sie benahm und sie mehr mit bewundernder Theilnahme, als mit besorgnißvoller Abneigung betrachtete. Denn außer dem, daß sie noch fast eine Kopfeslänge über die größten Mitglieder der Mormonen-Gesellschaft emporragten, waren ihre Körper, ohne auffallend muskulös zu sein, von so kräftigem, untadelhaftem Bau und so classisch schönem Ebenmaß, daß man sie mit den Göttergestalten des antiken Olymp hätte vergleichen können, wie sie einst als Ideale der Phantasie der alten griechischen und römischen Künstler vorgeschwebt haben mögen. Ein langer, flatternder Schurz von weißem Baumwollenzeug bildete ihre einzige Bekleidung, während Sandalen von dickem ungegerbtem Leder ihre Füße gegen das scharfe Gestein schützten. Als Schmuck hatten sie nur mehrere Schnüre weißer Perlen um ihren Hals geschlungen, wozu derjenige, welcher den Turban auf seinem Kopfe trug, noch einen blauen Stein und eine weiße Perle mittelst eines dünnen Riemens an seinem durchstochenen Nasenknorpel befestigt hatte. Ihr Hauptschmuck bestand indessen in den pechschwarzen Haaren, welche in unglaublicher Länge und Stärke über ihre Nacken niederfielen. Dieselben waren mit Hülfe von klebriger Erde in sechszehn bis zwanzig dicke Strähnen zusammengedreht worden und reichten bis tief auf's Kreuz hinab, wo sie alle in gleicher Länge endigten. Ihre Physiognomien trugen den echten indianischen Typus, zeigten aber nichts von dem wilden verschlagenen Ausdruck, welcher den größten Theil der nordamerikanischen Indianerstämme charakterisirt. Es ruhte sogar eine gewisse Offenheit und Redlichkeit auf denselben, was von vorn herein zu der Vermuthung verleitete, daß sie, anstatt von dem Fleische des Wildes zu leben, ihre Nahrungsstoffe einzig und allein einem üppig spendenden Boden verdankten, was im Laufe von Generationen nicht ohne Einfluß auf die Körperbeschaffenheit und Neigungen des Menschen bleiben kann. ...

Texte:

    Tagebuch einer Reise vom Mississippi nach den Küsten der Südsee.- Leipzig: Hermann Mendelsohn. 1858.

    ... Als wir uns mit unseren alten Begleitern unterhielten, wurden wir einer ganzen Schar Indianer mit Weibern und Kindern ansichtig, die sich von der Felskette her in feierlichem Zug auf unser Lager zu bewegte. Es war dies eine Gesellschaft oder Gemeinde der Mohave-Indianer, die sich mit ihren Tauschartikeln bei uns einstellte, um Geschäfte zu treiben. So wenig oder gar nicht bekleidet die einzelnen Mitglieder auch waren, so läßt sich kaum eine buntere Schar denken als die, die, geführt von einem Häuptling, in langer Reihe unserem Lager zuschritt. Die herkulischen Gestalten der Männer prangten von den langen Haaren bis hinab zu den stumpfen Zehen in weißer, gelber, blauer und roter Farbe, je nachdem sie sich mit Kalk oder farbiger Tonerde beschmiert hatten. Die diamantklaren Augen blitzten aus den gemalten Zügen wie feurige Kohlen, und auf dem Scheitel der meisten standen einige Geier-, Specht- oder Schwanenfedern aufrecht, wodurch die riesenhaften Gestalten nur noch größer erschienen. […] Die Weiber waren alle mit dem eigentümlichen Rock bekleidet, dessen vordere Hälfte bei den wohlhabenderen aus gedrehten Wollschnüren statt der Baststreifen bestand. Auf den Köpfen trugen sie tönerne Gefäße, aus Bast geflochtene Säcke und wasserdichte Körbe, die mit den Erzeugnissen ihres Fleißes und dem Ertrag ihrer Felder angefüllt waren. Im Lager angekommen, knieten die Weiber reihenweise auf dem Boden nieder. Ihre vollen Körbe stellten sie vor sich hin, worauf die sie begleitenden Männer sich in unserem Lager verstreuten, unsere Leute zum Handel aufforderten und auch den Abschluß eines Handels, wenn ein solcher zustande gekommen war, überwachten. ...
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