I.2.a.30

Š Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Zuni. Pueblo-Stadt in Neu Mexico


Aquarell, weiß gehöht
17,5 x 25 cm
bez.u.r. Möllhausen
Aquarellsammlung 2226

Die Bilder der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg:

    Den größten Teil der ihm nach der 2.Reise verbliebenen Aquarelle, darunter die Vorlagen für die Illustrationen im Tagebuch, übergab Möllhausen 1856 bei Audienzen in drei Mappen an König Friedrich Wilhelm IV.
    In einem Brief vom 18.2.1904 an das Königliche Kupferstichkabinett schrieb Möllhausen:
    ģ... Vor einem halben Jahrhundert hatte ich den Vorzug, dem Könige in kurzen Zeitabständen drei Mappen mit fünfzig Aquarellen überreichen zu dürfen, die sich auf meine beiden ersten Weltfahrten bezogen. Dieselben enthielten zugleich die Originale der Illustrationen, die ich der Prachtausgabe meines Erstlingswerkes einverleibte ...Ģ

    Die Bilder waren zunächst verschollen. Noch in der 1981 erschienenen Neuausgabe seines Buchs (Catlin und Möllhausen. Zwei Interpreten der Indianer und des Alten Westens. Berlin, Dietrich Reimer Verlag, 1963) erklärte Horst Hartmann, Direktor des Berliner Völkerkundemuseums:
    ģ... Wo die dem König von Preußen vermachten Stücke geblieben sind, ist mir unbekannt. ...Ģ

    Nach der Wiedervereinigung, im Jahr 1994, fanden Berliner Ethnologen und Sammler die Bilder in der sogenannten Plankammer des Neuen Palastes in Sanssouci. Wegen des unerwarteten Interesses wurden die Bilder dann zusammen mit vielen anderen Exponaten aus dem Ethnologischen Museum in Berlin und aus dem Besitz der Familie Möllhausen in einer Ausstellung mit dem Titel "Ein Preuße bei den Indianern" vom 28. Mai bis 23. Juli 1995 in den Römischen Bädern (Sanssouci, Potsdam) der Öffentlichkeit vorgestellt.

Abgedruckt in:

    Balduin Möllhausen (1825-1905). Ein Preusse bei den Indianern. Aquarelle für Friedrich Wilhelm IV. Stiftung Preussische Schlösser und Gärten. Berlin-Brandenburg. 1995.
    (Ausstellungskatalog)

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Texte:

    Tagebuch einer Reise vom Mississippi nach den Küsten der Südsee.- Leipzig: Hermann Mendelsohn. 1858.
    Seiten 282-285


    ... Am Zuņi-Flusse, der sein Wasser dem Colorado Chiquito zuführt, erhebt sich auf einer kleinen Anhöhe Pueblo de Zuni , die Indianerstadt. Aehnlich wie Santo Domingo ist Zuņi terrassenförmig gebaut, so dass 3 bis 7 Stockwerke übereinander liegen. Das obere ist jedesmal kleiner als das, auf welchem es sich erhebt, wodurch jede Wohnung einen Vorhof oder eine Gallerie erhält. Die Strassen zwischen den Häusern sind eng und zuweilen durch Ueberbauung der oberen Stockwerke ganz verdeckt.
    [...]
    Bei den Zuņi-Indianern tritt die Hinneigung zur Civilisation noch mehr hervor als in irgend einer anderen Pueblo. Sie treiben Schafzucht, halten sich Pferde und Esel und beschäftigen sich in ausgedehnterem Massstabe mit Ackerbau. Als unsere Expedition dort vorbeizog, waren freilich die Ernten schon längst beendigt, doch erblickten wir überall auf der Ebene Felder, wo die Stoppeln von Weizen, Mais, Kürbissen und Melonen von dem Fleisse der Indianer zeugten. Ausser diesen Feldfrüchten ziehen sie in ihren Gärten auch Zwiebeln, Bohnen, und spanischen Pfeffer, und besonders letzterer war in grossen Massen guirlandenweise an den Aussenwänden der Häuser zum Trocknen aufgehängt. Doch nicht nur Ackerbau und Viehzucht ist es, womit die Zuņis umzugehen wissen, sondern die Weiber derselben sind auch geschickte Weberinnen und verfertigen, wie die Navahoes, dauerhafte Decken. Das Zerreiben des Getreides zu Mehl ist ebenfalls Arbeit der Weiber und geschieht, indem die Arbeiterin mit einem Steine auf einem anderen schräg stehenden die Körner zermalmt. Auch eine Schmiede befindet sich in der Stadt, in welcher Indianer Hammer und Zange regieren. Einen interessanten Anblick gewährt diese Pueblo in der Nähe mit ihren Terrassen, den hohen Strassen, den zahlreichen Leitern, den mancherlei Gestalten, die emsig auf denselben umherklettern, und den auf den Mauern umhersitzenden gezähmten Truthühnern und Adlern. Hat man die Stadt aber verlassen und schaut nach derselben zurück, dann ist es ein schönes Bild, welches am südlichen Ende der Ebene ausgebreitet liegt, und vor welchem man gern etwas länger verweilt, um die einzelnen Punkte dem Gedächtnisse fester einzuprägen. Die imposanten Felsenmassen, die fernen blauen Gebirge, die alterthümliche Stadt und vor derselben die Fläche, zu der Zeit entblöst vom reichen Ertrage, die in weitem Kreise zerstreut umherliegenden einsamen Wartthürme, alles diese nahm sich so malerisch aus und passte so genau zu einander, dass mir die Aussicht, welche ich Ŋ Meile nördlich von der Stadt zurückblickend genoss, ewig unvergesslich bleiben wird. ...
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